NDR Elbphilharmonie: Exklusive Sternstunde vor leeren Rängen
Lübeck - Innenstadt: Archiv: Wenn das NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste zu einem Abend mit Tschaikowskys "Pathétique" lädt, erwartet man gemeinhin ein gut besuchtes Haus. Umso irritierender war am vergangenen Freitag der Blick in den Großen Saal der Musik- und Kongresshalle: Weite Teile der Reihen und Ränge blieben leer.
Es ist ein Rätsel, weshalb das Publikum ausgerechnet bei diesem Programm zögerte, markiert Tchakovskys 6. Sinfonie „Pathétique“ doch einen jener Gipfelpunkte der Romantik, für die man normalerweise um jede Restkarte froh sein sollte, besonders in der Kombination mit diesem hervorragenden Orchester und unter der Leitung eines nicht nur namhaften, sondern auch wirklich spannenden Dirigenten wie dem Finnen Jukka-Pekka Saraste.
Dabei hätte sich der Besuch schon für den ersten Teil des Abends gelohnt, der mit einer Rarität begann, nämlich Jean Sibelius’ sinfonische Dichtung „Der Barde“. Dass dieses Werk im Vergleich zu den großen Sinfonien oder der „Finlandia“ eher selten auf den Spielplänen auftaucht, ist bedauerlich, denn in der Lübecker Musik- und Kongresshalle entfaltete das Stück eine unglaublich dichte, atmosphärische Wirkung, die das Publikum unmittelbar in ihren Bann zog. Das Programmheft schlug für die sinfonische Dichtung launig den Bogen zu den populären Bildern von Asterix und Obelix, doch Sibelius’ Partitur machte schnell deutlich, wie viel mehr hinter der archaischen Tradition der Barden steckt. Sibelius gelingt es meisterhaft, die Atmosphäre eines bardischen Erzählabends zu generieren. Mit Harfenklängen, die wie das Zupfen an den Saiten der Erinnerung wirken, beschwört er keine platte Folklore herauf, sondern eine tiefgründige, fast spirituelle Form der mündlichen Überlieferung. Man meint förmlich zu spüren, wie die Musik zur Stimme eines Geschichtenerzählers wird, der von längst vergangenen Zeiten berichtet – karg in den Mitteln, aber gewaltig in der Wirkung.
Denn wo Tschaikowsky später am Abend das Leiden und die Leidenschaft des Individuums radikal nach außen kehrte, setzte „Der Barde“ auf das Leise, Geheimnisvolle. Saraste beschwörte in der MuK eine fast archaische, nordische Sagenwelt herauf, die von Andeutungen und feinen Klangfarben lebt. Aber gerade das verband den "Barden" in seiner erzählerischen Atmosphäre mit der "Pathétique", in der Tschaikowsky von der Endgültigkeit des Schicksals erzählt. Gerade dieser Spannungsbogen zwischen Sibelius' mystischer Zurückhaltung und Tschaikowskys emotionaler Wucht machte den Abend künstlerisch besonders wertvoll und zu einem Erlebnis, das definitiv eine größere Kulisse verdient gehabt hätte.
Möglicherweise war es jedoch die dritte Komponente des Abends, die auf konservative Konzertgänger abschreckend gewirkt haben könnte: das Violinkonzert von Thomas Adès, das in der Mitte zwischen beiden Werken stand. Doch diese Skepsis ist im Grunde unbegründet und fast schon unfair, gilt dieses Werk aus dem Jahre 2005 doch zurecht als eine der wichtigsten und substanziellsten Ergänzungen des Violinkonzert-Repertoires überhaupt.
Unter dem vielsagenden Untertitel „Concentric Paths“ entfaltet Adès ein faszinierendes Beziehungsgeflecht aus kreisenden musikalischen Figuren. Die drei kontrastierenden Sätze wirken wie eine konzentrische Reise: Eingerahmt wird das Werk von den Sätzen „Rings“ und „Rounds“ – zwei geschmeidigen, von rhythmischer Energie getriebenen Abschnitten, die den Solisten und das Orchester in ein hochkomplexes, kinetisches Spiel verwickeln. Das emotionale Zentrum bildet dabei der mittlere Satz, „Paths“. Hier bricht Adès die rhythmische Getriebenheit auf, zugunsten einer intensiv emotionalen, ja düsteren Erkundung. In fast schon beschwörenden, Passacaglia-ähnlichen Sequenzen schichtet sich die Spannung auf, bis sie sich schließlich in einem lyrischen Erguss von außergewöhnlicher Schönheit entlädt. Wer hier aufgrund von Vorurteilen gegenüber zeitgenössischer Musik zu Hause blieb, verpasste einen jener seltenen Momente, in denen Moderne und tiefe Empfindung vollkommen eins werden.
Das lag auch an dem Solisten, dem 25-jährigen schwedisch-norwegischen Geiger Johan Dalene. Gerade zu bescheiden war sein Auftreten, als wolle er sich dafür entschuldigen, schon in so jungem Alter vor einem renommierten Orchester zu stehen. Aber davon durfte man sich nicht täuschen lassen. Hier wurde Geige auf höchstem technischen Niveau gespielt, und das mit einer schier unglaublichen Ausdrucksstärke und Ausdruckskraft. Adès Konzert wurde durch Dalene zu einem überwältigenden, fast schon eskapistischen Genuss, und das auch, weil Dalene und das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Saraste zu einer in dieser Art selten zu hörenden Einheit verschmolzen.
Wie unmittelbar dieser „lyrische Erguss“ und die intellektuelle Komplexität des Werks wirkten, brachte eine junge Konzertbesucherin auf den Punkt: „Ich möchte es am liebsten gleich nochmal hören, weil ich so Lust darauf habe, noch mehr zu verstehen von dem, was ich da gehört habe.“ Ein schöneres Kompliment kann man Thomas Adès und den Interpreten rund um Johan Dalene kaum machen. Es widerlegt das Klischee vom „unnahbaren“ modernen Werk und beweist, dass die konzentrischen Pfade von Concentric Paths genau das taten, was große Kunst leisten sollte. Sie hinterließen kein erschöpftes, sondern ein intellektuell hungriges Publikum. Und zwar so hungrig, dass sie anschließend auch noch begeistert dem "Danse rustique" aus der 5. Violinsonate von Eugène Ysaÿe lauschten, die Dalene als Zugabe präsentierte.
Dalene interpretierte den "Danse rustique" aus dem Jahre 1923 in einer Brillanz, wie man sie eigentlich nur in den größten Konzerthäusern der Welt erwarten würde. Hier zeigte sich nicht nur seine technische Perfektion, sondern auch eine klangliche Souveränität, die den gesamten Raum der MuK bis in den letzten Winkel ausfüllte. Ysaÿes komplexe Doppelgriffe und die fast improvisatorisch wirkende Lichtstimmung wirkten nach der rhythmischen Strenge von Adès in den Händen von Johan Dalene wie ein Ruf aus einer anderen Welt. Das war ein Moment purer Virtuosität und Emotionalität, der das Publikum und selbst die ja nun wirklich erfahrenen Musiker des Orchesters staunen ließ und endgültig bewies, dass die künstlerische Qualität dieses Abends in krassem Gegensatz zur traurigen Anzahl der leeren Sitze stand.
Nach der Pause erklang schließlich Peter Tschaikowskys 6. Sinfonie, und auch hier setzte Jukka-Pekka Saraste wieder Akzente, die ebenso überraschend wie befreiend waren. Anstatt in schwerem, romantischem Pathos zu versinken, wählte Saraste für seine Interpretation einen fast schon analytischen, aber zutiefst emotionalen Zugang, indem er die Streicher mit sehr reduziertem Vibrato spielen ließ, was der Partitur eine unglaubliche Klarheit und Freisichtigkeit verlieh. Saraste und die Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters schufen damit ein Klangbild wie an einem klaren finnischen Wintertag: kühl, frisch und von einer messerscharfen Präsenz, die jedes Detail der Orchestrierung offenlegte. Auf einmal war hörbar, was sonst nie zu hören ist. Das vermochte es, die Sinfonie wirklich auf eine neue Weise zu sehen und einen neuen Blick auf die Trauer und Verzweiflung zu bekommen, die Tchaikovsky in diesem seinem letzten Werk zum Ausdruck bringen wollte.
Besonders der dritte Satz, das berühmte Allegro molto vivace, entfaltete unter Sarastes Leitung eine ganz eigene Magie. Entgegen der landläufigen Praxis, diesen Satz von Beginn an als schiere Gewaltorgie und orchestralen Parforceritt anzulegen, begann er hier geradezu „elektrisierend unaufgeregt“. Saraste hielt die Zügel zunächst fest in der Hand und schuf eine unterschwellige Spannung, die weitaus packender war als bloße Lautstärke. Aus dieser kontrollierten Energie heraus entwickelte der Satz eine stetig ansteigende Intensität, die sich unaufhaltsam steigerte und das Herz beim Zuhören geradezu rasen ließ. Als der Satz schließlich in seinem finalen Ausbruch gipfelte, war die emotionale Wucht umso gewaltiger, weil sie so präzise vorbereitet worden war. Dass der vierte Satz, das finale Adagio lamentoso, danach in eine fast schmerzhafte Stille mündete, bildete den logischen Abschluss dieses außergewöhnlichen Abends.
So blieb am Ende das Gefühl, Zeuge eines exklusiven Geschenks geworden zu sein. Wer gekommen war, erhielt keine Routine, sondern eine Sternstunde voller Entdeckergeist und emotionaler Wahrhaftigkeit, die in ihrer Intensität wohl gerade deshalb so tief berührte, weil sie sich ganz auf die Kraft der Musik verlassen konnte.
Dabei hätte sich der Besuch schon für den ersten Teil des Abends gelohnt, der mit einer Rarität begann, nämlich Jean Sibelius’ sinfonische Dichtung „Der Barde“. Dass dieses Werk im Vergleich zu den großen Sinfonien oder der „Finlandia“ eher selten auf den Spielplänen auftaucht, ist bedauerlich, denn in der Lübecker Musik- und Kongresshalle entfaltete das Stück eine unglaublich dichte, atmosphärische Wirkung, die das Publikum unmittelbar in ihren Bann zog. Das Programmheft schlug für die sinfonische Dichtung launig den Bogen zu den populären Bildern von Asterix und Obelix, doch Sibelius’ Partitur machte schnell deutlich, wie viel mehr hinter der archaischen Tradition der Barden steckt. Sibelius gelingt es meisterhaft, die Atmosphäre eines bardischen Erzählabends zu generieren. Mit Harfenklängen, die wie das Zupfen an den Saiten der Erinnerung wirken, beschwört er keine platte Folklore herauf, sondern eine tiefgründige, fast spirituelle Form der mündlichen Überlieferung. Man meint förmlich zu spüren, wie die Musik zur Stimme eines Geschichtenerzählers wird, der von längst vergangenen Zeiten berichtet – karg in den Mitteln, aber gewaltig in der Wirkung.
Denn wo Tschaikowsky später am Abend das Leiden und die Leidenschaft des Individuums radikal nach außen kehrte, setzte „Der Barde“ auf das Leise, Geheimnisvolle. Saraste beschwörte in der MuK eine fast archaische, nordische Sagenwelt herauf, die von Andeutungen und feinen Klangfarben lebt. Aber gerade das verband den "Barden" in seiner erzählerischen Atmosphäre mit der "Pathétique", in der Tschaikowsky von der Endgültigkeit des Schicksals erzählt. Gerade dieser Spannungsbogen zwischen Sibelius' mystischer Zurückhaltung und Tschaikowskys emotionaler Wucht machte den Abend künstlerisch besonders wertvoll und zu einem Erlebnis, das definitiv eine größere Kulisse verdient gehabt hätte.
Möglicherweise war es jedoch die dritte Komponente des Abends, die auf konservative Konzertgänger abschreckend gewirkt haben könnte: das Violinkonzert von Thomas Adès, das in der Mitte zwischen beiden Werken stand. Doch diese Skepsis ist im Grunde unbegründet und fast schon unfair, gilt dieses Werk aus dem Jahre 2005 doch zurecht als eine der wichtigsten und substanziellsten Ergänzungen des Violinkonzert-Repertoires überhaupt.
Unter dem vielsagenden Untertitel „Concentric Paths“ entfaltet Adès ein faszinierendes Beziehungsgeflecht aus kreisenden musikalischen Figuren. Die drei kontrastierenden Sätze wirken wie eine konzentrische Reise: Eingerahmt wird das Werk von den Sätzen „Rings“ und „Rounds“ – zwei geschmeidigen, von rhythmischer Energie getriebenen Abschnitten, die den Solisten und das Orchester in ein hochkomplexes, kinetisches Spiel verwickeln. Das emotionale Zentrum bildet dabei der mittlere Satz, „Paths“. Hier bricht Adès die rhythmische Getriebenheit auf, zugunsten einer intensiv emotionalen, ja düsteren Erkundung. In fast schon beschwörenden, Passacaglia-ähnlichen Sequenzen schichtet sich die Spannung auf, bis sie sich schließlich in einem lyrischen Erguss von außergewöhnlicher Schönheit entlädt. Wer hier aufgrund von Vorurteilen gegenüber zeitgenössischer Musik zu Hause blieb, verpasste einen jener seltenen Momente, in denen Moderne und tiefe Empfindung vollkommen eins werden.
Das lag auch an dem Solisten, dem 25-jährigen schwedisch-norwegischen Geiger Johan Dalene. Gerade zu bescheiden war sein Auftreten, als wolle er sich dafür entschuldigen, schon in so jungem Alter vor einem renommierten Orchester zu stehen. Aber davon durfte man sich nicht täuschen lassen. Hier wurde Geige auf höchstem technischen Niveau gespielt, und das mit einer schier unglaublichen Ausdrucksstärke und Ausdruckskraft. Adès Konzert wurde durch Dalene zu einem überwältigenden, fast schon eskapistischen Genuss, und das auch, weil Dalene und das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Saraste zu einer in dieser Art selten zu hörenden Einheit verschmolzen.
Wie unmittelbar dieser „lyrische Erguss“ und die intellektuelle Komplexität des Werks wirkten, brachte eine junge Konzertbesucherin auf den Punkt: „Ich möchte es am liebsten gleich nochmal hören, weil ich so Lust darauf habe, noch mehr zu verstehen von dem, was ich da gehört habe.“ Ein schöneres Kompliment kann man Thomas Adès und den Interpreten rund um Johan Dalene kaum machen. Es widerlegt das Klischee vom „unnahbaren“ modernen Werk und beweist, dass die konzentrischen Pfade von Concentric Paths genau das taten, was große Kunst leisten sollte. Sie hinterließen kein erschöpftes, sondern ein intellektuell hungriges Publikum. Und zwar so hungrig, dass sie anschließend auch noch begeistert dem "Danse rustique" aus der 5. Violinsonate von Eugène Ysaÿe lauschten, die Dalene als Zugabe präsentierte.
Dalene interpretierte den "Danse rustique" aus dem Jahre 1923 in einer Brillanz, wie man sie eigentlich nur in den größten Konzerthäusern der Welt erwarten würde. Hier zeigte sich nicht nur seine technische Perfektion, sondern auch eine klangliche Souveränität, die den gesamten Raum der MuK bis in den letzten Winkel ausfüllte. Ysaÿes komplexe Doppelgriffe und die fast improvisatorisch wirkende Lichtstimmung wirkten nach der rhythmischen Strenge von Adès in den Händen von Johan Dalene wie ein Ruf aus einer anderen Welt. Das war ein Moment purer Virtuosität und Emotionalität, der das Publikum und selbst die ja nun wirklich erfahrenen Musiker des Orchesters staunen ließ und endgültig bewies, dass die künstlerische Qualität dieses Abends in krassem Gegensatz zur traurigen Anzahl der leeren Sitze stand.
Nach der Pause erklang schließlich Peter Tschaikowskys 6. Sinfonie, und auch hier setzte Jukka-Pekka Saraste wieder Akzente, die ebenso überraschend wie befreiend waren. Anstatt in schwerem, romantischem Pathos zu versinken, wählte Saraste für seine Interpretation einen fast schon analytischen, aber zutiefst emotionalen Zugang, indem er die Streicher mit sehr reduziertem Vibrato spielen ließ, was der Partitur eine unglaubliche Klarheit und Freisichtigkeit verlieh. Saraste und die Musiker des NDR Elbphilharmonie Orchesters schufen damit ein Klangbild wie an einem klaren finnischen Wintertag: kühl, frisch und von einer messerscharfen Präsenz, die jedes Detail der Orchestrierung offenlegte. Auf einmal war hörbar, was sonst nie zu hören ist. Das vermochte es, die Sinfonie wirklich auf eine neue Weise zu sehen und einen neuen Blick auf die Trauer und Verzweiflung zu bekommen, die Tchaikovsky in diesem seinem letzten Werk zum Ausdruck bringen wollte.
Besonders der dritte Satz, das berühmte Allegro molto vivace, entfaltete unter Sarastes Leitung eine ganz eigene Magie. Entgegen der landläufigen Praxis, diesen Satz von Beginn an als schiere Gewaltorgie und orchestralen Parforceritt anzulegen, begann er hier geradezu „elektrisierend unaufgeregt“. Saraste hielt die Zügel zunächst fest in der Hand und schuf eine unterschwellige Spannung, die weitaus packender war als bloße Lautstärke. Aus dieser kontrollierten Energie heraus entwickelte der Satz eine stetig ansteigende Intensität, die sich unaufhaltsam steigerte und das Herz beim Zuhören geradezu rasen ließ. Als der Satz schließlich in seinem finalen Ausbruch gipfelte, war die emotionale Wucht umso gewaltiger, weil sie so präzise vorbereitet worden war. Dass der vierte Satz, das finale Adagio lamentoso, danach in eine fast schmerzhafte Stille mündete, bildete den logischen Abschluss dieses außergewöhnlichen Abends.
So blieb am Ende das Gefühl, Zeuge eines exklusiven Geschenks geworden zu sein. Wer gekommen war, erhielt keine Routine, sondern eine Sternstunde voller Entdeckergeist und emotionaler Wahrhaftigkeit, die in ihrer Intensität wohl gerade deshalb so tief berührte, weil sie sich ganz auf die Kraft der Musik verlassen konnte.
Kommentare zu diesem Text (12):
Der Lübecker
schrieb am 20.4.2026 7.41 Uhr:
Die jetzt kommende Grneration hat schlichtweg kein Interesse an alter wichtigtuerischer Musik und im Moment auch kein Geld mehr für derartige Extravaganzen.
Kalukai
schrieb am 20.4.2026 8.25 Uhr:
Ich war im letzten Jahr einmal in der MuK, und ehrlich gesagt ist das Schrankwandambiente zusammen mit den Preisen (Eintritt, Catering draussen und Pargebühren), und der doch eher sparsamen Bestuhlung jetzt nichts wo man sagt: "Och, lass uns doch heute mal dahin gehen."
Jean Pierre Hintze
schrieb am 20.4.2026 10.33 Uhr:
Lieber "Lübecker" - jede einzelne Note dieser "alten, wichtigtuerischen" Musik ist wertvoller, beständiger und erheblicher als Ihr nichtssagenden, trauriger und völlig belangloser Kommentar. Lassen Sie Musik in Ihr Leben - dann wird es wieder lebenswerter!
jp@hintze.es
Arbeiterkind
schrieb am 20.4.2026 10.55 Uhr:
@Der Lübecker
Kein Interesse, da würde ich zustimmen.
Weil kein Verständnis und kein Gespür für Kunst vorhanden ist.
Das zeigt schon dein Beitrag und mein Gegenargument lautet: Bukowski hörte Mahler und Wagner.
Weisst du überhaupt wer Bukowski war?
Kein Geld - dem würde ich nur bedingt zustimmen.
Wenn "Punk"-Bands wie die Ärzte auf Tour gehen und innerhalb von 5 Minuten (!) etliche Termine ausverkauft sind bei Kartenpreisen zwischen 80,- und 250,- Euro (für das VIP-Ticket), so kann man wohl kaum davon sprechen es sei kein Geld da.
Alle jammern "Es geht und so schlecht!" und seltsamer Weise brummt der Ticketvorverkauf selbst bei Exorbitanten Preisen.
Alleine schon 80,- Euro für eine Punk-Band auf den Tresen zu legen ist ein so krasses Paradoxum, das man sich tatsächlich fragen muss, was mit der Generation von heute so los ist.
Wenn Bukowski das wüsste, würde er sich vor Frust noch eine Flasche Rotwein öffnen und Mahler hören.
Und Wagner.
Und Tschaikowsky.
Travemünder
schrieb am 20.4.2026 13.51 Uhr:
@der Lübecker;
Das war natürlicher kein Gangsta Rap mit den wahnsinnig intelligenten Texten, da gebe ihnen voll und ganz recht. Musik muss man verstehen, gerade in dieser Zeit.
Ein großes Orchester ist ein vielfältiger Klangkörper, gegen den ist Rap und Popmusik ein Fliegenschiss.
Einfach mal zuhören, das hilft!
Sommer
schrieb am 20.4.2026 13.55 Uhr:
Wehm Interessiert auch dieser Blödsinn
w.sommer1952@gmail.com
Culturae Amans
schrieb am 20.4.2026 14.22 Uhr:
Meine Vermutung: Das Ambiente! Diese Mischung aus gestrandeter Kanalfähre und öffentlichem Schwimmbad! Als ich von einem Forschungsaufenthalt zurück kam, war sie plötzlich da, die MUK, verbaute den Blick auf die Altstadt und war einfach nur häßlich. Funktional für Fachtagungen, aber da hört es dann schon auf. Ich habe es aber versucht, ich war 3 x dort für Konzerte, aber es ist wie das Gericht eines Sternekochs auf einem Pappteller auf einer Autobahnraststätte ... geht natürlich, schmeckt selbstredend trotzdem gut ... aber das Auge ißt nicht nur mit, es hört auch mit! Und so gehe ich seit fast 30 Jahren der MUK aus dem Weg und in andere Konzertsäle, wo ich mich wohlfühle. Im In- und Ausland ...
Ulrich Witt
schrieb am 20.4.2026 14.41 Uhr:
Hallo Der Lübecker,
das mag ich so nicht unterschreiben. Ich erlebe es bei den Konzerten in der MuK regelmäßig, dass auch erfreulich viele junge Menschen in klassische Konzerte gehen, auch wenn die älteren Generationen natürlich noch deutlich überwiegen. Gerade die Konzerte des Philharmonischen Orchesters werden meinem Eindruck nach auch von jüngeren Generationen sehr gut angenommen. Die jungen Dame, die ich zitiert habe (eine junge Uni-Studentin in einem recht frühen Semester) hat mir auch bestätigt, dass sie die Chance auf gute klassische Konzerte sehr gerne wahrnehmen möchte.
Ich sehe auch keinen grundsätzlichen Trend gegen "derartige Extravaganzen" aus Kostengründen. Der Hinweis, dass Karten für andere Konzertarten häufig deutlich teurer sind, kam ja schon. Das Konzert am Freitag war einfach schlechter besucht als andere klassische Konzerte (und auch frühere des NDR Elbphilharmonie Orchesters). Es allein aufgrund eines Konzerts gleich zu einem "Generationen-Ding" oder zu einer Extravaganz zu machen, für die die Menschen kein Geld mehr haben, halte ich persönlich für abwegig.
Ulrich Witt
Papa Pher
schrieb am 20.4.2026 16.31 Uhr:
Tja – da kommt das beste Sinfonie-Orchester, das Norddeutschland zu bieten hat, mit einem international renommierten Dirigenten in die MUK, spielt hochinteressante Musik und nur Wenige interessiert es. Woran liegt´s?
Dass es weder am Programm noch an der Ausführung lag, hat der Rezensent ausführlich beschrieben. Aber auch die angeführten Gründe der Kommentatoren kann ich nicht nachvollziehen.
Die Eintrittspreise sind moderat, auch im Vergleich mit anderen Musikangeboten. Nicht nur die erwähnte Punk-Band ist teurer, nahezu jedes Musical und jedes Schlager-Sternchen nimmt für seine Events mittlerweile Eintrittspreise, gegen die selbst Opern-Aufführungen billig wirken.
Die MUK als Spielort ist dafür ideal: Der Standort ist zentral, gut erreichbar, die Architektur mit ihrem maritimen Bezug halten fast alle Fachleute für gelungen (Büro von Gerkan nach einem offenen Wettbewerb!) und die Holzverkleidungen und Schallelemente im großen Saal sorgen dafür, dass wir in Lübeck (nach der Elbphilharmonie Hamburg) den akustisch besten Konzertsaal Norddeutschlands haben (Das kann man sogar hören – wenn man´s kann!). Und während des Konzerts ist der Saal abgedunkelt; wer also gute Musik hören will, braucht sich um die Architektur nicht kümmern.
Noch eine Frage an die Herren „Lübecker“ und „Sommer“: Warum kommentieren Sie ein Thema, von dem Sie offensichtlich nichts verstehen, und ein Ereignis, bei dem Sie nicht anwesend waren?
Serafin Schroll
schrieb am 20.4.2026 16.55 Uhr:
Zum Kommentar von "Lübecker" und dem Meisterwerk von "Sommer" braucht man nichts zu sagen, aber als Konzertliebhaber der viele verschiedene Säle kennt möchte die Kritik an der MuK so nicht stehen lassen. Ganz vorneweg steht bei mir natürlich die Akustik und die ist die mit Abstand beste, die ich bisher erlebt habe und das zuverlässig egal wer oder was auf der Bühne steht. Die Elphi kann beispielsweise zwar mal eine Offenbarung sein, aber je nach Platz und Bühnengeschehen auch das totale Fiasko.
Mir fällt auch kein anderes Haus ein das ab 19:00 hunderte von Parkplätzen direkt vor der Tür vorhält, vor 19:00 zu sehr moderaten Tarifen. Die Sitze finde ich trotz 140 kg und 1,90 m mehr als OK, um nicht zu sagen furzbequem. Gehen Sie mal in den kleinen Saal der Elphi, da müssen Sie ihre Nachbarn schon alle sehr mögen.
Mit den Preisen bin ich in der Regel auch zufrieden, namentlich die philharmonischen Konzerte sind wirklich günstig. Daß Sie bei cash cows wie vielen Pop-Produktionen, oder großen Namen der klassischen Musik so richtig abgemolken werden nehmen viele Leute als gottgegeben hin. Das Innenambiente ist wirklich nichts besonderes, aber auch nicht schlimm. Wer wegen der Musik kommt hält es offenbar aus. In der Regel sind die Konzerte gut besucht, das Ambiente ist ja nicht für das hier besprochene Konzert geändert worden. Von Außen ist der Kasten wirklich spukhässlich, ist aber auch nicht mehr zu ändern und tut auch nichts zur Sache.
Wer mit klassischer Musik nichts anfangen kann, steriles Ambiente beklagt, nicht viel Geld ausgeben will, oder gegen zuviel Kulturförderung wettert, empfehle ich die Nachbarn auf der anderen Straßenseite. Im treibsAND finden seit fast 5 Jahrzehnten jährlich rd. 50 fantastische internationale Konzerte statt, bei denen die Wand wackelt. Ehrenamtlich von Profis organisiert, alles was eingespielt wird geht an die Musiker oder dient dem Cluberhalt. Muss man bloß hingehen und geniessen. Und das Maifest ist -wie immer- am 1. Mai.
Felix
schrieb am 20.4.2026 20.06 Uhr:
Oder liegt es vielleicht einfach an zu wenig Werbung bzw. Bekanntheit? Ich habe von diesem Konzert (obwohl ich recht gut in der Kulturszene in Lübeck und Umgebung herumkomme) dann doch erstaunlich wenig mitbekommen, gerade wenn es so meisterhaft angedacht ist.
Culturae Amans
schrieb am 21.4.2026 19.30 Uhr:
Denen, die die MUK so eifrig in Schutz nehmen empfehle ich, folgende Konzertsäle, die für mich einen besonderen Genuß bedeuten: Allen voran die Sohmen Concert Hall im Stephen A. Schwarzman Centre in Oxford. Die dortige Akustik ist zumindest für meine Ohren die vielleicht beste, die ich kenne - ich gestehe aber, dass ich Kammermusik besonders liebe, wo es auf ganz die feinen Nuancen ankommt. Charles Yves habe ich u.a. dort gehört. Natürlich ist das Sheldonian eine Kategorie für sich ... ich liebe die Jordan Hall in Boston, die Koerner Hall in Toronto, die Oper in Manaus, Brasilien liebe ich für ihr Ambiente, nicht so sehr für die Akustik. Ich habe wunderbare Konzerte gehört in der Philharmonie de Paris, designed by Jean Nouvel, genussvolle Stunden verbracht habe ich im Auditorio der Accademia nazionale die Santa Cecilia in Rom aber auch das Auditorio di Milano ist schön. Und nichts geht über eine kleine Nachtmusik im Goldenen Saal im Wiener Musikverein. Und die Tonhalle in Zürich! Wunderbar! Und ihr Contrapunkt: Die Konzerthalle in Andermatt! In Deutschland sind es der Pierre Boulez Saal in Berlin, die Alte Oper Frankfurt, das Festspielhaus in Baden-Baden und die Laeisz Halle in Hamburg. In Lübeck kann ich dem großen Saal der Musikhochschule etwas abgewinnen. Das sind die Orte, die emir auf die Schnelle einfallen ... Die Welt ist ein Pralinenkasten schöner Konzerthäuser. Wie schön, dass man die Wahl hat!