Protest gegen neuen Kai: Grüne Landtags-Abgeordnete besuchen Gothmund
Lübeck - St. Gertrud: Bei einem Besuch im historischen Fischereidorf Gothmund haben sich der Lübecker Landtagsabgeordnete Jasper Balke und die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Nelly Waldeck, über das Bauvorhaben „Lehmannkai 1+“ informiert und sich mit den Initiativen „Lehmannkai 1+ nein danke“ und „Rettet Gothmund“ ausgetauscht. Darüber berichten die Politiker in einer Mitteilung.Wir veröffentlichen die Mitteilung von Jasper Balke im Wortlaut:

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Im Mittelpunkt standen die erwarteten Auswirkungen der geplanten Erweiterung des Lehmannkais 1 auf die Anwohnenden in Gothmund und auf das in unmittelbarer Nähe gelegene Naturschutzgebiet Schellbruch sowie die drohende Verkehrsentwicklung in den Stadtteilen Dänischburg und Siems. Derzeit liegt ein Antrag auf Genehmigung der Hafenerweiterung bei der zuständigen Planfeststellungsbehörde des Landes vor. Nach ersten Erwiderungen wird nun mit einer Entscheidung im Laufe dieses Jahres gerechnet. Die beiden Abgeordneten bekräftigten Ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Vorhaben und kündigten an, den Dialog mit den Initiativen fortzusetzen.
„Gothmund ist ein einzigartiges Fischerdorf mit einer über Jahrhunderte gewachsenen Geschichte von besonderem kulturellem Wert. Gemeinsam mit dem Schellbruch dient es den Lübecker*innen als wichtiges Naherholungsgebiet und besitzt eine hohe touristische Bedeutung. Diese Räume, die Mensch und Tier gleichermaßen dienen, gilt es zwingend zu erhalten.
Die geplante Erweiterung des Lehmannkais würde diesen besonderen Ort massiv beeinträchtigen – durch zusätzlichen Lärm im Hafenbetrieb, erhöhte Staubemissionen beim Be- und Entladen und Umweltbelastungen durch den zunehmenden Schiffsverkehr. Auch die prognostizierte Zunahme des Schwerlastverkehrs durch die steigende Logistik stellt eine unzumutbare Härte für die Menschen in Dänischburg und Siems dar. Die Sorgen der Anwohnenden auf beiden Seiten der Trave sind nachvollziehbar und sollten in der Entscheidung der Planfeststellungsbehörde entsprechende Gewichtung erhalten“, erklärt Jasper Balke.

Nelly Waldeck ergänzt: „Aus landespolitischer Sicht stellt sich zunehmend die Frage nach der Notwendigkeit dieses Projekts. Trotz des leichten Zuwachses des Seegüterumschlags am Port of Lübeck im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr, erwartet die Seeverkehrsprognose des Bundes für 2040 kein nennenswertes Wachstum des Hafenstandorts. Da derzeit der Großteil des Umschlags in Lübeck im RoRo-Verfahren (Roll-on/Roll-off durch Trägerfahrzeuge) erfolgt, kann eine erhebliche Beeinträchtigung der Nachfrage durch die Eröffnung des Fehmarnbelt-Tunnels angenommen werden. Die für die Wirtschaftlichkeit des Hafenstandorts gewünschte Vertiefung der Trave ist zudem nicht absehbar.
Der Ausbau des Lehmannkais 1+ folgt daher einer hier nicht nachvollziehbaren Erwartung weiteren Wachstums im Güterumschlag und missachtet einen ausreichenden Schutz der Anwohnenden. Zusätzlich finden ökologische und klimapolitische Aspekte in der Planung keine angemessene Berücksichtigung. Statt neue Kapazitäten zu schaffen, brauchen wir in Schleswig-Holstein eine nachhaltige Hafenstrategie, die unter Einbindung der lokalen Bevölkerung und natürlicher Schutzgüter die bestehende Infrastruktur modernisiert und effizient nutzt. Die wirtschaftlichen Interessen eines privaten Investors sollten hier nicht einseitig über den Schutz von Lebensräumen, Klima und unserem kulturellen Erbe gestellt werden.”
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Jasper Balke wird von einer Anwohnerin in Gothmund über den Standort der geplanten Lagerhallen des Bauvorhabens „Lehmannkai 1+“ informiert. Fotos: Büro Jasper Balke
Text-Nummer: 179329 Autor: Büro J. Balke/red. vom 05.05.2026 um 15.55 Uhr
