Labskaus mit NRW-Innenminister Herbert Reul

Lübeck - Travemünde: Der Travemünder Ortsvorsitzende Jochen Mauritz setzte den Akzent gleich bei der Begrüßung. Lange wurde überlegt, wie man Herbert Reul überzeugen könnte, einmal als Ehrengast zum traditionellen Labskausessen des Ortsvereins am Freitagabend zu kommen. Die Entscheidung auf seine Anfrage hatte er umgehend. "Klar, ich komme gerne vorbei", war die schnörkellose Antwort des Innenministers.

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Herbert Reul mit den Vertretern des CDU Ortsverbandes Travemünde.

Deswegen ist Reul in der Partei beliebt. Das hob bei der Veranstaltung auch noch einmal der Kreisvorsitzende Hermann Junghans hervor. "Als ich vor Jahrzehnten noch gar nichts war, hat er mir zugehört und mein Anliegen ernst genommen", erinnerte er sich.

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Nach einer anstrengenden Innenministerkonferenz in Hamburg fuhr Herbert Reul nicht gleich nach Hause, sondern machte auch noch den Schlenker über Travemünde, natürlich inklusive Stau auf der A 1. Im Saal angekommen, ließ er das Rednerpult dann gleich links liegen, ergriff das Mikrofon und spazierte damit während seiner Ausführungen locker durch den Saal und erläuterte den Parteifreunden und weiteren Gästen aus der Lübecker Politik, wie Herbert Reul Politik macht. "Man muss die vorhandenen Probleme benennen", ist er überzeugt, denn die Menschen wissen sowieso, was los ist, und wollen Lösungsansätze sehen. Ob nun kriminelle Clans, gewalttätige Fußballfans, mafiöse Strukturen oder Terrorismus oder Scharia – niemand darf erlaubt werden, eigene Rechtsordnungen auf dem Boden des demokratischen Rechtsstaates zu organisieren. Vom Null-Toleranz Prinzip ist er dabei fest überzeugt. Natürlich müssen auch Kleinigkeiten geahndet werden, weil so das Bewusstsein dafür wächst, dass man in einem funktionierenden Rechtsstaat lebt, der sich Regeln gegeben hat, die natürlich befolgt werden müssen.

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Stadtpräsident Henning Schumann mit seiner Partnerin Huong Nguyen und Konsul Bernd Jorkisch beim Labskaus.

Die Mittel zur Aufrechterhaltung sind knapp und werden derzeit immer knapper. Viele wünschenswerte Dinge können nicht sofort auf den Weg gebracht werden. Hier fordert Reul "Ausdauer" und "dran bleiben."

"Ich kann nicht alle Wachen gleichzeitig sanieren, aber ich kann versprechen: In absehbarer Zeit seid ihr dran", und das muss dann auch laufen. Das kann man den Menschen erklären, und das verstehen die dann auch, ist er überzeugt.

"Ich erzähle Ihnen hier eigentlich nur olle Kamellen", streut er plötzlich ein, "merken Sie das eigentlich?" Vieles von dem, was er berichtet, ist einfach nur plausibel und für den Normalbürger 'Common Sense'. So beispielsweise Wertschätzung zum Ausdruck bringen, nicht inflationär, sondern dort, wo es wirklich angebracht ist. Dafür hatte er etliche Beispiele in der Tasche.

Immer wieder muss auch neu definiert werden, wo Kriminalität überhaupt stattfindet. Ob nun rechter, linker, oder islamistischer Terror oder auch Kindesmissbrauch. Der Schwerpunkt, auch der Ermittlungen, verlagert sich ins Netz, und dort müssen die Sicherheitsbehörden mitmischen können. Mitwachsen müssen allerdings auch die rechtlichen Möglichkeiten. Hier wünschte er sich mehr Möglichkeiten bei der Vorratsdatenspeicherung, denn die Erkenntnisse, die darauf basieren, erhalten deutsche Dienste derzeit oftmals gerade noch rechtzeitig aus dem Ausland.

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Ausdrücklich lobte er die Grünen, die im Rahmen von schwarz-grünen Landesregierungen zu guten Entwicklungen gekommen sind. Die Richtung der schleswig-holsteinischen Lösung beim Antidiskriminierungsgesetz wünscht er sich auch für Nordrhein-Westfalen.

Auch die Krise bei den Sozialdemokraten lässt ihn nicht kalt. "Die vernünftigen Kräfte in diesem Land müssen den Laden zusammenhalten", schließt er unter lang anhaltendem Beifall und fügt leise an: „Deshalb bin ich heute hier."

Im Original-Ton hören Sie ein Interview von Harald Denckmann mit Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen.

Herbert Reul war am Freitagabend zu Gast beim traditionellen Labskausessen der CDU Travemünde. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann

Herbert Reul war am Freitagabend zu Gast beim traditionellen Labskausessen der CDU Travemünde. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 180223   Autor: Harald Denckmann   vom 20.06.2026 um 11.56 Uhr

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