Lübecker Knabenkantorei: Beförderung in den Konzertchor

Lübeck: Am Pfingstsonntag wurde vor einem gut gefüllten Kirchenschiff in St. Marien eine stattliche Anzahl von Nachwuch-Kantoristen feierlich in den Konzertchor der Lübecker Knabenkantorei (LKK) aufgenommen.

Knaben-Chorgesang gab es schon im 17. Jahrhundert an allen großen Kirchen Lübecks, in St. Marien waren es die Marienchorknaben, über die schon Franz Tunder und Dietrich Buxtehude verfügen konnten. Auch im 19. Jahrhundert sangen noch Knaben in den Kirchen – immerhin erwähnt Thomas Mann in „Buddenbrooks“ „Die Chorknaben von St. Marien“. Im 19. Jahrhundert sorgten das Aufblühen großer gemischter Chöre in Singakademien und Gesangsvereinen sowie die Entstehung von Musikvereinen für einen gewaltigen Umbruch in der Rezeption von Musik. Kammermusik- und Sinfoniekonzerte sowie große Opern erfreuten sich immer größerer Beliebtheit. Im 20. Jhdt. schließlich erschwerten Kriege, Nachkriegs- und Zwischenkriegswirren sowohl geistliche als auch weltliche musikalische Arbeit.

Im Jahr 1947 gründete Georg Goebel, damals Studienrat an der Oberschule Zum Dom (OzD) und Leiter des Chorvereins Lübeck, einen Lübecker Knabenchor an der OzD. Er gründete diesen Chor in einer schwierigen Zeit: Überall sah man Trümmerfelder, auch Dom, St. Petri und St. Marien schienen zerstört, es herrschte bittere Not, denn es mangelte an allem. An Nahrung, an Wohnraum, aber in der Bevölkerung wuchs auch ein Hunger nach Kultur und Kunst. Der neue Knabenchor hatte schon bald sehr viele Mitglieder, Gottesdienste in den notdürftig geflickten Kirchen oder den Kirchenräumen, die kaum beschädigt waren, wurden gut besucht. Anfangs bestand eine Anbindung des Knabenchores an den Dom, bis schließlich der spätere, langjährige Leiter Hansjürgen Wille den Knabenchor 1971 an die Marienkirche umsiedelte.

Heute gehört der Chor zu den Einrichtungen der Gemeinnützigen, heißt aber offiziell „Lübecker Knabenkantorei an St. Marien“. Die folgenden Leiter waren Michael D. Müller und Karl Hänsel.

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Merle Hillmer leitet die Knabenkantorei St. Marien. Foto: Kilian Homburg

Seit nun fast zwei Jahren steht die junge Merle Hillmer (29) vor den 60 Knaben und jungen Männern. Merle Hillmer ist Pastorentochter und kam so schon früh mit gottesdienstlichen Strukturen in Berührung. Zu einem Studium der Kirchenmusik gesellte sich ein Gesangsstudium, auch ein Auslandsjahr in Birmingham kann Merle Hillmer vorweisen, dort spielte sie Orgel, sang in Chören und war beeindruckt vom hohen Stellenwert, den kirchliches Chorsingen in England einnimmt. Merle Hillmer arbeitet sehr gerne mit jungen Menschen, und die Sänger mit ihr, das war am Pfingstsonntag in St. Marien deutlich zu spüren.

15 Sänger aus der Kantorei wurden feierlich in den Konzertchor aufgenommen, dazu traten die Sänger aus den Männerstimmen zu den „Neuen“ und kleideten sie ein, nämlich in den für die Kantoristen üblichen und stadtbekannten Talar: schwarz mit großem weißen Rundkragen. Alle Gruppen der LKK waren in diesem besonderen Gottesdienst auch einzeln zu hören: der Nachwuchschor, die Kantorei, der Konzertchor und der Männerchor. Alles in allem also ein beglückendes Erlebnis für alle.

Merle Hillmer wünscht sich: „Der Chor darf noch wachsen! Mitzubringen sind nur Freude am Singen und Musizieren. Jeder ist willkommen, auch wenn noch Töne daneben gehen. Eine Stimme kann sich entwickeln“, wirbt die Leiterin für ihren Knabenchor. Im besten Fall würden die Jungen merken, dass Singen Spaß macht und dabeibleiben. Jeder Junge hat zwei Probentage in der Woche und zusätzlich einmal Stimmbildung für 20 Minuten. Darüber hinaus trifft sich der Chor einmal im Monat für reine Freizeitaktivitäten, gemeinsame Aktionen und Freizeitfahrten. Wer Interesse hat, kann sich direkt an Merle Hillmer wenden unter hillmer@knabenkantorei.de oder an den Nachwuchschorleiter Christoph Westphal unter nachwuchs@knabenkantorei.de. Text: Svea Regine Feldhoff Fotos:

Die neuen Konzertchorsänger werden eingekleidet. Foto: Falk Lietzau

Die neuen Konzertchorsänger werden eingekleidet. Foto: Falk Lietzau


Text-Nummer: 179660   Autor: Svea Regine Feldhoff   vom 25.05.2026 um 08.50 Uhr

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