Initiative drängt auf Lösung für inklusiven Ganztag
Schleswig-Holstein: Vor Beginn der Sommerferien fordert die „Initiative Inklusion Schleswig-Holstein“ die Landesregierung erneut auf, „endlich eine verbindliche Lösung für die Teilhabe von Kindern mit Behinderung am schulischen Ganztag vorzulegen“, so die Initiative in einer Mitteilung. Die Landesregierung müsse deutlich machen, dass Inklusion nicht an Verwaltungs- und Zuständigkeitsfragen scheitern dürfe.Die Initiative schreibt dazu: („) Hintergrund ist die Umsetzung des bundesweiten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen ab dem Schuljahr 2026/27. Nach Ansicht der Initiative droht dieser Anspruch für viele Kinder mit Behinderung jedoch in der Praxis zu scheitern, solange die Finanzierung und Zuständigkeit für notwendige Assistenz und Schulbegleitung ungeklärt bleiben.
Bereits Anfang März hatte sich die Initiative mit einem offenen Brief an Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke und Sozialministerin Aminata Touré gewandt.
Kern des Konflikts sind unterschiedliche Rechtsauffassungen der Ministerien. Während das Bildungsministerium den Ganztag als Teil schulischer Bildung betrachtet, wird die notwendige Unterstützung am Nachmittag vom Sozialministerium teilweise der sozialen Teilhabe zugeordnet. Damit drohen zusätzliche Antragsverfahren, Einkommens- und Vermögensprüfungen sowie finanzielle Belastungen für Familien.
Die Initiative hält diese Trennung für lebensfremd. Kinder mit Behinderung benötigten Unterstützung nicht nur im Unterricht, sondern auch beim Mittagessen, in offenen Angeboten oder beim sozialen Miteinander am Nachmittag. Der Ganztag sei ein gemeinsamer Lern- und Lebensort und keine künstliche Trennung zwischen Bildung und Freizeit.
In einem Gespräch Ende März sei von Seiten der Ministerien zugesagt worden, zeitnah eine Lösung für die unterschiedlichen Rechtsauffassungen zu finden und die Teilhabe aller Kinder am Ganztag sicherzustellen. Bis heute gebe es jedoch keine konkreten Informationen und keine Rechtssicherheit für Familien, Schulen oder Träger.
„Für viele Familien bedeutet das weiterhin Unsicherheit, Planungschaos und die reale Gefahr, dass Kinder mit Behinderung nach den Sommerferien erneut vom Ganztag ausgeschlossen werden oder nur eingeschränkt teilnehmen können“, erklärt Mascha Benecke-Benbouabdellah, Co-Sprecherin der Initiative. „Inklusion darf nicht an Zuständigkeitsdebatten oder unterschiedlichen Rechtsauffassungen scheitern. Das Land muss jetzt endlich handeln und eine verbindliche Lösung schaffen. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren!“
Nach Angaben der Initiative erhalten viele Eltern derzeit von den zuständigen Eingliederungshilfen die Rückmeldung, dass Anträge auf Schulbegleitung möglicherweise nicht mehr rechtzeitig zum neuen Schuljahr bearbeitet werden können. Grund seien die unklare Rechtslage, aufwendige Prüfverfahren und bereits stark belastete Verwaltungen.
Die Initiative fordert deshalb eine schnelle, landesweit verbindliche Regelung zur Finanzierung und Zuständigkeit von Assistenz und Schulbegleitung im Ganztag. Familien, Schulen und Träger bräuchten noch vor Beginn des neuen Schuljahres endlich Klarheit und Rechtssicherheit. Zugleich müsse die Landesregierung deutlich machen, dass Inklusion nicht an Verwaltungs- und Zuständigkeitsfragen scheitern dürfe.
Die Initiative appelliert an die Landesregierung, die angekündigte Lösung jetzt vorzulegen und Familien endlich Planungssicherheit zu geben. („)

Die Initiative Inklusion Schleswig-Holstein fordert „endlich Lösung für inklusiven Ganztag“. Foto: Archiv
Text-Nummer: 179801 Autor: Initiative/red. vom 02.06.2026 um 09.32 Uhr
