Neuer Propst: Kirche hat eine besondere Rolle in Lübeck
Lübeck: Eine Woche nach seiner Einführung als neuer Propst in Lübeck war Oliver Erckens zu Gast in der Sendung „Reflex“ bei Harald Denckmann auf LübeckFM. In dem rund 40-minütigen Gespräch sprach Erckens über persönliche Prägungen, seine ersten Tage im neuen Amt – und über die Herausforderungen, vor denen Kirche in Lübeck steht.Denckmann wollte unter anderem wissen, was dem neuen Propst durch den Kopf gegangen sei, als ihm Bischöfin Kirsten Fehrs während des Gottesdienstes in St. Marien zu Lübeck das silberne Amtskreuz umlegte. „Ich muss gestehen, ich erinnere mich an den Moment selbst gar nicht mehr so richtig“, sagte Erckens im Gespräch. „Ich habe es erst später richtig wahrgenommen, als ich die Bilder und so viele freundliche Gesichter um mich herum gesehen habe.“ Das massiv anmutende Amtskreuz selbst sei „gar nicht so schwer“, sagte der 41-Jährige. Gleichzeitig stehe es symbolisch für die Verantwortung, die er künftig für die Kirche Jesu Christi in der Hansestadt trage. Besonders bewegt habe ihn das Gefühl, von vielen Menschen getragen zu werden – auch bereits während des Bewerbungsprozesses um das pröpstliche Amt.
Musikalisch hatte Oliver Erckens die Sendung selbst mitgestaltet. Einer der Titel, den er auswählte, war „New York, New York“ von Frank Sinatra – eine Erinnerung an die Erfahrungen aus seiner Zeit im Vikariat, nämlich eine zehntägige Reise nach New York City. „Wir haben dort Kirchen besucht und unter anderem Essen gekocht und an Bedürftige ausgeschenkt. Diese vielen Eindrücke haben mich sehr geprägt“, so Erckens.
Im Interview sprach der neue Propst auch über seinen persönlichen Lebensweg. Ursprünglich habe er Jura studiert, jedoch früh gespürt, „dass es das nicht ist“. Positive Erfahrungen mit Pastor:innen in Kindheit und Jugend sowie eine prägende Religionslehrerin hätten ihn schließlich dazu bewegt, Theologie zu studieren. Auch seine Begeisterung für IT kam zur Sprache. Die gehe, so Erckens, auf seine Großmutter zurück: „Sie hatte 1988 als Erste in unserer Familie einen Computer. Das hat mich fasziniert.“
Mit Blick auf die Kirche zeigte sich Erckens ermutigt von vielen jungen Menschen, die sich inzwischen auf allen Ebenen engagierten. Zugleich betonte er die besondere gesellschaftliche Verantwortung der Kirche in Lübeck. „Sie hat in der Stadt eine besondere Rolle“, sagte er. „Eine führende Rolle, wenn es darum geht, sich gegen Ausgrenzung, Hass und Gewalt zu positionieren.“
In den vier Wochen vor seiner Einführung hat er zudem seine Vorgängerin Petra Kallies begleitet. „Das war sehr wertvoll – quasi so was wie ein Mini-Vikariat“, sagte Erckens. Er wisse, dass das Amt des Propstes in Lübeck stark von repräsentativen Aufgaben geprägt sei. Besonders freue er sich jedoch darauf, Kirche auch nach innen zu gestalten. „Das Miteinander mit Menschen hat mich schon immer sehr gereizt.“
Mit Blick auf anstehende Veränderungen innerhalb der Kirche betonte Erckens die Bedeutung von Beteiligung und Transparenz. „Entscheidend ist, immer die Bedürfnisse der Menschen im Blick zu haben – auch bei Reformprozessen“, sagte er. „Letztlich sind es die Menschen an der Basis, die Veränderungen und Entscheidungen mittragen.“ Eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre sieht der neue Propst in der Zukunft kirchlicher Gebäude. Angesprochen auf Immobilienfragen und die Diskussionen um Trennungen von Gebäuden sagte Erckens: „Das wird die größte Herausforderung für die Kirche und mich werden.“
Im Original-Ton hören Sie einen Auszug aus dem Interview.

Propst Oliver Erckens gab Harald Denckmann ein ausführliches Interview. Foto: privat
Hier hören Sie den Originalton:
Text-Nummer: 179515 Autor: red. vom 16.05.2026 um 17.02 Uhr
