Naturschützer beobachten Kiebitznester
Lübeck - Travemünde: Es wurde fleißig gebalzt im Naturschutzgebiet „Südlicher Priwall“ und jetzt müssen die Nester der stark gefährdeten Kiebitze über mehrere Wochen intensiv beobachtet werden. Zu diesem Zweck haben die Naturwerkstatt Priwall und ihr Träger, der Landschaftspflegeverein Dummersdorfer Ufer e. V., die ersten Gelege der Wiesenbrüter markiert.Nachdem am 24. Februar die ersten Kiebitze des Jahres auf der großen Vogelwiese im Naturschutzgebiet „Südlicher Priwall“ beobachtet werden konnten und am 11. März der Prädatorenschutzzaun fertiggestellt wurde, gilt es seit einigen Tagen, die Nester – also die Ergebnisse der spektakulären Balzflüge des Kiebitzes – zu markieren. Von 17 mit Fernglas und Spektiv festgestellten Gelegen konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer e. V., der das Schutzgebiet betreut, und der Naturwerkstatt Priwall bereits acht mit einem Holzpflock und einer Nummer ausstatten.
Sinn dieser Maßnahme ist, die Nester zukünftig vom Beobachtungsturm am südöstlichen Wiesenrand leichter wiederzufinden. So können die Naturschützer und andere ornithologisch Interessierte in den nächsten Tagen und Wochen (Kiebitze brüten etwa 28 Tage lang) die brütenden Vögel im Blick behalten.
Der Kiebitz (Vanellus vanellus) zählt zur Familie der Regenpfeifer (Charadriidae) und war bis in die 1980er Jahre landesweit die charakteristische Wiesenvogelart. Seitdem führten eine veränderte und intensivere Bewirtschaftung des Landes und wasserwirtschaftliche Veränderungen zu einem andauernden Habitatverlust. Vielerorts sind die Bestände stark ausgedünnt und aus einigen Bereichen hat sich die Art ganz zurückgezogen.
Laut der „Roten Liste“ zu den Brutvögeln Schleswig-Holsteins ist im nördlichsten Bundesland aufgrund ungenügender Reproduktionserfolge kurzfristig eine starke Bestandsabnahme und langfristig ein deutlicher Rückgang zu erwarten. Nicht umsonst wählte der NABU den Kiebitz bereits zweimal (1996 und 2024) zum Vogel des Jahres. Diese Auszeichnung ist mitnichten ein Grund zur Freude, sondern soll auf die Bedrohung der jeweiligen Art und ihres Lebensraumes hinweisen. Die 2015 gegründete Naturwerkstatt Priwall ist eine Einrichtung des Landschaftspflegevereins Dummersdorfer Ufer e. V., der entlang der Travemündung und in den Küstengebieten der Lübecker Bucht mehrere Schutzgebiete betreut. Der Naturwerkstatt kommt dabei eine Doppelfunktion als Betreuungsstation für das Naturschutzgebiet „Südlicher Priwall“ einerseits und als Umweltbildungs- und Naturpädagogikstätte andererseits zu. Fachliche Schwerpunkte der landschaftspflegerischen Maßnahmen im Naturschutzgebiet „Südlicher Priwall“ sind die Wiederansiedlung und der Bestandsschutz bedrohter Wat- und Wiesenvogelarten, insbesondere des Kiebitzes.

Die Kiebitznester auf dem Priwall werden von den Naturschützern überwacht. Foto: LPV
Text-Nummer: 179509 Autor: LPV vom 15.05.2026 um 15.31 Uhr
