Digitales Museum für das Lager Pöppendorf

Lübeck - Kücknitz: „Mitten im Wald nördlich von Lübeck wurde Geschichte geschrieben. Und heute ist sie vergessen“, heißt es in einem von Torben Freytag von „Ars Discendi“ ins Leben gerufenen Spendenprojekt auf der Plattform „gofundme“. Es geht um das Lager Pöppendorf. Im Waldhusener Forst soll dem Aufruf zufolge ein digitales Museum entstehen. Dafür werden Spenden gesucht. Das Spendenziel ist mit 4.000 Euro angegeben.

Ihr Projekt erklären die Initiatoren in einer Mitteilung so: („) 1945. Der Zweite Weltkrieg endet, deutsche Armeen sind über ganz Europa und darüber hinaus verteilt. Sie müssen zurückgeholt werden, die Soldaten ins Zivilleben entlassen werden. In einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein errichtet die britische Militärregierung eine Wehrmachtsentlassungsstelle. Hier werden die Soldaten der Norwegenarmeen entlassen. Zugleich werden große Teile des Waldhusener Forstes abgeholzt, das Holz für Reparationszahlungen verschickt und am 2. August wird das Potsdamer Abkommen beschlossen, die Vertreibung der deutschen Bevölkerungsteile Polens, der Tschechoslowakei und Ungarns beginnt.

In Waldhusen errichtete die britische Militärregierung auf den gerodeten Flächen ein Lager, das durch das Rote Kreuz betrieben wurde. Mehr als 615.000 Menschen kamen über das Pöppendorfer Lager nach den Strapazen von Flucht und Vertreibung an, wurden medizinisch und mit Nahrung versorgt, registriert und in der britischen Zone verteilt. Auch heute noch erinnern sich die Zeitzeugen gut an "das Pulver", mit dem sie entlaust wurden. Schleswig-Holstein verdoppelte seine Bevölkerung beinahe, und ein guter Teil dieser Neubürger kam durch das Pöppendorfer Lager hier an, wurde auch in Lübeck heimisch, baute sich ein Leben auf und blieb.

Dann, im September 1947, wurden Stacheldrahtzäune um das Lager gezogen, Scheinwerfer aufgestellt und Wachtürme errichtet. Am 8.9.1947 brachten Lastwagen und Eisenbahnwaggons mit vergitterten Fenstern Menschen in den Waldhusener Forst, und zwei Jahre nach dem Holocaust wurden wieder jüdische Menschen auf deutschem Boden hinter Stacheldraht gesperrt, bewacht von Uniformierten mit Maschinenpistolen auf Wachtürmen. Die Fahrt der Exodus 1947 endete hier und im Lager am Stau, wo heute eine von der Exodus-Gruppe aufgestellte Tafel an sie erinnert. Die Bilder von jüdischen Menschen hinter Stacheldraht in Deutschland gingen um die Welt und das Lager Pöppendorf war in aller Munde.

Und heute ist das Lager verschwunden. Eine einsame Infotafel, Teil des archäologischen Wanderweges, gibt einige wenige Informationen zum Lager, eine Tafel am Waldparkplatz erinnert an das Lager.

Das soll sich jetzt ändern. Im Waldhusener Forst soll ein digitales Museum entstehen, ein Museum ohne Gebäude. Wenn man es besuchen will, nimmt man sein Smartphone und seine Kopfhörer, startet die App und macht einfach einen Waldspaziergang. Erreicht man dann beispielsweise den ehemaligen Lagereingang, erfährt man über seine Kopfhörer, was hier einmal war, warum und wie es aussah. Will man mehr wissen, nimmt man sein Smartphone zur Hand und kann sich Dokumente aus der Zeit, Fotos, Akten, Berichte ansehen und tief in die Zeit eintauchen.

Um dieses Unterfangen zu realisieren, werden Spenderinnen und Spender gesucht, die dabei unterstützen wollen, einen wichtigen, aber größtenteils vergessenen Teil der Lübecker Geschichte wieder sicht- und erfahrbar zu machen. („)

Der Spendenaufruf ist auf der Plattform gofund.me zu finden.

Das „Digitale Museum“ soll über das ehemalige Lager Pöppendorf informieren. Foto: Shalom Pinchu, the Exodus Heritage Team

Das „Digitale Museum“ soll über das ehemalige Lager Pöppendorf informieren. Foto: Shalom Pinchu, the Exodus Heritage Team


Text-Nummer: 179322   Autor: Veranstalter/red.   vom 05.05.2026 um 14.33 Uhr

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