Ausstellung über Helmut Schmidt in Lübeck eröffnet

Lübeck - Innenstadt: Mit einer gut besuchten Vernissage in der Galerie Koch-Westenhoff in der Lübecker Hüxstraße wurde am Donnerstagabend die Ausstellung „Mut zur Zukunft, Demokratie bewahren“ zum 10. Todestag von Helmut Schmidt eröffnet.

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Die Ausstellung ist Teil einer deutschlandweiten Tournee, die am 9. November 2025 durch den ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil in Celle eröffnet wurde. Seit dem Auftakt der Tournee in Nortorf am 28. April 2026 macht die Ausstellung bundesweit Station und ist nun in Lübeck zu sehen.

Eröffnet wurde die Ausstellung durch Dr. Ulf Kämpfer, Landesvorsitzender der SPD Schleswig-Holstein und Spitzenkandidat seiner Partei zur kommenden Landtagswahl.

Zu Beginn des Abends begrüßte Kurator Jörg „Jaguar“ Baumann die Gäste und führte mit einem eigens verfassten Poetry-Slam-Text in die Ausstellung ein. Darin zeichnete er Helmut Schmidt nicht als Denkmal oder politische Ikone, sondern als vielschichtige Persönlichkeit zwischen Verantwortung, Zweifel, Pragmatismus und Vision. Das Bild des „desillusionierten Träumers“ wurde dabei zu einem zentralen Motiv des Abends.

In seiner anschließenden Rede wählte Kämpfer bewusst keinen klassischen politischen Rückblick auf den früheren Bundeskanzler. Stattdessen näherte er sich Helmut Schmidt anhand persönlicher Erinnerungen und vier biografischer Wegmarken. Ausgangspunkt war für ihn der 1. Oktober 1982 – der Tag des konstruktiven Misstrauensvotums gegen Schmidt. Für den damals zehnjährigen Kämpfer markierte dieser Moment den Beginn seines politischen Bewusstseins. Besonders beeindruckt habe ihn rückblickend nicht der Staatsmann in seiner Stärke, sondern die Erfahrung von Ohnmacht und Verletzlichkeit, die Schmidt nach seinem Sturz aus dem Amt zeigte.

Eine weitere prägende Begegnung war für Kämpfer die Rede Schmidts zum 40. Jahrestag der Reichspogromnacht am 9. November 1978. Er würdigte die damals ungewöhnliche Bereitschaft des Bundeskanzlers, sich mit deutscher Schuld, Verantwortung und Erinnerungskultur auseinanderzusetzen. Diese Rede zeige einen nachdenklichen, empathischen und intellektuellen Helmut Schmidt, der oft hinter dem Bild des nüchternen Krisenmanagers zurücktrete.

Auch Schmidts jahrzehntelange Tätigkeit als Herausgeber der ZEIT spielte in der Rede eine zentrale Rolle. Kämpfer schilderte, wie die Texte Schmidts ihn als jungen politisch interessierten Menschen geprägt hätten. Besonders reizvoll sei gewesen, dass Schmidt sich einfachen ideologischen Zuordnungen entzog. Seine Texte hätten zum Denken angeregt, Widerspruch provoziert und gezeigt, dass politische Urteilsfähigkeit mehr verlange als das Wiederholen vertrauter Positionen.

Einen besonders persönlichen Eindruck hinterließ schließlich Kämpfers Erinnerung an den Staatsakt für Helmut Schmidt im Hamburger Michel im November 2015. Die Mischung aus hanseatischer Nüchternheit, persönlicher Trauer und kultureller Tiefe habe deutlich gemacht, dass Schmidt weit mehr gewesen sei als der „Macher“ der Krisenjahre. Dabei griff Kämpfer auch das zuvor von Baumann gezeichnete Bild des „desillusionierten Träumers“ auf und stellte heraus, wie sich bei Schmidt Rationalität und Empfindsamkeit miteinander verbanden.

Mit Blick auf die Gegenwart fragte Kämpfer, welche Antworten Helmut Schmidt wohl auf Herausforderungen wie den Krieg in der Ukraine, den Brexit, Donald Trump oder den Aufstieg rechtspopulistischer Bewegungen gegeben hätte. Sicher sei, so Kämpfer, dass Schmidt nicht für einfache Lösungen gestanden hätte. Seine politische Bedeutung liege bis heute auch darin, dass er Vertrauen in Demokratie verkörperte – durch Kompetenz, Glaubwürdigkeit und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge in einer klaren Sprache zu vermitteln.

Die Ausstellung zeigt unterschiedliche künstlerische Zugänge zu Persönlichkeit, Wirken und Vermächtnis Helmut Schmidts. Beteiligt sind Adina Andres, Hans-Werner Milde, Heike Schmidt, Hans Jürgen Weber, Vera Volta, Gunter Thomaschek, die Künstlergruppe Schrägetypen sowie Joachim Weigt. Ihre Arbeiten reichen von klassischer Malerei über zeitgenössische Interpretationen bis hin zu experimentellen Positionen und eröffnen vielfältige Perspektiven auf die Person Helmut Schmidt und die Frage, welche Bedeutung demokratische Haltung heute besitzt.

Gerade diese Vielfalt macht den besonderen Reiz der Ausstellung aus. Sie erinnert nicht nur an einen der prägenden Politiker der Bundesrepublik Deutschland, sondern lädt dazu ein, über Verantwortung, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Gegenwart nachzudenken.

Die Ausstellung „Mut zur Zukunft, Demokratie bewahren“ ist noch bis zum 13. Juni 2026 in den Räumen der Galerie Koch-Westenhoff in der Hüxstraße zu sehen. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist die Galerie dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr sowie sonnabends von 11 bis 14 Uhr.

Die Ausstellung verbindet Erinnerungskultur, politische Bildung und zeitgenössische Kunst auf besondere Weise – und zeigt, dass die Fragen, die Helmut Schmidt bewegten, auch zehn Jahre nach seinem Tod nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Der Landesvorsitzende der SPD, Dr. Ulf Kämpfer (rechts), eröffnete die Ausstellung. Fotos: Veranstalter

Der Landesvorsitzende der SPD, Dr. Ulf Kämpfer (rechts), eröffnete die Ausstellung. Fotos: Veranstalter


Text-Nummer: 179795   Autor: Enrico Kreft/SPD   vom 01.06.2026 um 08.57 Uhr

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