Forum für Migranten setzt Dialog vor Ort fort
Lübeck - Innenstadt: Archiv - 11.05.2026, 08.45 Uhr: Das Forum für Migranten in der Hansestadt Lübeck führt seinen Dialog vor Ort weiter – dieses Mal bei der Gemeinde der Reformierten Evangelischen Kirche in der Lübecker Innenstadt.Nach dem Bürgerschaftsbeschluss zum aktualisierten Integrationskonzept von 2021 (und nach der Pandemie) hat das Forum über viele Monate hinweg mit externer Moderation diskutiert und beraten. "Dabei haben wir entschieden, dass das Forum offener, lebendiger und aktiver werden soll“, erklärt Aydin Candan, Vorsitzender des Forumsvorstandes. „Daher begrüße ich es sehr, wenn im Rahmen der jeweiligen Schwerpunkte unserer Beauftragten solche Aktivitäten stattfinden. Nicht für eine Statistik, sondern um uns auszutauschen, die verschiedenen Gruppen in Lübeck besser zu verstehen, für bestimmte Themen zu sensibilisieren und letztlich gemeinsam das friedliche Zusammenleben zu fördern.“
Eine gute Tradition der Evangelisch-reformierten Kirche sei es, dass die Gemeindemitglieder direkt nach dem Gottesdienst zu einer Runde „Kaffee und Kuchen“ zusammenkommen. Dabei wird insbesondere das Tagesthema – also die Predigt – gemeinsam besprochen. Es werden Fragen gestellt und Meinungen ausgetauscht. Pastor beziehungsweise Pastorin stehen dabei „Rede und Antwort“.
Davon zeigte sich der Beauftragte für interkulturelles und interreligiöses Zusammenleben sowie gegen Antisemitismus, Spyridon Aslanidis, beeindruckt: „Ich bin quasi seit meiner Geburt Christ. Dass Pastorinnen oder Pastoren nach dem Gottesdienst angesprochen werden, kenne ich natürlich. Aber hier habe ich eine andere, besonders lebendige Diskussionskultur erlebt.“
Pastor Kai Feller setzte sich in seiner Predigt intensiv mit dem Bibeltext Jesaja 66,10–14 in dessen literarischem Kontext auseinander. Dabei räumte er offen ein, dass auch er selbst keine endgültigen Antworten auf die von ihm gestellten Fragen hat. Gleichzeitig benannte er deutlich Grenzen gegenüber menschenfeindlichen Antworten. "Ziel sei es gewesen, einen Raum zu schaffen, in dem die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher eigene Antworten entwickeln können."
"Das Predigtgespräch zeigte, dass es unterschiedliche Perspektiven auf die gegenwärtigen Konflikte im Nahen Osten gibt. Beeindruckend war für den Beauftragten des Forums, dass er als Gast aktiv mitdiskutieren durfte. Bei dieser gelebten Dialogkultur fand ich besonders bemerkenswert, wie respektvoll Pastor Feller zuhörte und offen, ehrlich sowie direkt reagierte. Das war Demokratie und Dialog auf höchstem Niveau“, so Aslanidis.
Eine Aussage aus der Diskussion hat ihn besonders bewegt und entspricht auch seiner eigenen Sichtweise: „Jüdinnen und Juden haben aus dem Holocaust ebenfalls gelernt, allerdings etwas anderes als wir. Für sie ist klar, dass sie sich kein zweites Mal auf die Schlachtbank führen lassen.“
Aydin Candan und Spyridon Aslanidis betonen zugleich, „dass das Forum keine Lobby für eine bestimmte religiöse Gemeinschaft ist. Das Forum engagiert sich gegen menschengruppenbezogenen Hass und Diskriminierung. Dabei ist weder rechts-, links- noch anderweitig motivierter Antisemitismus zu akzeptieren. Auch nicht Feindseligkeit gegen den Islam und andere religiöse Gemeinschaften.“
Das Forum wird seine Aktivitäten fortsetzen und beim „Hansa-Kulturfestival 2026“ aktiv präsent sein. Der Beauftragte für Demokratische Teilhabe und Bildung, Tarek Kayser, sowie Spyridon Aslanidis freuen sich besonders darüber, dass dies in Kooperation mit der US-amerikanischen Community in Lübeck und Umgebung stattfinden wird.
Das Forum für Migranten kündigt zudem an, auch künftig verstärkt den direkten Austausch mit Religionsgemeinschaften, Vereinen und zivilgesellschaftlichen Initiativen in Lübeck zu suchen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Kultur in der Hansestadt weiter zu stärken.

Das Forum für Migranten setzte seinen Dialog mit einem Besuch der Reformierten Evangelischen Kirche fort. Foto: Forum
Text-Nummer: 179422 Autor: Forum vom 11.05.2026 um 08.45 Uhr
