MINT-Schulen und die TH: Talente sichtbar machen

Lübeck - St. Jürgen: Wie entdeckt man die Stärken von Kindern und Jugendlichen? Und wie schafft man Lernorte, an denen Neugier, Kreativität und Problemlösung wichtiger sind als perfekte Noten? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die MINT-Schulen Schleswig-Holsteins an der TH Lübeck.

Anfang Juni kamen Vertreter des Netzwerks an der Technischen Hochschule Lübeck zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und neue Impulse für die MINT-Bildung zu entwickeln. Die TH Lübeck war dabei nicht nur Gastgeberin des Netzwerktreffens, sondern auch eine engagierte Partnerin im MINT-Bereich. Seit vielen Jahren unterstützt sie MINT-Schulen und setzt sich mit dem JuniorCampus aktiv für die Förderung von Kindern und Jugendlichen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ein.

Mit dabei war auch Janina Mahncke vom JuniorCampus, die als Mitglied der Akkreditierungsjury Schulen auf ihrem Weg zur Auszeichnung als MINT-Schule begleitet und berät. „Diese Schulen schaffen es, Kinder und Jugendliche dort abzuholen, wo ihre Stärken liegen“, sagt Mahncke. „Sie sehen Potenziale, die im klassischen Unterricht manchmal verborgen bleiben.“

MINT-Schulen stehen für innovative Bildungskonzepte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Derzeit tragen zehn Gemeinschaftsschulen das Siegel „MINT-Schule Schleswig-Holstein“. Beim Netzwerktreffen an der TH Lübeck wurde eine Schule neu akkreditiert, zudem erhielt eine bestehende MINT-Schule ihre Rezertifizierung.

Die Auszeichnung wird für vier Jahre vergeben. Voraussetzung ist ein umfangreiches Bewerbungsverfahren, bei dem Schulen nachweisen müssen, dass MINT-Bildung fest in ihrem Schulalltag verankert ist. Dabei geht es nicht allein um zusätzliche Technikangebote oder moderne Ausstattung. Entscheidend ist, wie Schulen naturwissenschaftliches und technisches Lernen mit Kreativität, Teamarbeit und Lebensweltbezug nachhaltig verbinden.

Genau darin liegt für die MINT-Jury eine besondere Stärke des Netzwerks: „MINT bedeutet viel mehr als Formeln oder Experimente. Die Schülerinnen und Schüler lernen, Probleme zu lösen, gemeinsam zu arbeiten und eigene Ideen umzusetzen. Sie erleben, dass sie etwas können und etwas bewirken.“

Zu den Teilnehmenden der neu akkreditierten Schule gehörte auch eine Schülerin, die sich seit einigen Jahren mit großer Begeisterung im Bereich der Imkerei engagiert. Sie selbst kam auf die Idee, hat nach einem Imker gesucht und bildet als Jungimkerin mittlerweile selbst andere Kinder aus. Ihr Mitschüler, der ebenfalls an diesem Tag anwesend war, macht kein Hehl daraus, dass das klassische Schulsystem nicht unbedingt seine liebste Form ist. Das, was er aber kann, ist, handwerklich tätig sein. Er baut aktuell an einem Bienenhaus, kann die Statik berechnen und probiert sich mit Materialien aus.

Viele der ausgezeichneten Schulen entwickeln dafür ungewöhnliche Konzepte. Sie verbinden naturwissenschaftliche Projekte mit Sprachförderung, Berufsorientierung oder handwerklichem Arbeiten. Schüler forschen, bauen, programmieren und entwickeln eigene Lösungen für reale Fragestellungen.

Gerade für Jugendliche, die sich im klassischen Unterricht schwertun, können solche Angebote entscheidende Erfolgserlebnisse schaffen. Wenn ein selbst programmiertes Robotik-Projekt funktioniert oder ein technisches Problem gelöst wird, entsteht Selbstvertrauen – und manchmal auch eine völlig neue Perspektive auf die eigene Zukunft.

Beim Netzwerktreffen stellte die TH Lübeck den Lehrkräften eine Auswahl ihrer vielfältigen Angebote zur Nachwuchsförderung vor. Neben Workshops und Austauschformaten erhielten die Teilnehmenden Einblicke in verschiedene Hochschullabore, darunter das Robotik- und das Hochspannungslabor. Ziel war es, neue Ideen für den Unterricht zu vermitteln und Möglichkeiten der Zusammenarbeit aufzuzeigen. Dabei spielen auch digitale Formate eine immer größere Rolle. Über den JuniorCampus begleitet die TH Lübeck Schulen inzwischen weit über die Region hinaus – etwa durch Online-Experimente, digitale Workshops oder hybride Unterrichtsangebote. „Wir möchten Schulen unterstützen, unabhängig davon, wo sie in Schleswig-Holstein liegen“, erklärt Mahncke. „Nicht jede Schule kann regelmäßig an die Hochschule kommen. Deshalb entwickeln wir Formate, mit denen wir auch direkt in die Klassenzimmer kommen können.“

Für die TH Lübeck ist dieses Engagement Teil ihres Selbstverständnisses, junge Menschen frühzeitig für Wissenschaft, Technik und Innovation zu begeistern und Bildungswege sichtbar zu machen. Dabei geht es nicht nur um ein späteres Studium, sondern darum, Talente zu entdecken und Perspektiven zu eröffnen. Oder, um es mit Janina Mahncke zu sagen: „Jedes Kind verfügt über individuelle Potenziale. Die Herausforderung besteht darin, diese zu erkennen und ihnen den nötigen Raum zur Entfaltung zu geben.“

Für die Akkreditierungsfeier fanden sich die Gäste in einem Hörsaal der TH Lübeck ein. Foto: Lutz Roeßler/TH Lübeck

Für die Akkreditierungsfeier fanden sich die Gäste in einem Hörsaal der TH Lübeck ein. Foto: Lutz Roeßler/TH Lübeck


Text-Nummer: 180141   Autor: TH Lübeck/red.   vom 16.06.2026 um 17.08 Uhr

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