Rennstrecke statt Gehweg: Angst an der Ivendorfer Landstraße

Lübeck - Travemünde: Idyllisch durch eine Baumreihe von der Straße getrennt, mit guter Asphaltdecke und abschüssiger Strecke: Radfahrer machen gern Tempo an der Ivendorfer Landstraße. Mit schwerem E-Bike ist da dank Akku-Unterstützung ein ordentliches Tempo erreichbar. Allerdings sind die Pedalritter nicht die einzigen Nutzer: Es handelt sich um einen gemeinsamen Geh- und Radweg. Und die Fußgänger bekommen es manchmal mit der Angst. Einer hat nach einer Lösung gefragt. Die Stadt wiegelt ab.

Bild ergänzt Text

Fußgänger, Radfahrer, Senioren mit Einkaufs-Shoppern, E-Rollerfahrer und Gassi-Geher teilen sich den recht breiten Asphaltweg. Das ging auch lange gut, doch mit der Pandemie wurde Radfahren immer beliebter und der Trend riss nicht ab. „Der geteilte Fußgänger- und Fahrradweg Ivendorfer Landstraße ist für Passanten im Sommer kaum begehbar. Der Fahrradverkehr ist dort gestiegen“, meinte denn auch ein Bürger auf der Stadtteilkonferenz und bat um eine Lösung.

Verwaltung: „Gegenseitige Rücksichtnahme ist geboten“
„Der gemeinsame Geh- und Radweg entlang der Ivendorfer Straße ist eine attraktive Strecke für den Fuß- und Radverkehr, insbesondere für Tagesausflüge im Sommer“, heißt es auch in der Antwort der Stadt. „Dort ist gegenseitige Rücksichtnahme geboten.“ Der Weg sei im landesweiten Radverkehrsnetz enthalten und „als Route mit erster Priorität“ im neuen Radverkehrskonzept angedacht. „Wird das neue Radverkehrskonzept beschlossen, würde die Strecke für den Fuß- und den Radverkehr entsprechend ausgebaut werden“.

Radfahrer müssen den Weg nutzen
Laut Beschilderung gibt es für Radfahrer eine Benutzungspflicht des Weges, sie dürfen nicht auf die Straße ausweichen. Woran sich die meisten halten. Es gibt auch keine Richtungsvorgabe, alle Verkehrsteilnehmer können aus allen Richtungen kommen. Fußgänger haben im Zweifel Priorität. Die gebotene Rücksichtnahme erstreckt sich aber meist darauf, dass immerhin warnend geklingelt wird. Oft aber auch nicht. So sieht man immer wieder, dass Fußgänger sich laufend umdrehen, um abschätzen zu können, aus welcher Richtung jetzt wieder ein Elektromotorisiertes Zweirad angeschossen kommt. Hundeleute halten die Leine kurz, damit der Fiffi nicht in die Speichen gerät.

Stadt: Fußgänger können über den Panoramaweg ausweichen
Die Verwaltung verweist darauf, dass Fußgänger „als Alternativstrecke den südlich gelegenen Wanderweg über die Bodenskulptur im Bereich Ivendorf nutzen“ könnten. Der sogenannte „Panoramaweg“ ist allerdings ein Schutzwall gegen Hafenlärm und deckt die eigentliche „Rennstecke“ zwischen Ostseestraße und Teutendorfer Weg gar nicht ab. So bleibt Fußgängern nur, den Fußweg zu meiden, wenn er ihnen zu gefährlich erscheint. Und auf das Radverkehrskonzept zu warten.

Radverkehrskonzept in Arbeit
Wie weit denn die Radwegeplanung in Travemünde sei, wollte ein anderer Bürger wissen. „Im Rahmen der Neuaufstellung des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) für das gesamte Stadtgebiet Lübeck wird aktuell auch ein neues Radverkehrskonzept erarbeitet“, bestätigt die Verwaltung. In diesem Verkehrsentwicklungskonzept werde das Mobilitätskonzept Travemünde mitberücksichtigt. „Der Verkehrsentwicklungsplan wird der Öffentlichkeit vorgestellt werden“, avisiert die Verwaltung, ohne auf die Frage nach dem Sachstand wirklich einzugehen oder gar ein Datum zu nennen. Stattdessen heißt es nur: „Des Weiteren wird hier auf das seit 2019 vorliegende Mobilitätskonzept Travemünde verwiesen.“ Das hilft den Fußgängern im Jahre 2026 allerdings wenig.

Die Idylle trügt: Die vielen schnellen Radfahrer an der Ivendorfer Landstraße machen so manchen Fußgänger nervös. Fotos: Helge Normann

Die Idylle trügt: Die vielen schnellen Radfahrer an der Ivendorfer Landstraße machen so manchen Fußgänger nervös. Fotos: Helge Normann


Text-Nummer: 179694   Autor: Helge Normann   vom 26.05.2026 um 22.35 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf X (Twitter) +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.