Grandioses Lortzing-Konzert im Hoghehus
Lübeck - Innenstadt: Der Verein Operette in Lübeck e.V. lud zum traditionellen Sonderkonzert ein. Der Abschluss der 24. Saison der beliebten Reihe „Operette am Klavier“ war dem Opernkomponisten Albert Lortzing gewidmet. Der Verein spricht von einem großen Erfolg der Veranstaltung.Die Schlange der Konzertbesucher vor dem Eingang zum Hoghehus reichte sonntagnachmittags am 19. April 2026 so weit auf den Gehsteig, dass die Wartenden manch launigen Kommentar von Vorübergehenden zu hören bekamen: „Wie in der DDR, wenn es mal wieder Bananen gab!“ Das Lachen blieb einem im Halse stecken, denn es existiert tatsächlich eine tückische Entsprechung: Bananen waren in der DDR echte Raritäten und auch Lortzing-Opernproduktionen sind es hierzulande seit geraumer Zeit.
Selbst 2026, im Jahr seines 225. Geburtstages und seines 175. Todestages (1801–1851), werden seine Opern erstaunlich selten aufgeführt. In Lübeck findet man Lortzings Namen zwar im Stadtplan und auf den Schildern der ihm gewidmeten Straße, jedoch nicht im derzeitigen Spielplan des Lübecker Theaters.
Umso größer war die Vorfreude auf diesen ganz besonderen Lortzing-Konzertnachmittag! Der Intendant der Sommeroperette Lübeck, Michael P. Schulz, hatte für das von ihm moderierte Programm ein farbenfrohes, klingendes Bukett aus den bekannten Lortzing-Opern zusammengestellt und zu diesen Melodien mit Ohrwurm-Garantie auch einige ganz rare Lortzing-Blüten eingebunden. So standen neben sieben Nummern aus seinem berühmtesten Meisterwerk „Zar und Zimmermann“ (1837) auch jeweils mehrere Nummern aus den ihm vom Bekanntheitsgrad etwas nachstehenden Opern „Der Wildschütz“ (1842) und „Der Waffenschmied“ (1846) auf dem Programm. Ausnahmslos lohnende Entdeckungen boten die Ausschnitte aus den komischen Opern „Die beiden Schützen“ und „Casanova“ sowie aus der romantischen Zauberoper „Undine“. Ca. 30 Jahre zuvor hatte bereits E.T.A. Hoffmann eine Oper „Undine“ komponiert.
Das mit 24 Nummern sehr umfangreiche Programm, vom Solo bis zum Quartett, wirkte durchweg kurzweilig. Das war zuallererst der durchwegs hochkarätigen Musik Lortzings zuzuschreiben und außerdem den von ihm selbst stammenden Texten, die sich mitunter als erstaunlich pointiert erwiesen. Für diese überaus feine und frohe Musik hatte Schulz ein stimmlich wie auch gestalterisch ideal passendes Gesangsquartett zusammengestellt. Ein wahrer Glücksgriff. Mehrfach vollbrachte Schulz als Tenor das respektable vokale Kunststück, vorübergehend in anderen Fächern zu „gastieren“, nämlich als Heldentenor und als buffonesker Bariton.
Die in Lübeck bestens bekannte und beliebte Berliner Sopranistin Sonja Pitsker bezauberte das Publikum durch ihre gestische Authentizität, ihre Freude am Komischen sowie durch ihr strahlendes Timbre. Der lyrische Tenor Juan Ramirez, Mitglied des Opernchores des Theaters Münster, agierte ein wenig stärker dem Notenpult zugewandt; mit seiner geschmeidigen, warmen und ausdrucksstark-noblen Stimme erwies er sich als hervorragende Besetzung für dieses Programm. Mit beeindruckendem Volumen und charaktervollem vokalem Nuancenreichtum und mit seiner enormen Bühnenwirkung setzte der Bass-Buffo Michael König (Landesbühnen Sachsen) eine Fülle an komödiantischen Glanzpunkten – sowohl im Solistischen als auch im Zusammenwirken im Ensemble. Alle vier zeichneten sich durch wunderbare Spielfreude, exzellente Textverständlichkeit und durch so manches köstlich-spontane schauspielerische Detail aus. Hervorzuheben sind das urkomische Quartett aus „Zar und Zimmermann“ und die berühmte Kantatenprobe „Den hohen Herrscher würdig zu empfangen“, mit der das Programm sein faszinierendes Finale fand. Lortzing, selbst auch Schauspieler, Sänger und Bonvivant, hätte daran seine helle Freude gehabt.
Diese Freude teilte auch das begeisterte Publikum. Das Vokalquartett wurde von Annette Töpel am Klavier schwungvoll, sicher und mit agogischem Feingefühl durch die abwechslungsreich klingende Szenerie begleitet und eskortiert.
Und so unbekannt ist Lortzing keinesfalls. Eine Besucherin brachte es gesprächsweise auf den Punkt: „Ich wusste gar nicht, wie viel ich von Lortzing kenne, vor allem vom Radio!“ Bravorufe hallten beim lang anhaltenden Schlussapplaus durch den ausverkauften Saal. Man schaute ausschließlich in strahlende Gesichter beglückter Menschen.

Großer Applaus für die Ausführenden des Lortzing-Konzertes: Annette Töpel, Michael P. Schulz, Juan Ramirez, Sonja Pitsker und Michael König. Foto: Renate Sieber
Text-Nummer: 179043 Autor: Veranstalter/red. vom 21.04.2026 um 14.29 Uhr
