20 Jahre Strandbahnhof-Sanierung: Eine Flohmarkt-Halle für 2,3 Millionen Euro

Lübeck - Travemünde: „Nach einer 2,3 Millionen Euro teuren Neugestaltung wurde der Strandbahnhof am 23. Mai 2006 eröffnet, in dem sich jetzt historische Baukunst und moderne Architektur vereint haben“, schreibt die Hansestadt Lübeck auf ihrer Internetseite. „Im denkmalgerecht sanierten Gebäude steht den Fahrgästen eine behindertengerechte Toilette zur Verfügung.“ Tatsächlich dient das denkmalgeschützte Gebäude 20 Jahre nach der Millionensanierung in erster Linie als Flohmarkthalle.

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Vor der Sanierung: So sah die Bahnhofshalle am 04. Mai 2001 aus.

Schließfächer, eine große Bahnhofsuhr, ein Fahrplan-Aushang und viel Platz: Vor der großen Sanierung bot Travemündes Strandbahnhof einen eher trostlosen Anblick. Unwürdig eines denkmalgeschützten Gebäudes, das im Jahre 1911/1912 mit Elementen des Jugendstils errichtet wurde und für Zugreisende immer noch der „erste Eindruck“ vom Seebad ist.

Feierliche Eröffnung mit Schokoladenbrunnen
Es hatte dann schon etwas von Schlaraffenland an diesem 23. Mai des Jahres 2006: Dicht an dicht drängten sich fein herausgeputzte Gäste um einen sprudelnden Schokoladenbrunnen und ließen sich versüßte Früchte schmecken. Es gab Festansprachen und feierlich wurde eine riesige rote Schleife mit einer ebenso riesigen Schere durchschnitten. Aus der schnöden Bahnhofshalle mit Schließfächern war eine schmucke Passage mit Läden, echtem Wiener Café und einer modernen Tourist-Information geworden.

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Nach der Sanierung: So sah die Bahnhofshalle bei Wiedereröffnung am 23. Mai 2006 aus.

Schwarzer Schimmel an den Decken
Keine zehn Jahre später, das Jahr 2015 war noch jung, sorgte der Strandbahnhof dann wieder für Schlagzeilen. An den Decken der öffentlichen WCs war deutlich sichtbar schwarzer Schimmel entstanden. Was die Gastronomie in Bedrängnis brachte, die ihre Kunden eigentlich auf dieses Örtchen schicken sollte. In der Tourist-Information gab es außerdem Wasserflecken, die immer größer wurden. Und schon länger durchquerte man die Bahnhofshalle besser mit angehaltenem Atem, denn der Taubenkot sorgte oftmals für beißenden Gestank. Nach und nach verabschiedeten sich die Mieter aus dem Gebäude.

Bahnhof geht in Privatbesitz
Die Bahn schrieb ihr nun erneut heruntergekommenes Bahnhofsgebäude zur Versteigerung aus. Im Oktober 2015 ging es für 760.000 Euro in Privatbesitz über. Für einen Bruchteil der ursprünglichen Sanierungskosten. Nachdem zuletzt auch das Tourist-Büro die Segel gestrichen hatte, gibt es in und um die Halle regelmäßig Flohmarkt-Veranstaltungen. Außerdem einen Fahrradverleih im ehemaligen Bistro.

Auf dem Weg zu neuem Glanz?
Neben den städtischen Bahnhofs-Informationen auf www.luebeck.de wirbt auch die städtische Marketinggesellschaft auf www.travemuende-tourismus.de für den Strandbahnhof: „Der Strandbahnhof mit seinem markanten Uhrenturm und der historischen Wandelhalle ist seit Anfang 2016 in Privatbesitz und wird nun Schritt für Schritt zu altem Glanz geführt“, heißt es dort recht optimistisch.

Flohmarkt-Schnäppchen bestimmen das Bild
Heute ist der Strandbahnhof vor allem bei Flohmarkt-Fans beliebt. In und außerhalb der historischen Halle werden Kleiderstangen und Tische aufgebaut. Auf kleinen Handzetteln überall im Ort wird für die Veranstaltungen geworben. Die Stadt bemühte sich, so hieß es auf Stadtteilkonferenzen, um einen Ankauf des Gebäudes, doch der Eigentümer wollte laut Bürgermeister nicht verkaufen oder wollte zu viel Geld. So werden Flohmärkte wohl auch in Zukunft erst einmal das Bild rund um das historische Gebäude und damit den ersten Eindruck bahnreisender Touristen bestimmen. Die könne sich da immerhin mit günstigem Lesestoff für den Strandkorb eindecken …

Die Gegenwart: So sah die Bahnhofshalle am 10. März 2026 aus. Fotos: Helge Normann

Die Gegenwart: So sah die Bahnhofshalle am 10. März 2026 aus. Fotos: Helge Normann


Text-Nummer: 179621   Autor: Helge Normann   vom 22.05.2026 um 17.18 Uhr

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