Bahnstrecke Lübeck-Hamburg zwei Wochen gesperrt
Lübeck: Archiv - 07.05.2026, 18.01 Uhr: Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) e.V. „Die Güterbahnen“ legt Beschwerde bei der Bundesnetzagentur ein. Es geht um die Strecke Lübeck-Hamburg: „Statt einer bisher vorgesehenen Teilsperrung soll im Oktober nun eine Vollsperrung der Strecke erfolgen, was den Lübecker Hafen faktisch vom kontinentalen Schienenverkehr abschneiden würde“, so der Verein. Das habe schwere Konsequenzen. Mehrere Unternehmen haben Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingelegt.Die weitere Mitteilung des Vereins im Wortlaut:
(„)Am Lübecker Hafen werden Waren von und nach Finnland verladen, ebenso wie Fracht in Richtung Süd- und Osteuropa. Auch regionale Player rund um Lübeck wären betroffen, wenn die Hauptader in dieser Weise gekappt wird. Unser Verband vertritt über 130 Mitglieder, darunter viele Unternehmen aus dem Schienengüterverkehr, die von Sperrungen der DB InfraGO ganz massiv betroffen sind. Wir vertreten dabei explizit jene Unternehmen, die nicht zum Konzern der Deutschen Bahn gehören und inzwischen einen Marktanteil von 60 Prozent halten.
Unsere Mitglieder erhielten die – verspätete – Information durch die DB InfraGO, dass die Bahnstrecke Hamburg–Lübeck im Zeitraum vom 3. Oktober 2026 bis 19. Oktober 2026 vollständig gesperrt werden soll. Grund seien vorbereitende Arbeiten für den Bau eines dritten Gleises zwischen Hamburg und Bad Oldesloe. Der Ausbau ist an sich zu begrüßen, aber: Bisher war lediglich eine eingleisige Sperrung mit reduzierter Kapazität vorgesehen, nun soll plötzlich voll gesperrt werden. Nur ein knappes halbes Jahr im Voraus ist eine solche Information deutlich und formal zu spät bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen. Die InfraGO ist verpflichtet, bei geplanten Sperrungen mindestens sechs Monate im Voraus zu informieren. Zudem haben die Unternehmen bereits lange zuvor mit ihren Kunden Verträge abgeschlossen. Im Schienengüterverkehr gibt es keinen Schienenersatzverkehr, Umleitungen gibt es praktisch keine geeigneten, ein Umleiterkonzept, das die InfraGO vorlegen müsste, fehlt gänzlich: Alternative Umleitungsstrecken, etwa über Lüneburg – Büchen – Lübeck, sind aufgrund von Engpässen bei der Infrastruktur nur sehr begrenzt geeignet: Eingleisige Abschnitte sowie fehlende Elektrifizierungen machen die Strecke zu einer ungeeigneten Alternative. Wirtschaftlich sind solche Wege für die Unternehmen kaum darstellbar. Es droht, dass Verkehre stattdessen auf die Lastwagen verladen werden und für die Schiene verloren gehen. Nicht einmal der Weg über Hamburg-Eidelstedt oder Pinneberg, wo die Züge ohnehin bereits aufwendig Kopf machen müssten, ist möglich, da auch die Strecke über Hamburg Berliner Tor nicht befahrbar sein wird.
Mehrere Eisenbahnverkehrsunternehmen haben aufgrund der kurzfristigen und aus ihrer Sicht unzureichend kommunizierten Planung Beschwerde bei der Bundesnetzagentur eingereicht (Az. BK10-26-0164_Z). Wir kritisieren mangelnde Transparenz, vor allem zu den Gründen der Planänderung, sowie unzureichende Konsultationen seitens der DB InfraGO. („)

„Bisher war lediglich eine eingleisige Sperrung mit reduzierter Kapazität vorgesehen, nun soll plötzlich voll gesperrt werden“, meint das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) e.V. „Die Güterbahnen“. Foto: Archiv/HN
Text-Nummer: 179380 Autor: NEE/red. vom 07.05.2026 um 18.01 Uhr
