25 Jahre Beratung für Schwangere
Lübeck - Innenstadt: „Die einzigartige Situation eines Schwangerschaftskonflikts erfordert Respekt vor der Freiheit und der Verantwortungsfähigkeit der Schwangeren“: So hat es der Rat der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) 2024 formuliert. Der bundesweite evangelische Leitsatz zur Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung, „Mit der Frau – nicht gegen sie“ gilt seit 25 Jahren auch am integrierten Beratungszentrum Hüxterdamm der Gemeindediakonie Lübeck. Am 8. Mai feiert das Beratungszentrum Jubiläum.„Seit einem Vierteljahrhundert setzen wir uns dafür ein, ungewollt schwangere Menschen respektvoll, ergebnisoffen und stärkend zu beraten. „Unser Anliegen ist es, den Betroffenen in dem gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsgespräch einen Raum zu eröffnen, in welchem sie mit all ihren Ängsten und Ambivalenzen und ihren Fragen vorurteilsfrei angenommen werden und zu einer verantwortlichen Entscheidung gelangen können“, so die Beraterinnen Sophia Leopold und Katja Ispas.
„Schwangerschaftskonfliktberatung gab es schon deutlich vor 2001 im Rahmen der Ehe- und Lebensberatung der Gemeindediakonie Lübeck“, weiß Sophia Leopold. „Als das Gesundheitsamt Lübeck Anfang 2001 aus der gesetzlichen Pflichtaufgabe der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung ausgestiegen ist und zeitgleich auch die Caritas keine Beratungsbescheinigungen mehr ausstellte, war eine angemessene Versorgung in Lübeck nicht mehr gewährleistet. Daher entschied sich die Gemeindediakonie für den Aufbau einer eigenständigen Beratungsstelle“, so die Diplom-Sozialpädagogin, die neben ihrer Ausbildung zur Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberaterin auch Paarberaterin und Traumatherapeutin ist. „Auf diese Weise konnte die Stadt Lübeck die gebotene Trägervielfalt aufrechterhalten. Mit den Lübecker Beratungsstellen Pro Familia, Humanistische Union, Caritas und Donum Vitae gibt es eine enge Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte. Beispiele sind öffentliche Aktionen, etwa zu den Themen kostenlose Verhütungsmittel oder vertrauliche Geburt sowie am Safe Abortion Day.“
Die Beratungsstelle ist heute breit aufgestellt. Bereits vor einer geplanten Schwangerschaft, währenddessen und nach der Geburt bis zum 3. Lebensjahr des Kindes werden Einzelpersonen und Paare hier begleitet und beraten, auch nach traumatischen Geburtserlebnissen oder nach einer Fehl- oder Totgeburt. Zum Aufgabenspektrum gehören die psychosoziale Beratung und die Vermittlung von Stiftungsgeldern, die werdende Eltern bei der Anschaffung der Erstausstattung unterstützen. Allgemeine Paarberatung, unerfüllter Kinderwunsch, Pränataldiagnostik, Begleitung einer vertraulichen Geburt: Das sind Themen, die den Beraterinnen in ihrem Berufsalltag begegnen und die neben einer hohen Professionalität auch einen einfühlsamen Umgang erfordern. Im Rückblick auf die letzten 25 Jahre gibt es viele Begegnungen mit Klienten, die haften geblieben sind und trotz ihrer Dramatik auch Hoffnung vermitteln. „Einmal war eine 13-Jährige Schwangere mit ihrer Mutter bei mir“, erinnert sich Sophia Leopold. „Das Mädchen war traumatisiert und konnte damals nicht mit mir sprechen. Aber Jahre später kam sie erneut zu mir und hat ihre Erlebnisse aufgearbeitet.“
Der gesetzliche Auftrag beinhaltet auch die Sexualaufklärung. Jugendliche sind hier eine wichtige Zielgruppe für die Beratungsstelle. „Mit den Gruppen arbeiten wir altersangemessen zu sexualpädagogischen Themen“, erklärt die Bildungswissenschaftlerin (B. A.) und Erlebnispädagogin Katja Ispas. „Um eine selbstbestimmte Sexualität leben zu können, braucht es Wissen über die persönlichen Rechte und den eigenen Körper.“ Die Schwangerschaftsberaterin geht neben der Beratungsarbeit zum Beispiel in Schulen, um dort unter anderem Verhütungsmittel vorzustellen – immer anschaulich und lebensnah. „Oft ist das mit viel Spaß verbunden“, so Katja Ispas. „Das hat zur Folge, dass sowohl die Scheu vor dem Thema verloren geht als auch die richtige Anwendung in Erinnerung bleibt.“
Das Team der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung hat im vergangenen Jahr 374 Menschen beraten und führte knapp 500 Beratungsgespräche. Die Beratung ist kostenfrei und konfessionsunabhängig; sie steht allen Menschen offen.

Sophia Leopold (links) und Katja Ispas freuen sich auf das Jubiläum im Beratungszentrum Hüxterdamm. Foto: Gemeindediakonie
Text-Nummer: 179189 Autor: Diakonie/red. vom 02.05.2026 um 15.55 Uhr
