Schiebe: An Lübecker Gymnasien fehlt Platz

Lübeck: Archiv: "Die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) ab dem Schuljahr 2026/27 wird für die Lübecker Schullandschaft zur Zerreißprobe", befürchtet die Lübecker Landtagsabgeordnete Sophia Schiebe (SPD). "Alle sieben städtischen Gymnasien in Lübeck sehen sich gezwungen, ihre Aufnahme zu begrenzen, weil schlichtweg der Platz fehlt."

Sophia Schiebe, Mitglied der SPD Landtagsfraktion Schleswig-Holsteina erklärt dazu:

(")Was wir hier erleben, ist eine bildungspolitische Mangelverwaltung auf dem Rücken unserer Kinder. Durch den zusätzlichen Jahrgang an den Schulen wird der ohnehin knappe Raum endgültig zur Mangelware. Die Folgen sind fatal: Um Platz für Klassenräume zu schaffen, müssen Fachräume für Musik oder Naturwissenschaften weichen, Zusatzangebote gestrichen und Schüler in Räume gepfercht werden, die nie für den Unterricht vorgesehen waren.

Besonders bitter stößt die rechtliche Ungleichstellung von KiTa-Kindern und Schülern auf. Während das Kita-Gesetz in Schleswig-Holstein klare Mindestflächen von 2,5 Quadratmetern pro Kind vorschreibt, lässt das Land die Schulen völlig im Regen stehen. Für Schulbauten gibt es keinerlei verbindliche Vorgaben zur Raumgröße. Das Ergebnis: In Lübeck werden jetzt schon bis zu 29 Schülerinnen und Schüler, in Ausnahmefällen sogar mehr, in Klassenverbänden eingeteilt, ohne dass das Land für angemessene Rahmenbedingungen sorgt.

Dass dieser Engpass entstehen würde, war seit Jahren absehbar. Doch statt die Kommunen wie in anderen Bundesländern massiv zu unterstützen, verharrt die schleswig-holsteinische Landesregierung im Ankündigungsmodus. Die Schwarz-Grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen stellte beispielsweise eine halbe Milliarde, um Räume für Klassen zu schaffen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Landesweit haben Schulträger bereits Kosten von über 135 Millionen Euro für notwendige Umbaumaßnahmen angemeldet. Bisher wurde jedoch noch kein einziger Cent aus den versprochenen Fördertöpfen bewilligt oder ausgezahlt. Die Stadt Lübeck und ihre Gymnasien stehen vor einer massiven Investitionswelle, für die das Land bisher nur vage Versprechungen liefert.

Deswegen fordern wir als SPD Landtagsfraktion und ich als Lübecker Abgeordnete die Landesregierung auf, die angemeldeten Mehrbedarfe unbürokratisch und schnell auszugleichen, damit Bauprojekte in Lübeck nicht länger auf Eis liegen. Zusätzlich brauchen wir auch für Schulen klare Vorgaben für pädagogisch nutzbare Flächen, damit „Lernen auf engstem Raum“ nicht zum Dauerzustand wird. Ebenfalls braucht Bildung feste Mauern und moderne Ausstattung, keine provisorischen Übergangslösungen, wie die Container-Schule an der Falkenstraße.

Es ist Zeit, dass Ministerpräsident Daniel Günther seine Wahlversprechen einlöst. Es darf nicht sein, dass der Erfolg von G9 durch schlechtere Lernbedingungen in überfüllten Klassen erkauft wird.(")
Durch die Umstellung auf G9 fehlt an Lübecker Gymnasien Platz, berichtet die Lübecker Landtagsabgeordnete Sophia Schiebe. Symbolbil: HN
Durch die Umstellung auf G9 fehlt an Lübecker Gymnasien Platz, berichtet die Lübecker Landtagsabgeordnete Sophia Schiebe. Symbolbil: HN

Text-Nummer: 179311    Autor: Büro Schiebe/red.    vom 4.5.2026 16.06 Uhr

Kommentare zu diesem Text (10):

Harry Hirsch

schrieb am 4.5.2026 18.34 Uhr:
Liebe Frau Schiebe,

mehr als 29 Schüler in einer Klasse - ach du liebes Gottchen - das erinnert mich an meine Schulzeit. Und nach meiner Erinnerung und derzeitigem Status hat es mir nicht geschadet - gar nicht!
Also lassen Sie doch bitte die Kirche (und die Schule) im Dorf und kommen wieder 'runter!
Nicht schlecht wäre es allerdings, wieder das Bildungsniveau auf frühere Höhen anzuheben - auch bei den Lehrenden!
Immer nur fordern (im Wissen, dass es nicht geht), wird das nicht langweilig?
Gruß, Harry

K.Lukai

schrieb am 4.5.2026 20.08 Uhr:
@HarryHirsch

Keine Ahnung, aber große Klappe. Mein Kind geht in solch eine Klasse. Mit zu kleinem Klassenraum, wenig Platz insgesamt in der Schule, und mit einer eher "gebrauchten" Ausstattung. Das ist keinesfalls mehr angemessen!
In diesem Land brüsten sich Politiker die neben einem Wal posieren. In diesem Land aller möglicher Unsinn subventioniert, wie Kitaplätze für Kinder, wo die Eltern nicht mal arbeiten! Oder es wird Ganztagsbetreuung gefordert, wobei es dafür weder Räume noch Betreuer, geschweige denn ein kindgerechtes Angebot gibt!

Diese blöde "hat mir auch nicht geschadet" ist ganz billiges Boomer-Gesülze. Also von der Generation, die diese Lage verschuldet hat weil sie jahrelang Realitäten nicht wahrhaben wollte. Schönen Dank auch!

Wenn sie mit ihren anderen Klassenkollegen einfach die nächsten jahre die Klappe halten, schadet das auch niemandem.

Ich fasse es nicht Frau Schiebe!

schrieb am 4.5.2026 21.30 Uhr:
Als Bürger erinnere ich mich sehr gut an den Landeswahlkampf und an Gespräche über Kita‑Kosten und Essensgeld. Damals fehlten Argumente für echte Entlastung komplett. Statt konkreter Lösungen gab es Verweise auf übernächste Legislaturperioden. Familien sollten warten, Verständnis haben, Geduld zeigen.
Und genau aus dieser politischen Richtung kommen nun große bildungspolitische Forderungen? Das wirkt nicht engagiert, sondern heuchlerisch. Wer jahrelang erklärt, warum Entlastung angeblich nicht geht, verliert die Glaubwürdigkeit, wenn er später laut nach Investitionen ruft.
Bildungspolitik besteht nicht aus Pressemitteilungen und Forderungskatalogen, sondern aus konsequentem Handeln. Wer Verantwortung trägt, muss sie auch dann übernehmen, wenn es unbequem und teuer wird – und nicht erst dann, wenn sich das Thema politisch verwerten lässt.
Nein danke. Forderungen ohne vorherige Konsequenz braucht niemand. Vielleicht dann – ganz konsequent – in der übernächsten Legislaturperiode.

Quo Vadis Lübeck?

schrieb am 5.5.2026 8.13 Uhr:
Neues Denken ist gefragt!

Lasst doch die Studenten der Architektur an der TH in Lübeck einige Entwürfe machen, wie so ein zukunftsorientiertes, innovatives räumliches Bildungskonzept aussehen könnte. Es nutzt nichts, die alten Räume der bestehenden Bildungseinrichtungen aufbohren zu lassen, um mehr Platz zu bekommen.

Lasst uns generell über die Bildungs-Bau-Architektur und die deren notwendige Funktionalität neu denken und darin investieren!

Lasst uns Abstand nehmen von sinnlos Investitionen wie: Bildungshaus in der Haupteinkaufszone, oder Fahrradautobahn mit zusätzlicher Staugarantie für den motorisierten Verkehr!

Lübeck erwache! Quo Vadis Lübeck?

Verstehe

schrieb am 5.5.2026 8.19 Uhr:
@ Lukai

So etwas zu lesen tut mir leid.

Hauptsache einen angeblichen Schuldigen für die Misere gefunden und fertig.

Werden Sie doch selbst für ihr Kind tätig, es gibt auch eine Elternverantwortung.

Klassen mit bis zu 30 Schülern sind durchaus vertretbar.
Und wenn ein Schüler Schwierigkeiten haben sollte können doch die Eltern beim lernen helfen - Stichwort Eigenverantwortung.

Nicht die ältere Generation ist Schuld sondern die jetzigen Eltern, die sich aus der Verantwortung stehlen wollen.

Gunnar Baden

schrieb am 5.5.2026 10.07 Uhr:
Wenn Frau Schiebe beklagt, dass es in Lübeck an den Gymnasien zu wenig Platz gibt, empfehle ich, mal bei ihrem SPD-Parteigenossen Jan Lindenau nachzufragen.

Der wollte nämlich das ehemalige Karstadthaus umbauen lassen, um für die Gymnasien mehr Platz zu schaffen.

Der Umbau sollte 2024 fertig sein und 22 Mio. Euro kosten. Rechtzeitig für die Umstellung auf G9.

Jetzt haben wir schon 2026 und der Umbau fängt gerade erst an. Für den Umstieg auf G9 kommt er viel zu spät. Die Raumnot ist erheblich.

Von den Kosten hört man gar nichts mehr, aber wer Herr Lindenau kennt, weiss, dass er auch da wahrscheinlich zu viel versprochen hat. Wir werden es sehen,

Hauptverantwortlich für die fehlenden Räume ist darum meiner Meinung nach nicht die Landesregierung, sondern die Unfähigkeit des Bügermeisters, vernünftig zu planen.

Josip A.

schrieb am 5.5.2026 10.59 Uhr:
Josip A.

schrieb am 05.05.2026 um 08.22 Uhr:
Hallo Harry Hirsch,

Sie schreiben mit offensichtlichem Zynismus:
"mehr als 29 Schüler in einer Klasse - ach du liebes Gottchen - das erinnert mich an meine Schulzeit."

Ja.
Ihre Generation war eh die schnellste, härteste und die klügste von allen nehme ich an.
Vermutlich auch bei Schnee und Eis barfuß zur Schule gelaufen, über schneebesetzte Berge und tiefe Täler mit reißenden Flussbetten.
Und gewaschen hat man sich mit Sand, jawohl: Mit Sand!

Die Wirklichkeit sieht heute (wie auch damals) jedoch anders aus.
Die Gesellschaft ist komplexer geworden.
Und die Lerninhalte bedingt durch Anforderungen der modernen Welt ebenfalls.

Mein Kind hat das "Glück" in einem Container-Bau unterrichtet zu werden.
Wegen Platzmangel. Ca. 30 Kinder in einem relativ kleinen Container-Klassenzimmer, lieblos ausgestattet, eng, wenn man Glück hat funktioniert das Internet für die digitale Tafel.
Und Lübeck wirbt "Wir sind Smart-City".
Ob es schadet?
Wer weiss. Optimal ist es sicherlich nicht, tatsächlich weit ab davon.

Sie reden davon "das Bildungsniveau auf frühere Höhen anzuheben - auch bei den Lehrenden". Wie unglaublich borniert muss man sein, das man glaubt man selbst und seine Generation wäre die Sahne der Bildungslandschaft?
Sie wissen offenkundig nichts über die Anforderungen der heutigen Zeit, sowohl bei den Kindern, als auch den Lehrenden.
Auf der einen Seite wollen Sie das Bildungsniveau anheben - blenden aber völlig aus, dass die räumliche Ausstattung eine zentrale Rolle dabei spielt.
Da die physische Umgebung maßgeblich beeinflusst, wie effektiv gelernt UND gelehrt wird, spricht masn vom Raum auch als "dritten Pädagogen".
Handfeste Studien zeigen, das die Gestaltung von Klassenräumen den Lernerfolg und den akademischzen Fortschritt um bis zu 25% beeinflussen kann.
Dabei spielen Luftqualität, Akustik, Lichtverhältnisse, Temperaturregelung, flexibele Raumlösungen usw. eine gravierende Rolle.
Das scheint man ihrem Jahrgang nicht beigebracht zu haben.
Aber erzählen sie uns doch gerne nochmal Geschichten aus jener "guten, alten Zeit", als alle Kinder barfuß zur Schule gelaufen sind und ein Stück Kohle mitbringen mussten.

Sylvia Zastrow

schrieb am 5.5.2026 11.05 Uhr:
Eine Ausweichmöglichkeit wäre ja dann ein Gymnasium in Moisling ! Sehr gut zu erreichen ! Unkomplizierte Busverbindung und auch mit dem Zug erreichbar !

Hans

schrieb am 5.5.2026 11.05 Uhr:
@Gunnar:
Der Umbau des alten Karstadt-Gebäudes sollte 2024 fertig sein?
Das wundert mich aber, da Karstadt erst am 31.01.2024 seine Pforten für den Kundenverkehr geschlossen hat...

Haarberge

schrieb am 5.5.2026 14.34 Uhr:
Die Herausforderung ist, dass weniger Schüler für das Gymnasium zugelassen werden müssen. Es sind ja schon inflationäre Zustände. Heute darf jeder sein Kind für das Gymnasium anmelden, obwohl die Voraussetzungen für ein ESA beim Verlassen der Grundschule vorliegen.