Marketing-Chef über Lebensfreude, Leichtigkeit und Gastfreundschaft

Lübeck: Vom 5. bis 7. Juni 2026 findet wieder das beliebte Hansekulturfestival statt. Die Innenstadtkirchen haben mit Christian Martin Lukas, dem Geschäftsführer der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM), über das aufblühende Leben, den inneren Aufbruch und natürlich das Hansekulturfestival gesprochen.

Lieber Herr Lukas, wie erleben Sie diesen besonderen Monat des „blühenden Lebens“? Ist es vielleicht sogar kein Zufall, dass das Hansekulturfestival immer im Juni stattfindet?

Christian Martin Lukas: Der Juni hat in Lübeck wirklich etwas Magisches. Die Stadt zeigt sich von ihrer schönsten Seite, das Licht ist weich, die Hinterhöfe und Gassen der Altstadt blühen auf, und man spürt überall diese leise Aufbruchsstimmung – als würde die ganze Hansestadt einmal tief durchatmen. Insofern ist der Termin tatsächlich kein Zufall. Wir wollen das Hansekulturfestival genau dann feiern, wenn die Menschen Lust auf draußen, auf Begegnung und auf Leichtigkeit haben. Lange Tage, milde Abende, alle Türen und Fenster offen – das passt einfach perfekt zu dem, wofür unser Festival steht.

Was genießen Sie persönlich am meisten am Hansekulturfestival?

Christian Martin Lukas: Ehrlich gesagt: die Momente, in denen man merkt, wie sehr die Lübecker ihr Festival selbst in die Hand nehmen. Wenn die Anwohner ihre Tafeln auf die Straße stellen, Vereine ihre Türen öffnen, Musiker in einem Hinterhof spielen, den man sonst nie zu sehen bekommt – das ist für uns der Kern. 2026 sind wir zurück im Seefahrerviertel rund um St. Jakobi, dort, wo 2016 alles begann. Das Viertel mit seinen verwinkelten Gängen, den Höfen und der Nähe zum Hansahafen ist eine ideale Kulisse. Unser Tipp ist immer derselbe: einfach treiben lassen, nicht zu viel planen. Die schönsten Begegnungen findet man nicht im Programmheft.

Das Festival überrascht immer wieder mit neuen Ideen und kreativen Formaten. Gehen Ihnen
und Ihrem Team eigentlich manchmal die Ideen aus?

Christian Martin Lukas: (lacht) Die Sorge hätten wir auch fast gehabt – aber ehrlich: nein, ganz im Gegenteil. Das liegt vor allem daran, dass wir die Ideen nicht alleine erfinden. Jedes Quartier bringt seinen eigenen Charakter mit: 2018 die Nähe zur Aegidienkirche, 2022 das Dom-Viertel, 2024 das Gründungsviertel, jetzt 2026 das Seefahrerviertel. Jede Ecke erzählt ihre eigene Geschichte, und die Menschen, die dort leben und arbeiten, bringen ihre Ideen mit ein. Wir verstehen uns eher als Gastgeber, die einen Rahmen schaffen – das Füllen übernimmt die Stadtgemeinschaft. Solange wir auf gut 900 Jahre Lübecker Geschichte zurückgreifen können und auf die Kreativität von Lübeckern, Vereinen, Kulturschaffenden und Gastronomen, mache ich mir keine Sorgen.

Wie lange dauert die Vorbereitung des Hansekulturfestivals eigentlich – und wie viele Menschen sind daran beteiligt?

Christian Martin Lukas: Im Grunde hört die Vorbereitung nie ganz auf. Direkt nach einem Festival schauen wir, was gut funktioniert hat und was wir anders machen wollen. Die konkrete Planung für das jeweils nächste Jahr läuft dann rund zwei Jahre – mit Quartiersauswahl, Anwohnertreffen, Gesprächen mit Vereinen, Kulturschaffenden, Einzelhandel und Gastronomie. Das Kernteam der LTM ist überschaubar, aber drumherum entsteht ein großes Netzwerk: Straßengemeinschaften, Künstler, ehrenamtlich Engagierte, Sicherheits- und Technikpartner sowie die Hansestadt selbst. Am Ende sind in der Festivalwoche schnell mehrere hundert Menschen aktiv beteiligt – und das ist auch der Punkt: Das Hansekulturfestival ist kein Produkt, das wir über das Viertel stülpen, sondern eines, das gemeinsam entsteht.

Wenn man derzeit auf die Welt blickt, begegnen einem viele Krisen und Unsicherheiten. Können Veranstaltungen wie das Hansekulturfestival dabei helfen, Zuversicht und Gemeinschaft zu stärken?

Christian Martin Lukas: Wir sind davon überzeugt, ja. Lübeck steht seit fast 900 Jahren für ein Versprechen, das am Holstentor in goldenen Buchstaben steht: „Concordia domi foris pax“ – Eintracht innen, Friede draußen. Das ist keine Phrase, sondern eine Haltung, die wir hier wirklich leben. Ein Festival wie unseres trägt dazu bei, weil es genau das tut: Es bringt Menschen zusammen, über Generationen, Herkünfte und Lebensentwürfe hinweg. Man steht im Hinterhof neben Nachbarn, die man vorher nicht kannte, hört Musik, redet, lacht. Das ersetzt keine politische Lösung – aber es erinnert daran, dass Gemeinschaft entsteht, wenn man einander begegnet. Und Zuversicht beginnt häufig genau dort: im konkreten, freundlichen Miteinander vor der eigenen Haustür.

Und ganz persönlich gefragt: Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern für ein lebensfrohes und erfülltes Leben mitgeben – aus Ihrem eigenen Schatz an Erfahrungen?

Christian Martin Lukas: Drei kleine Dinge, wenn ich darf. Erstens: Achtet auf die Menschen um euch herum. Wir alle können Gastgeber sein – im eigenen Haus, in der Nachbarschaft, im Job. Ein freundlicher Gruß, ein offenes Ohr, ein eingedeckter Tisch bewirkt oft mehr als wir denken. Zweitens: Lasst euch überraschen. Nicht jeder Tag muss durchgeplant sein. Die schönsten Momente entstehen meistens dort, wo wir uns Zeit zum Treibenlassen erlauben. Und drittens: Bleibt neugierig auf das, was direkt vor der eigenen Tür liegt. Man muss nicht weit reisen, um Schönes zu erleben – manchmal reicht es, am Samstagmorgen einmal eine Straße weiterzugehen als sonst. In diesem Sinne: freudig gelassen bleiben. Das ist sehr lübsch – und tut gut.

Das Interview führte Steffi Niemann.

Christian Martin Lukas spricht im Interview über das aufblühende Leben, den inneren Aufbruch und natürlich das Hansekulturfestival. Foto: LTM

Christian Martin Lukas spricht im Interview über das aufblühende Leben, den inneren Aufbruch und natürlich das Hansekulturfestival. Foto: LTM


Text-Nummer: 179676   Autor: KKLL/red.   vom 04.06.2026 um 10.42 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Trident

schrieb am 04.06.2026 um 19.14 Uhr:
Es gab noch nie eine Veranstaltung der LTM, für die Herr Lukas nicht mindestens mit Worten wie „wunderschön“ perseverierte. Ist die Lebensqualität in Lübeck und Travemünde wirklich für die Einwohner z.B. „wunderschön“?
Die meisten „atmen durch“ -und nicht nur einmal!- , wenn die Veranstaltungen vorbei sind!

Manfred Vandersee

schrieb am 05.06.2026 um 01.31 Uhr:
Lasst Lübeck doch seine letzten Veranstaltungen; alle beide;)