Uni Lübeck: Herzpflaster zeigt klinische Wirkung
Lübeck: Forschern des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist ein wichtiger Fortschritt bei der Behandlung schwerer Herzschwäche gelungen: Erstmals konnte in einer klinischen Studie gezeigt werden, dass im Labor gezüchtetes Herzmuskelgewebe die Pumpfunktion geschädigter Herzen verbessern kann. Patienten, die als Probanden an der Studie teilnahmen, sprechen von einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität.Eine schwere Herzschwäche entsteht häufig infolge eines Herzinfarktes. Bislang blieben trotz moderner Medikamente oft nur Herztransplantationen oder mechanische Herzunterstützungssysteme als letzte Behandlungsmöglichkeiten – beides schwere chirurgische Eingriffe mit hohem Risiko. Der Einsatz eines sogenannten Herzpflasters ist deutlich weniger invasiv und zeigte in der Studie mit 20 Patientinnen und Patienten nun signifikante Behandlungserfolge.
Bei einem Herzpflaster werden im Labor Stammzellen genutzt, um daraus schlagendes Herzgewebe zu züchten. Das Herzpflaster wird dann auf die Außenseite des geschädigten Herzens genäht, um dort eine neue Herzmuskelschicht zu bilden. Diese soll die geschwächte Herzmuskulatur stabilisieren und langfristig unterstützen.
In der ersten Phase der Studie wurde die höchstmögliche Dosis von 800 Millionen Herzzellen identifiziert, die sicher transplantiert werden kann. Jetzt zeigt die Auswertung der ersten 16 Personen, die die höchste sichere Dosis erhalten hatten, dass drei Monate nach der Behandlung eine Verdickung der geschädigten Herzwand eintrat. Zudem verbesserte sich die Pumpfunktion des Herzens, und die Patientinnen und Patienten berichteten über eine bessere Lebensqualität. Auch in der mittlerweile mehr als vierjährigen Nachbeobachtung der behandelten Patienten zeigten sich erste Hinweise auf eine anhaltende Verbesserung der Herzfunktion.
„Nach vielen Jahren der Forschung konnten wir jetzt erstmals zeigen, dass sich aus Stammzellen gezüchtetes Herzmuskelgewebe sicher bei Patienten einsetzen lässt“, sagte der chirurgische Studienleiter Prof. Dr. Stephan Ensminger, einer der Leiter des Universitären Herzzentrums Lübeck am UKSH und Direktor der Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie am UKSH, Campus Lübeck.
Bereits vor zwei Jahren haben UMG und UKSH erfolgreich die vorklinischen Daten zum "Herzpflaster" publiziert. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse gehen deutlich darüber hinaus: Nun liegen erstmals systematische klinische Daten aus einer größeren Patientengruppe vor.
Ein Patient aus der Kohorte ist der 56-jährige Mario Reschke, dem am UKSH, Campus Lübeck, das Herzpflaster eingesetzt wurde. Er erlitt vor siebzehneinhalb Jahren einen Herzinfarkt, seine Herzleistung blieb anschließend trotz Reha, Medikamenten und dem Einsatz eines Defibrillators äußerst schwach und lag bei 20 bis 22 Prozent. „Der Einschnitt war sehr gravierend und meine Lebensqualität erheblich geschmälert. Insgesamt viermal musste mich der eingesetzte Defibrillator ins Leben zurückholen“, sagt Reschke.
Die mehrstündige Operation für das Einsetzen des Herzpflasters hat Reschke gut überstanden. Nach rund zwei Wochen im Herzzentrum des UKSH am Campus Lübeck konnte er wieder nach Hause. Seine Herzleistung ist mittlerweile angestiegen. „Ich habe gemerkt, dass es mit meiner Leistungsfähigkeit rapide bergab ging. Als ich dann im vergangenen Jahr von der Möglichkeit des Herzpflasters gehört habe, war dies ein Hoffnungsträger, den ich sofort ergriffen habe. Jetzt, knapp sechs Monate nach der Operation, habe ich wieder Lebensqualität und Lichtblicke in alltäglichen Momenten, was mich positiv nach vorn schauen lässt.“

Ein Herzpflaster wird für die Operation vorbereitet. Foto: UKSH
Text-Nummer: 179776 Autor: UKSH/red. vom 31.05.2026 um 13.16 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Klausi
schrieb am 01.06.2026 um 08.19 Uhr:
So wie es sich für mich anhört, ist das Präparat ebenso zur *Verstärkung der Pumpkraft* , wie das gute alte Strophantin.
Was man vom Markt genommen hat.
Pedi
schrieb am 01.06.2026 um 09.17 Uhr:
Das sind wirklich gute Nachrichten, ich wünsche dem Hr. Reschke weiterhin alles Gute.
Und das der Erfolg den Forschern weiterhin Recht gibt.
@ Klausi Strophanthin ist ein historisches Herzglykosid, das aus afrikanischen Hundsgiftgewächsen gewonnen wird. Während es früher bei Herzschwäche eingesetzt wurde, ist es heute in der evidenzbasierten Schulmedizin aufgrund unvorhersehbarer Wirkungen und besserer Alternativen bedeutungslos