Ausstellung in St. Marien: Geknebelter Geist

Lübeck - Innenstadt: St. Marien und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt eröffnen am Montag, 1. Juni 2026, um 17 Uhr in St. Marien die Ausstellung "Geknebelter Geist – Politische Überwachung und Verfolgung an der Rostocker Universität 1945 bis 1989/90".

Die hybride Ausstellung zeigt, wie die sowjetische Besatzungsmacht und SED zwischen 1945 und 1989/90 auch die Universität Rostock ihrer Diktatur unterwarfen, welche Methoden sie anwandten, welchen Widerstand es gab, welche Folgen das für Mitarbeitende und Studierende nach sich zog und wie sich das auf Forschung, Lehre und Freiheit auswirkte. Andersdenkende wurden unter Druck gesetzt, exmatrikuliert, in ihren Karrieren behindert, zur Flucht oder in den Suizid getrieben, ins Gefängnis gebracht und sogar erschossen. Die Ausstellung mahnt, welche Folgen fehlende Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit haben.

Die Ausstellung umfasst 23 Aufsteller (1,50 Meter breit, 2,25 Meter hoch), Schirmherr der Ausstellung ist Bundespräsident a.D. Dr. Joachim Gauck. Das Autorenteam bildeten Dr. phil. Michael Heinz, Dr. phil. Volker Höffer, Prof. Dr. phil. habil. Kersten Krüger, Prof. Dr. theol. habil Herrmann Michael Niemann, Dr. rer. nat. Wolf Peters und Dr. med. Peter Uebachs.

Ein zentrales Thema ist die Einflussnahme des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf die Theologische Fakultät in der DDR. Eine der Tafeln widmet sich explizit der Überwachung und Zersetzung der Evangelischen sowie der Katholischen Studierendengemeinde an der Universität Rostock.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Leben und Wirken von Peter Heidrich – Hochschullehrer, Theologe, Religions- und Sprachwissenschaftler an den Universitäten Rostock und Greifswald. Viele Jahre war er auch an der Hochschule für Musik und Theater Rostock als Philosoph, Dramaturg und Seelsorger tätig. Heidrich, ein überregional bekannter, systemkritischer Theologe der DDR, wurde erst nach der Wende 1990 zum Professor berufen. 1993 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1996 wurde er emeritiert.

Trotz der Existenz einer Universitätskirche in Rostock finden die Immatrikulationsfeiern traditionell – und auch nach der Wende wieder – in der Kirche St. Marien statt. Diese Wahl unterstreicht die historische und kulturelle Bedeutung der St.-Marien-Kirchen. Die enge Verbindung zwischen St. Marien in Rostock und St. Marien in Lübeck zeigt sich auf vielfältige Weise – beide Kirchen sind religiöse wie kulturelle Zentren mit großer gesellschaftlicher Relevanz.

Gerade deshalb ist St. Marien zu Lübeck ein besonders geeigneter Ort für diese Ausstellung: Sie bietet nicht nur ausreichend Raum für die großformatigen Tafeln, sondern auch einen würdigen Rahmen für die Auseinandersetzung mit kirchlicher Zeitgeschichte, wissenschaftlicher Integrität und geistiger Zivilcourage in der DDR.

Die Ausstellung in St. Marien wird am Montag eröffnet. Foto: Veranstalter

Die Ausstellung in St. Marien wird am Montag eröffnet. Foto: Veranstalter


Text-Nummer: 179774   Autor: Veranstalter/red.   vom 31.05.2026 um 10.02 Uhr

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