Bahnstrecke Lübeck-Hamburg zwei Wochen gesperrt

Lübeck: Archiv: Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) e.V. „Die Güterbahnen“ legt Beschwerde bei der Bundesnetzagentur ein. Es geht um die Strecke Lübeck-Hamburg: „Statt einer bisher vorgesehenen Teilsperrung soll im Oktober nun eine Vollsperrung der Strecke erfolgen, was den Lübecker Hafen faktisch vom kontinentalen Schienenverkehr abschneiden würde“, so der Verein. Das habe schwere Konsequenzen. Mehrere Unternehmen haben Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingelegt.

Die weitere Mitteilung des Vereins im Wortlaut:

(„)Am Lübecker Hafen werden Waren von und nach Finnland verladen, ebenso wie Fracht in Richtung Süd- und Osteuropa. Auch regionale Player rund um Lübeck wären betroffen, wenn die Hauptader in dieser Weise gekappt wird. Unser Verband vertritt über 130 Mitglieder, darunter viele Unternehmen aus dem Schienengüterverkehr, die von Sperrungen der DB InfraGO ganz massiv betroffen sind. Wir vertreten dabei explizit jene Unternehmen, die nicht zum Konzern der Deutschen Bahn gehören und inzwischen einen Marktanteil von 60 Prozent halten.

Unsere Mitglieder erhielten die – verspätete – Information durch die DB InfraGO, dass die Bahnstrecke Hamburg–Lübeck im Zeitraum vom 3. Oktober 2026 bis 19. Oktober 2026 vollständig gesperrt werden soll. Grund seien vorbereitende Arbeiten für den Bau eines dritten Gleises zwischen Hamburg und Bad Oldesloe. Der Ausbau ist an sich zu begrüßen, aber: Bisher war lediglich eine eingleisige Sperrung mit reduzierter Kapazität vorgesehen, nun soll plötzlich voll gesperrt werden. Nur ein knappes halbes Jahr im Voraus ist eine solche Information deutlich und formal zu spät bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen. Die InfraGO ist verpflichtet, bei geplanten Sperrungen mindestens sechs Monate im Voraus zu informieren. Zudem haben die Unternehmen bereits lange zuvor mit ihren Kunden Verträge abgeschlossen. Im Schienengüterverkehr gibt es keinen Schienenersatzverkehr, Umleitungen gibt es praktisch keine geeigneten, ein Umleiterkonzept, das die InfraGO vorlegen müsste, fehlt gänzlich: Alternative Umleitungsstrecken, etwa über Lüneburg – Büchen – Lübeck, sind aufgrund von Engpässen bei der Infrastruktur nur sehr begrenzt geeignet: Eingleisige Abschnitte sowie fehlende Elektrifizierungen machen die Strecke zu einer ungeeigneten Alternative. Wirtschaftlich sind solche Wege für die Unternehmen kaum darstellbar. Es droht, dass Verkehre stattdessen auf die Lastwagen verladen werden und für die Schiene verloren gehen. Nicht einmal der Weg über Hamburg-Eidelstedt oder Pinneberg, wo die Züge ohnehin bereits aufwendig Kopf machen müssten, ist möglich, da auch die Strecke über Hamburg Berliner Tor nicht befahrbar sein wird.

Mehrere Eisenbahnverkehrsunternehmen haben aufgrund der kurzfristigen und aus ihrer Sicht unzureichend kommunizierten Planung Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingereicht (Az. BK10-26-0164_Z). Wir kritisieren mangelnde Transparenz, vor allem zu den Gründen der Planänderung, sowie unzureichende Konsultationen seitens der DB InfraGO. („)
„Bisher war lediglich eine eingleisige Sperrung mit reduzierter Kapazität vorgesehen, nun soll plötzlich voll gesperrt werden“, meint das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) e.V. „Die Güterbahnen“. Foto: Archiv/HN
„Bisher war lediglich eine eingleisige Sperrung mit reduzierter Kapazität vorgesehen, nun soll plötzlich voll gesperrt werden“, meint das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) e.V. „Die Güterbahnen“. Foto: Archiv/HN

Text-Nummer: 179380    Autor: NEE/red.    vom 7.5.2026 18.01 Uhr

Kommentare zu diesem Text (10):

Hans

schrieb am 7.5.2026 21.01 Uhr:
Versteh ich nicht: Wenn die Strecke für 14 Tage dichtgemacht wird und hinterher ein drittes Gleis bis Oldesloe vorhanden ist: Wieso kann man nicht für bummelig 2 Wochen mit Diesellok-bespannten Zügen über Büchen fahren - schlussendlich muss alles nach Maschen. Und: Schliesslich haben wir doch auch die Schneekastastrophe überlebt. Fazit: Harte Massnahmen über einen kurzen Zeitraum sind allemal besser als sich hinschleppendes kleinteiliges Gepussel - das ist meine feste Überzeugung. Generalsanierung statt Flickwerk: das bringt wirklich was. Wem der Pelz gewaschen wird, der wird auch mal nass, aber hinterher freut er sich. Ranklotzen statt Jammern - nur so kommt Deutschland nach vorne !

Oliver

schrieb am 8.5.2026 7.10 Uhr:
Lasst einfach Hans ans Werk, das ist der Experte, der eigenständig einen Masterplan für die zwei Wochen entwickelt hat.

(Schon mal dran gedacht, dass ggf. die Strecke über Büchen nicht die selben Kapazitäten besitzt als die Strecke HL-HH? Manche Strecken sind einfach nicht für Güterverkehr vorgesehen oder zumindest nur eingeschränkt. Außerdem woher willst du wissen, dass eh alles nach Maschen kommt? Arbeitest du da? Wenn nicht, weißt du garnichts.)

SenecaMed

schrieb am 8.5.2026 7.46 Uhr:
@Hans

Ihr Kommentar ist ein gutes Beispiel für

A. Mangelhaftes Textverständnis
B. Absolute Ahnungslosigkeit bei einem Thema und dennoch kommentieren

Für alle Anderen: nach den 2 Wochen Sperrung ist natürlich KEIN drittes Gleis vorhanden! Das geschieht endgültig erst im Rahmen der Generalsanierung in ein paar Jahren, die natürlich nicht zwei Wochen, sondern viele Monate dauern wird.

Eine Umleitung der kompletten Güterverkehre über andere Strecken nach Maschen (beispielsweise über Büchen) wird kaum möglich sein, da die Streckeninfrastruktur das nicht her gibt. Genau deswegen soll ja vor der Generalsanierung Lübeck - Büchen (-Lüneburg) ausgebaut werden, genauso wie Lübeck - Bad Kleinen (Elektrifizierung)

Alex

schrieb am 8.5.2026 8.30 Uhr:
Der Bericht suggeriert, dass ein drittes Gleis durchgehend von HH nach OD gebaut werden soll. Dem ist aber nicht so. Bisher waren zusätzliche Gleise nur von HH bis Ahrensburg (2 Gleise) bzw. Ahrensburg Gartenholz (1 Gleis) geplant, laut dem Entwurf des landesweiten Nahverkehrsplans 2027 - 2030 nun bis Bargteheide ("Zwischen Hamburg-Hasselbrook und Ahrensburg-Gartenholz werden zwei separate S-Bahn-Gleise und bis Bargteheide ein weiteres Gleis gebaut. Die Gesamtinbetriebnahme ist bislang noch für 2029 geplant.") Nachzulesen unter https://dt5online.de/2026/03/06/landesweiter-nahverkehrsplan-2027-2031-was-die-nah-sh-in-den-naechsten-jahren-plant/

@Hans: Die Kapazität der Umleitungsstrecken ist viel zu niedrig, da nur eingleisig und Überholgleise nicht die nötige Länge für Güterzüge besitzen und auch nicht ausreichend vorhanden sind, um die Zugdichte groß zu erhöhen. Diesellokomotiven sind i.d.R. leistungsschwächer als E-Lokomotiven, Lokwechsel kosten Zeit und Geld und ich bezweifle, dass die Bahn-Unternehmen ausreichend Diesellokomotiven vorrätig haben, wenn ich mir so die musealen Antiquitäten anschaue, die momentan im Personenverkehr zwischen HL und Bad Kleinen eingesetzt werden.

ExPope

schrieb am 8.5.2026 11.16 Uhr:
Es gehört sehr viel Mut dazu ein neues Eisenbahnverkehrs Unternehmen aufzubauen. DB informiert diese Neuen meist unvollständig und zu spät. Wenn DB jährlich 10 Milliarden erhält, wird das Geld immer ausgegeben. Siehe Stuttgart 21. Das ist immer noch nicht fertig. Deine Bahn gibt Geld aus für einen neuen IC Zug nach Sylt. Lübeck- Puttgarden hat seit langem keinen IC, aber ein Bus X 85.

Lothar F.

schrieb am 8.5.2026 13.50 Uhr:
Ich lese hier immer Vollsperrung! Warum ist das inzwischen offenbar usus, Tatsache ist die Strecke nicht das 1. mal instandgesetzt worden. Ich bin 35 Jahre nach Hamburg gependelt und nicht einmal waren Vollsperrungen notwendig. Es geht auch anders, nämlich abschnittweise auf eingleisigen Betrieb umstellen. Das dauert in der Fahrzeit dann evtl. 15 Minuten länger, aber immer noch das kleinere Übel. Alle diskutierten Ausweichstrecken sind völliger Quatsch, ebenso ein Schiendenersatzverkehr. Wenn anderswo z.B auf der Riedbahn in Südhessen eine Vollsperrung ausgeführt wurde, dann standen dort Umleitungsstrecken über Darmstadt zur Verfügung. Nicht so von HL nach HH.

Ingo1962

schrieb am 8.5.2026 15.11 Uhr:
Das Schienennetz verfällt langsam aber sicher. Es muss etwas geschehen. Jetzt! „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“ funktioniert da nicht.

Matthias

schrieb am 8.5.2026 16.51 Uhr:
@Lothar
Ich tippe mal! Wenn die Baustelle beginnt kann, kann man als Ausgleich über Lüneburg nach Hamburg fahren.
Also eine Umfahrung ist durchaus vorhanden.

Lothar F.

schrieb am 8.5.2026 21.23 Uhr:
@ Matthias Viele Wege führen nsch Rom. Wie soll das funktionieren. Die Züge nach Hamburg fahren halbstümdlich und jeder bietet platz für 900 Personen. Die Bimmelbahn nach Lüneburg ist da wohl eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

Hans

schrieb am 11.5.2026 15.56 Uhr:
Ach Ihr lieben Kommentatoren, Ihr arbeitet Euch ja so richtig an mir ab. Lächerlich, wie allgemein bekannte Fakten (eingleisig, kürzere Züge, blah blah..) quasi als neue tiefe Erkenntnisse oberlehrerhaft publiziert werden. Nur: Wo bleiben denn die konkreten Vorschläge, wie man mit der Situation umgehen kann im Sinne einer Abmilderung ? Schon mal daran gedacht, Massengut (z.B. Holz) per Binnenschiff auf dem Elbe-Lübeck-Kanal zu transportieren (Hafen: Wasser - Kanal - Elbe - Schiff, klingelt da was ?). Kurzum: Nordstream gesprengt - no problem. Suez-Kanal dicht: no problem. Strasse von Hormuz dicht: no problem. Bahn Hamburg-Berlin 11 Monate dicht: no problem. Bahn Lübeck-Hamburg 14 Tage dicht: Weltuntergang ! Unternehmerisches Denken: Fehlanzeige. Letzter Satz: Danke, "Ingo1962" - Bruder im Geiste.