Politiker beraten über Tunnel zum Priwall
Lübeck - Travemünde: Der Lübecker Wirtschaftsausschuss ist praktischerweise schon vor Jahren mit dem Ausschuss für den Kurbetrieb zusammengelegt worden. Denn um das Seebad geht es in einem Antrag von „Die Fraktion“ (DIE PARTEI und Die Unabhängigen), der für Montag, den 11. Mai 2026, beraten werden soll. Ausschussmitglied Ali Alam möchte eine Kostenfreiheit für die Priwallfähre geprüft haben. Und einen Tunnel zur Halbinsel Priwall.
Wenn die Politiker bei ihrer Beratung im Verwaltungszentrum Mühlentor zu einem positiven Ergebnis kommen, soll die Verwaltung bis zum 30. November 2026 einen entsprechenden Prüfauftrag abarbeiten.
Option 1: Kostenfrei mit der Fähre zum Priwall
Als Erstes soll die Verwaltung eine „Kostenfreiheit der Fußgängerbeförderung auf der Fähre Travemünde–Priwall“ prüfen und die „dafür notwendigen organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Voraussetzungen darstellen“. Eine Kostenfreiheit für Fußgänger auf der Priwallfähre hatte kürzlich auch Lübecks Stadtpräsident Henning Schumann (CDU) gefordert (wir berichteten).
Option 2: Tunnel unter der Trave zum Priwall
Als Zweites soll die Verwaltung eine „Machbarkeits- und Kostenanalyse für einen Fußgängertunnel unter der Trave“ erstellen, einschließlich Baukosten, Betriebskosten, Instandhaltung, Sicherheitsanforderungen und technischer Varianten.

Noch sind die Fähren die einzige Möglichkeit, über die Trave auf den Priwall zu kommen. Im Wirtschaftsausschuss soll jetzt eine Tunnellösung für Fußgänger beraten werden. Foto: Karl Erhard Vögele
Stadt soll Kostenvergleich zwischen Tunnel- und Fährlösung erstellen
Weiter wird ein Kostenvergleich der Optionen einschließlich langfristiger Wirtschaftlichkeit, Fördermöglichkeiten, Umweltwirkungen und touristischer Effekte gefordert. Der volkswirtschaftliche Nutzen beider Varianten ist dabei nach Wunsch von „Die Fraktion“ gesondert zu bewerten, „insbesondere hinsichtlich Standortqualität, Erreichbarkeit, Besucherfrequenz, Zeitersparnissen und städtebaulicher Entwicklung auf beiden Traveseiten.“
Die Begründung der Fraktion
Die derzeitigen Fährgebühren stellen für viele Nutzerinnen und Nutzer, insbesondere Familien, Pendler und Touristen, „eine spürbare Belastung dar und mindern die Attraktivität des Priwalls und Travemündes“, heißt es in dem Papier der Fraktion. „Eine kostenfreie Querung würde spontane Besuche erleichtern, den touristisch beworbenen 3-Promenaden-Rundlauf stärken und positive wirtschaftliche Impulse für Gastronomie, Hotellerie, Beachbay und alle weiteren, lokalen Betriebe erzeugen.“ Gleichzeitig sei eine langfristige, wetterunabhängige und verlässliche Verbindung zwischen Travemünde und dem Priwall notwendig. „Ein Fußgängertunnel bietet eine dauerhafte Alternative zum Fährbetrieb, reduziert Wartezeiten, vermeidet Umwege und ermöglicht eine barrierefreie Querung unabhängig von Schiffsverkehr oder Witterung.“
Vorbild Hamburger Elbtunnel
Als vergleichbare Projekte nennt die Fraktion den Rendsburger Fußgängertunnel und den St.-Pauli-Elbtunnel. Diese würden zeigen, dass solche Lösungen technisch bewährt, wirtschaftlich tragfähig und stadtentwicklerisch hochwirksam seien. „Ein Tunnel wäre keine Einnahmequelle, sondern eine Infrastrukturmaßnahme mit hohem volkswirtschaftlichem Nutzen: Er stärkt die Standortqualität, verbessert die Erreichbarkeit, steigert die Besucherfrequenz und erhöht den Tourismuswert auf beiden Traveseiten“, so die Fraktion.
Ziel des Antrags: Eine fundierte Entscheidungsgrundlage
Ziel des Antrags ist den Antragstellern zufolge „die Schaffung einer fundierten, transparenten Entscheidungsgrundlage für die zukünftige Verkehrsanbindung zwischen Travemünde und Priwall. Durch die Gegenüberstellung von kostenfreier Fähre, bestehendem Fährbetrieb und einer Tunnellösung sollen die finanziellen, verkehrlichen, touristischen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen klar erkennbar werden. Damit soll eine Entscheidung ermöglicht werden, die Attraktivität, Erreichbarkeit und Entwicklung von Travemünde und Priwall nachhaltig stärkt – zum Vorteil beider Traveseiten und der gesamten Stadt.“

Steht schon für den ersten Spatenstich bereit: Ausschussmitglied Ali Alam möchte einen Fußgängertunnel zum Priwall geprüft haben. Foto: Helge Normann
Text-Nummer: 179255 Autor: Helge Normann vom 03.05.2026 um 12.40 Uhr
