Friedensbündnis Ostermarsch lehnt Militärübung am Flughafen ab

Lübeck: Archiv - 12.04.2026, 10.35 Uhr: Das Friedensbündnis Ostermarsch Lübeck – ein Zusammenschluss aus DFG-VK, Frauen Courage, Die Linke, Umweltgewerkschaft, MLPD, VVNBdA/HLRZ und Privatpersonen – hat einen offenen Brief an Bürgermeister Jan Lindenau, die Lübecker Bürgerschaft und MdB Tim Klüssendorf verfasst.

Anlass ist die Militärübung „Dispersed Operations 2026”, bei der vom 13. bis 17. April täglich fünf Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff” auf dem zivilen Flughafen Lübeck-Blankensee starten und landen werden. Das Bündnis kritisiert die fehlende demokratische Beteiligung der Bevölkerung sowie die Gefahr, dass der Flughafen durch seine militärische Nutzung im Ernstfall zur Zielscheibe für Bombardierungen wird und damit die gesamte Bevölkerung gefährdet.

Das Bündnis fordert eine öffentliche Debatte in der Bürgerschaft, vollständige Transparenz über Risiken und Kosten sowie die Verurteilung der Übung durch die Stadt Lübeck als Ausdruck des Friedenswillens der Bevölkerung.

Der offene Brief im Wortlaut:

(")Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lindenau,
sehr geehrte Mitglieder der Lübecker Bürgerschaft,
sehr geehrter Herr Klüssendorf,

vom 13. bis 17. April 2026 üben fünf Eurofighter des TaktLwG 73 „Steinhoff" täglich von 07:00 bis 19:00 Uhr auf dem zivilen Flughafen Lübeck-Blankensee. Die Bundeswehr stuft Lübeck ausdrücklich als „logistischen Knotenpunkt für die NATO in Europa" ein. Wir wenden uns an Sie, weil diese Entscheidung demokratische und sicherheitspolitische Fragen aufwirft, die bislang ohne Beteiligung der Bevölkerung und der Bürgerschaft getroffen wurden.

Unsere Kritik

Sicherheit: Kampfjets auf einem Passagierflughafen bedeuten erhöhte Risiken für Anwohnerinnen und den zivilen Luftverkehr. Darüber hinaus wird der Flughafen durch seine militärische Nutzung im Ernstfall zur Zielscheibe für gegnerische Bombardierungen und gefährdet damit die gesamte Lübecker Bevölkerung.

Militarisierung des Alltags: Die Nutzung ziviler Infrastruktur für Kampfjetübungen verschiebt die gesellschaftliche Wahrnehmung von Normalität, ohne demokratische Entscheidung der betroffenen Bevölkerung.

Eskalation statt Diplomatie: Abschreckungslogik allein schafft keine Sicherheit. Sie schürt Misstrauen und verengt diplomatische Lösungsräume und dass gerade in einer Zeit, in der Europa Wege zu Verhandlungen und Waffenstillstand suchen sollte.

Demokratisches Defizit: Die Bürgerschaft wurde nicht einbezogen, die Bevölkerung nicht umfassend informiert. Das ist mit dem Selbstverständnis einer demokratischen Stadtgesellschaft nicht vereinbar.

Unsere Forderungen

1. Öffentliche Debatte in der Bürgerschaft über die Bedingungen, unter denen zivile Infrastruktur dieser Stadt für militärische Zwecke genutzt werden darf. Eine solche Grundsatzentscheidung gehört in die Hand des Stadtparlaments.

2. Vollständige Transparenz über Umfang, Lärmbelastung, Sicherheitsrisiken und Kosten dieser und künftiger Militärübungen am Flughafen Lübeck.

3. Parlamentarische Anfrage von Herrn Klüssendorf MdB an die Bundesregierung: Welche weiteren Zivilflughäfen sind für vergleichbare Übungen vorgesehen? Welche Rechtsgrundlagen und Kosten liegen der Übung in Lübeck zugrunde?

4. Verurteilung der Übung durch die Stadt Lübeck: Wir fordern Bürgermeister und Bürgerschaft auf, diese Militärübung auf einem Zivilflughafen öffentlich zu verurteilen und damit den Friedenswunsch der Lübecker Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen.

Lübeck hat eine Verantwortung

Lübeck ist eine Hansestadt mit einer langen Tradition des friedlichen Austauschs und der Verständigung. Dieses Erbe verpflichtet. Wir erwarten von Ihnen, dass Sie Sicherheit durch Diplomatie suchen und nicht durch die Ausdehnung militärischer Logik in den zivilen Alltag.

Das Friedensbündnis Ostermarsch Lübeck wird in der kommenden Woche mit einer Mahnwache präsent sein. Datum und Uhrzeit werden kurzfristig veröffentlicht, unter anderem auf Instagram (friedensbuednis_luebeck) und Facebook (Friedensbündnis Ostermarsch Lübeck).

Wir laden alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich anzuschließen.

Mit freundlichen Grüßen

Friedensbündnis Ostermarsch Lübeck(")

Das Friedensbündnis Ostermarsch kündigt Mahnwachen an. Foto: Bündnis

Das Friedensbündnis Ostermarsch kündigt Mahnwachen an. Foto: Bündnis


Text-Nummer: 178860   Autor: Bündnis   vom 12.04.2026 um 10.35 Uhr

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