Mehr als nur Schauspiel: Wie Theater den Wechsel in die Schule erleichtert
Lübeck - Moisling: „Wege ins Theater“ heißt ein Projekt des „jungen schauspiels lübeck“ mit der Evangelisch-Lutherischen Kindertagesstätte „Irgendwie Anders“ und der Heinrich-Mann-Schule in Moisling. Es wird gefördert von „Kulturmacht stark“, einem Programm des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
Einmal pro Woche ist die angehende Theaterpädagogin Katy Paulsberg zu Gast in der Kita. Unterstützt von einer Fachkraft im Rahmen des Landesprogramms Perspektiv-Kitas arbeitet sie mit den zehn Schulminis der Einrichtung. Es geht viel um das Thema Gefühle. „Ich bin heute glücklich, weil vielleicht ein Freund zu Besuch kommt“ – „Ich bin heute Freude, weil Theater macht Spaß“: So formulieren die fünf- und sechsjährigen Kinder, was sie auf sogenannten Gefühlskarten erkennen und was sie davon in sich wiederfinden. Auf den Karten sind Monster abgebildet, die unterschiedliche Emotionen ausdrücken. Katy Paulsberg hat sie in die Mitte eines Sitzkreises gelegt.
„Wie bewegen sich denn die Gefühlsmonster in unserem Körper?“, fragt sie die Kinder. Dann geht die Gruppe im Raum umher, mal wie ein „stolzer Gorilla“, mal ganz zappelig vor Aufregung, weil alle bald in die Schule kommen. Auch das Gefühl Wut bekommt einen Raum, bis die Kinder diese wieder abschütteln.
Durch Übungen wie diese lernen die Kinder, sich auszudrücken. „Das Theaterprojekt hilft den angehenden Schulkindern dabei, sich zu überwinden, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, Gefühle bei sich und anderen wahrzunehmen“, erklärt Kita-Leiterin Jenniffer Wiese. „Wir wollen damit den Übergang von Kita zu Schule so gut wie möglich gestalten. Auch gemeinsame Einheiten unserer Kita-Kinder mit den Grundschulkindern des Offenen Ganztagsangebots der Heinrich-Mann-Schule sind geplant. Im Juni führen die Kinder zum Abschluss auch etwas vor den Eltern auf.“
Das Team bemerke bereits eine Veränderung bei den Kindern: „Im Kita-Alltag spielen die Kinder auf einmal Geschichten nach, lassen mehr Gefühle raus“, so Jenniffer Wiese. „Das ist sehr schön zu erleben.“ Das Projekt führt die Kinder auch erstmals an das Theater heran. Gemeinsam mit einer anderen Kita und zwei Schulklassen haben die Kinder kürzlich im Haus Eden die erste geschlossene Premiere des Stücks „Freunde“ nach dem Bilderbuch von Helme Heine erlebt, mit dem das „junge schauspiel lübeck“ aktuell zu sehen ist (zu einer weiteren Aufführung lädt das Familienzentrum Dreifaltigkeit am 5. Juni um 15.30 Uhr im Quartiershaus Middenmang in Kücknitz ein (Infos: www.kitawerk.de).
Das Team des „jungen schauspiels lübeck“, das von zahlreichen Stiftungen sowie der Hansestadt Lübeck und dem Land gefördert wird, ist pädagogisch ausgerichtet und setzt sich mit der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen auseinander. Dazu die pädagogische Leiterin Katja Leistert: „Gemeinsam ein Theaterstück zu sehen, eröffnet die Möglichkeit, sich in einer Gemeinschaft zu freuen, gemeinsam zu lachen, zu weinen und sich über Themen auszutauschen. Die unmittelbare Reaktion und die Meinung der Kinder und Jugendlichen sind uns enorm wichtig, da sie die Expertinnen und Experten für die Inhalte der Stücke sind. Daher bieten wir zusätzlich sehr niedrigschwellig Spielclubs in Schulen und Kitas an, um auch hier mit dem jungen Publikum in den direkten Kontakt und Austausch zu kommen.“
Die „Kita Irgendwie Anders“ in Moisling ist seit März 2025 eine von fünf anerkannten Perspektiv-Kitas in Lübeck mit den Schwerpunkten Kooperation mit der Schule, sprachliche Bildung und Stärkung der Familien.

Gefühlsmonster im Sitzkreis: Lübecker Kita-Kinder lernen spielend für das Leben. Foto: Diakonie
Text-Nummer: 179816 Autor: Diakonie/red. vom 02.06.2026 um 16.47 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Micha
schrieb am 03.06.2026 um 10.11 Uhr:
Moin,
bei Einwirkung von außen auf Kitas, gehen mir die Nackenhaare hoch!!