Erst geblitzt, dann gab es Blümchen
Lübeck - St. Jürgen: Autofahrer wissen, dass momentan die Woche des sogenannten ‚Blitzermarathons‘ läuft, in der in den meisten Bundesländern verschärft auf die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkungen geachtet wird. In Lübeck gab es eine etwas andere Aktion der Präventionsstelle der Lübecker Polizei in Zusammenarbeit mit der Paul-Klee-Schule."Wir sehen weniger die Geschwindigkeit, sondern eher den damit verbundenen Bremsweg", erläuterte Polizeikommissar Moritz Stieghorst, der den Einsatz in der Alexander-Fleming-Straße leitete. Für Autofahrer kaum erkennbar befindet sich dort nämlich der Eingang einer Grundschule, und aus diesem Grunde wurde die ansonsten geltende 30 km/h Beschränkung noch einmal um 10 km/h reduziert. Gerechnet werden muss in diesem Umkreis mit Kindern mit wenig Erfahrung im Straßenverkehr.
Das weiß auch Julian Krohn, Klassenlehrer einer zweiten Klasse, in der auch Inklusionskinder beschult werden, und so kam es zum gemeinsamen Projekt mit der Lübecker Polizei.
Der besondere Clou dabei: Es wurden alle Autofahrer angehalten, auch diejenigen, die korrekt gefahren sind. Viele hatten Fragezeichen auf der Stirn, als sie von den Beamten herausgewinkt wurden. Nach der üblichen Frage nach Führerschein und Fahrzeugschein kam dann ein freundliches "Wir möchten Sie beglückwünschen, dass Sie alle Verkehrsregeln eingehalten haben, sie schützen damit diese Kinder."
Dann kamen zwei Schüler mit gelben Westen ans Auto und überbrachten 'Dankeschön-Briefchen' die mit Blümchen, Verkehrsschildern mit Herzen und freundlichen Polizisten ausgemalt waren.
Bei einer Geschwindigkeitsbeschränkung von 20 km/h waren natürlich auch einige zu schnell. Die waren einsichtig und erhielten von den Kindern auch aufmunternde Worte und die Bitte, in Zukunft vorsichtiger zu fahren.
Für die Kinder ein erlebnisreicher Projektvormittag, stellte Klassenlehrer Julian Krohn noch einmal heraus. Marina und Jenna beispielsweise standen am Straßenrand und führten Statistiken für den Auswertungsunterricht. Das Berufsbild des Polizeibeamten wurde intuitiv vermittelt, das Gespräch mit dem Bürger wurde geübt und die Mitgestaltung bei der Polizeiaktion hat die Schüler noch einmal ganz besonders motiviert.
Im strengen Sinne wurde nicht geblitzt, sondern die Geschwindigkeit wurde mit einem mobilen Lasergerät gemessen. 32 km/h hieß es dann auch schon einmal und von diesem Wert haben die Beamten gleich 3 km/h Messfehler abgezogen, sodass im Bußgeldbescheid jetzt der Wert von 9 km/h zu viel beanstandet wird. Das klingt wenig, kann aber beim Bremsweg den Unterschied zwischen 'gerade nochmal gutgegangen' und einer schweren Verletzung ausmachen.
Im Original-Ton hören Sie Interviews von Harald Denckmann mit dem Einsatzleiter, Polizeikommissar Moritz Stieghorst, Jan Liedtke, der die Lasermessungen vornahm, und einer Verkehrsteilnehmerin.
Blitzer-Marathon in Lübeck: Die Verkehrskontrolle vor der Paul-Klee-Schule wurde positiv aufgenommen. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann
Hier hören Sie den Originalton:
Text-Nummer: 178969 Autor: Harald Denckmann vom 16.04.2026 um 14.45 Uhr
