Weltliteratur-Wetterschutz: Ratten haben Travemündes Seetempel untergraben
Lübeck - Travemünde: Archiv - 10.06.2026, 17.03 Uhr: Wer sich bei einem Schauer im reetgedeckten „Seetempel“ unterstellt, bleibt nicht nur trocken, sondern spürt unter Umständen auch den Hauch der Weltliteratur: Denn hier spazierte, jedenfalls in Thomas Manns berühmtem Roman, einst Tony Buddenbrook mit ihrem Verehrer Morten Schwarzkopf entlang. Doch seit einiger Zeit verwehrt rot-weißes Flatterband den Zugang zur Kulturstätte. Grund sind Reparaturarbeiten: Ratten und Mäuse haben den Seetempel untergraben.
Der echte Seetempel wurde im Jahr 1839 gebaut und stürzte bei einer Sturmflut im Jahre 1872 ins Meer. Als 1901 Thomas Manns „Buddenbrooks“ erschien, existierte der Unterstand daher schon lange nur noch als Abbildung auf einem alten Stich. Der Autor selbst hat das Original nie zu Gesicht bekommen.
Heimatverein baut Seetempel wieder auf
Rund 152 Jahre nachdem er den Naturgewalten zum Opfer fiel, hat der Heimatverein Travemünde als Initiator den Seetempel wiederauferstehen lassen (wir berichteten). Die Rekonstruktion übernahm die Lübecker Jugendbauhütte. Um den Unterhalt kümmert sich die Kurverwaltung, die auch eine Info-Tafel über den Seetempel und Thomas Manns Verbindung zu Travemünde aufstellte. Man findet das Bauwerk neben der Seebestattungs-Gedenkstätte am Brodtener Steilufer.
Reparaturarbeiten: Spaziergänger stehen im Regen
In den vergangenen Wochen war der Seetempel allerdings gesperrt. Die Kurverwaltung hat das runde Gebäude mehrfach mit Flatterband umwickelt. Spaziergänger konnten dort keinen Witterungsschutz finden und auch nicht ausruhen, da die Sitzbank im Inneren ebenfalls entfernt wurde. Der Grund: Obgleich er erst zwei Jahre steht, war der Holzboden schon wieder schadhaft und musste erneuert werden.

Ratten haben Kulturstätte untergraben
Grund des Schadens waren kleine Nager, wie die Stadt auf Nachfrage von HL-Live.de mitteilt: „Die Bodenfläche in dem Gebäude war schadhaft und musste erneuert werden. In der Vergangenheit wurden schon einzelne Stellen des Holzbodens nachgebessert, aber der Boden wurde immer wieder durch Mäuse und Ratten untergraben. Daher musste nun die komplette Fläche aus beständigerem Material ersetzt werden. Der alte Bodenbelag (Kanthölzer) wurde demontiert und als Tragschicht wurde Drainagebeton verwendet. Als Lauffläche wurde Kleinpflaster eingebaut.“
Wiedereröffnung am Wochenende
Die Sitzbank stand den Bodenarbeiten im Wege und kommt nach Abschluss der Reparaturarbeiten wieder an ihren alten Platz. Diese Arbeit steht noch aus. Doch zum Wochenende (13./14. Juni 2026) wird laut Verwaltung die Absperrung entfernt und der Pavillon ist wieder begehbar (noch ohne Sitzbank). Es folgt dann noch einmal eine kurze Sperrung zur Montage besagter Sitzbank (geplant für die 25. Kalenderwoche), dann ist Travemündes Weltliteratur-Stätte wieder komplett.

Weil Mäuse und Ratten den Holzboden immer wieder untergraben haben, bekam der „Seetempel“ einen massiven Steinboden. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 180007 Autor: Helge Normann vom 10.06.2026 um 17.03 Uhr
