Grüne zum neuen Gymnasium Moisling: Große Chance mit riskanten Nebenwirkungen
Lübeck: Die Grüne Fraktion Lübeck sieht in der geplanten Einrichtung eines achten Gymnasiums im Stadtteil Moisling einer Mitteilung zufolge eine große Chance für die Weiterentwicklung der Schullandschaft, betont jedoch die Notwendigkeit, Auswirkungen auf bestehende Schulen sorgfältig abzuwägen und verlässliche sowie faire Rahmenbedingungen sicherzustellen.Wir veröffentlichen die Mitteilung der Grünen im Wortlaut:
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Dazu Andreas Schulze, schulpolitischer Sprecher der Grünen Fraktion: „Die geplante Einrichtung eines achten Gymnasiums im Stadtteil Moisling ist aus Sicht vieler Beteiligter ein bedeutender Schritt für die Weiterentwicklung der Schullandschaft und des Stadtteils Moisling. Angesichts steigender Einwohnerzahlen und damit auch steigender Schülerzahlen, verbunden mit wachsenden Anforderungen an differenzierte Bildungsangebote, kann ein zusätzlicher gymnasialer Standort dazu beitragen, die Attraktivität des Bildungsstandorts insgesamt zu stärken und neue Perspektiven für Familien zu eröffnen.
Ein modernes Gymnasium in Moisling bietet die Chance, innovative pädagogische Konzepte umzusetzen, den Stadtteil weiter aufzuwerten und zusätzliche Wahlmöglichkeiten für Schüler und Eltern zu schaffen. Gerade vor dem Hintergrund langfristiger Schulentwicklungsplanung ist die Erweiterung gymnasialer Kapazitäten grundsätzlich zu begrüßen, auch um vor allem die Innenstadtgymnasien zu entlasten.
Gleichzeitig müssen jedoch zentrale Aspekte kritisch betrachtet werden: So ist fraglich, ob, wie von der Verwaltung behauptet, das neue Gymnasium tatsächlich zu einer spürbaren Entlastung bestehender Schulen wie der Baltic-Schule und des Burckhardt-Gymnasiums führen wird. Vielmehr ist zu erwarten, dass vor allem leistungsstärkere Schüler sich nun nicht mehr an den Gemeinschaftsschulen anmelden, sondern an den neuen Standort wechseln. Dies könnte bestehende Herausforderungen eher verschieben als lösen.
Auch Auswirkungen auf andere Schulformen sind absehbar: Es besteht die konkrete Gefahr, dass die Heinrich-Mann-Schule künftig einen Zug in der 5. Klasse verliert. Dies hätte unmittelbare Folgen für die schulische Struktur und das pädagogische Angebot vor Ort. Hier muss also eine enge Verzahnung zwischen den beiden Schulen geschaffen und pädagogische Konzepte aufeinander abgestimmt werden, um eine Durchlässigkeit nach beiden Seiten zu gewährleisten.“
Vivika Gramke, Mitglied im Ausschuss für Schule und Sport, ergänzt: „Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die angestrebte Kooperation der beiden Schulen. Sollte das bestehende Kooperationsverbot mit der Heinrich-Mann-Schule richtigerweise aufgehoben werden, muss aus Gründen der Fairness und Gleichbehandlung sichergestellt werden, dass entsprechende Regelungen auch für alle anderen Gemeinschaftsschulen gelten.
Darüber hinaus sind die derzeit genannten Kosten in Höhe von 1,9 Millionen Euro nur als grobe Schätzung zu bewerten. Erfahrungsgemäß ist bei derartigen Projekten mit erheblichen Abweichungen zu rechnen, sodass eine belastbare finanzielle Planung frühzeitig sichergestellt werden muss. Ausdrücklich loben möchten wir das erstmals an Gymnasien in Lübeck angedachte moderne, sozialraumorientierte pädagogische Konzept des gebundenen Ganztags, das gezielt auf die Bedürfnisse der Schüler und ihres Umfelds eingeht.
Die Einrichtung eines neuen Gymnasiums in Moisling ist eine große Chance für die Stadt. Damit diese Chance nachhaltig wirkt, braucht es jedoch eine sorgfältige Abwägung der Auswirkungen auf das gesamte Schulsystem sowie transparente und verlässliche Rahmenbedingungen.”
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Moisling soll ein neues Gymnasium bekommen. Foto: Archiv/HN
Text-Nummer: 179071 Autor: Güne/red. vom 26.04.2026 um 16.03 Uhr
