Hexen-Prozesse: Hat in Lübeck der Teufel gewonnen?
Lübeck: „Wir empfinden Erschrecken und Scham. Nie wieder darf ein solches Unrecht geschehen“, zitiert die Nordkirche in einem Artikel Pastorin Christiana Lasch-Pittkowski. Die mahnenden Worte fielen angesichts des Erinnerns an mindestens zwölf Frauen, die ab 1548 in Schleswig als Hexen auf dem Scheiterhaufen starben. An sie erinnert eine Gedenktafel. Auch in Lübeck wurden Menschen bei lebendigem Leib verbrannt. Das Gelände ist heute ein Spielplatz.
Die Obrigkeit wollte Identität und Andenken von verurteilten Opfern der Hexenprozesse aus dem kollektiven Gedächtnis tilgen. In Schleswig ist das nicht gelungen. Eine Tafel nennt alle Namen. Foto: HN
Lübecker Rat ließ 13 Menschen wegen Zauberei hinrichten
Das Entzünden der Kleidung und die erste Einwirkung der Flammen auf die Haut verursachten unvorstellbare Schmerzen. Die Angst davor war so groß, dass sich im Jahre 1699 Trine Hildebrands, so ist es in einem Dokument des Lübecker Frauenbüros (pdf-Dokument) zu lesen, nach ihrer Verhaftung mit einem scharfen Gegenstand die Luftröhre durchschnitt. Zwar war die Hansestadt vergleichsweise zurückhaltend in Sachen Hexenwahn, es gab sogar 11 Freisprüche. Doch 17 Angeklagte wurden der Stadt verwiesen, was genauso den Tod bedeuten konnte. Und 13 wurden hingerichtet.
Dem Unrecht nicht das letzte Wort lassen
Schaut man nach Köln, hat der Rat die Opfer seiner Vorgänger sogar symbolisch rehabilitiert. Warum das eben kein veraltetes Thema ist, das erklären dort die Grünen so: „Noch heute gibt es leider Gewalt, Diskriminierung, Mobbing und Vorurteile gegen Menschen“, sagte der dortige Vorsitzende der Ratsfraktion. Die Mitteilung nimmt auch Bezug auf die Worte des Pfarrers, der das Ganze angestoßen hat: „Lasst dem Unrecht nicht das letzte Wort“. Eine Anfrage, wie die Hansestadt Lübeck das sieht, läuft derzeit.
Zeichen gegen Vorverurteilungen
Im Kreis Plön gibt es den „Hexenstein“, ein Kunstprojekt, das an 18 wegen Hexerei hingerichtete Menschen erinnert. Auf der Internetseite des Frauenwerks Lübeck-Lauenburg wird über eine Andacht berichtet, „der Opfer zu gedenken und ein Zeichen für eine friedliche und freiheitliche Gesellschaft ohne Vorverurteilungen zu setzen“, wie es dort heißt. Der Ort solle die Erinnerung wachhalten an ein Thema, das „lange tabuisiert“ gewesen sei.
In Lübeck keine Bestrebungen bekannt
Und in Lübeck? Gibt es seitens des Kirchenkreises oder einzelner Lübecker Kirchengemeinden bereits Bestrebungen, theologische Erklärungen abzugeben oder Gottesdienste im Gedenken an die Opfer der historischen Hexenprozesse abzuhalten? „Soweit uns bekannt ist, gibt es in den Gemeinden unseres Kirchenkreises keine Bestrebungen in diese Richtung“, heißt es dazu vom Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg auf Nachfrage von HL-live.de.
Den Lübeckern bleibt nur der Teufel
Stadtführerin Stephanie Ullrich erzählt auf ihren Rundgängen natürlich auch von den Hexenprozessen in Lübeck, von den Hinrichtungen vor dem Burgtor und den Verbrennungen auf dem heutigen Kinderspielplatz am St.-Jürgen-Hafen. Ihr sind keine Namenstafeln oder Ähnliches bekannt, erzählt sie auf Nachfrage von HL-live.de. Sie würde so etwas gern in ihre Führungen aufnehmen. Opfer der Hexenprozesse wurden eines Paktes mit dem Teufel beschuldigt. Mangels Alternativen hält die Stadtführerin beim Thema Hexenprozesse an der Teufelsfigur vor St. Marien an. Der Teufel grinst …

Während die niedliche Teufelsfigur aus einer Sage an der Marienkirche prominent platziert ist, sucht man ein echtes Mahnmal für die Opfer des Hexenwahns in Lübeck vergeblich. Foto: JW
Text-Nummer: 180226 Autor: Helge Normann vom 21.06.2026 um 17.03 Uhr
