Juni endet mit historischer Hitzewelle
Schleswig-Holstein: Archiv: Ein Juni der Extremwerte endet: Während eine blockierende Omega-Wetterlage ganz Deutschland eine historische Hitzewelle bescherte, erlebte Schleswig-Holstein einen meteorologischen Ritt auf der Rasierklinge. Zwischen neuen Allzeitrekorden an den Küsten und einem dramatischen Wolkenbruch im Land zeigt sich der Sommer 2026 von seiner extremen Seite – auch in der Region Lübeck.

Nach einem sehr warmen Start in den Juni folgte ein Temperaturdämpfer, bevor sich im weiteren Verlauf hochsommerliche Bedingungen durchsetzten. Gegen Monatsende stellte sich über Mitteleuropa eine sogenannte Omega-Wetterlage ein, die die Großwetterlage maßgeblich prägte: Dabei wird ein stabiles Hochdruckgebiet von zwei Tiefdruckgebieten flankiert und bildet in der Höhenströmung ein Muster, das an den griechischen Buchstaben Omega (Ω) erinnert. Solche Wetterlagen führen häufig zu einer blockierten atmosphärischen Zirkulation, wodurch sich Wetterverhältnisse über mehrere Tage oder sogar Wochen kaum verändern. Dies begünstigte im Juni in Deutschland eine außergewöhnlich intensive und anhaltende Hitzewelle mit verbreitet hoher thermischer Belastung.
Nach vorläufigen Messungen wurden dabei verbreitet sehr hohe Temperaturen registriert: Sogar der deutschlandweite Allzeitrekord wurde nach vorläufigen Messungen mit 41,7 Grad Celsius (°C) in Neißemünde-Coschen (Brandenburg) am 28. geknackt. Die Niederschläge waren regional sehr unterschiedlich verteilt und in der Summe unterdurchschnittlich. Die Sonne schien den vierten Monat in Folge mehr als im Klimasoll. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach vorläufigen Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.
Einer der wärmsten Junimonate mit extremer Hitze zum Monatsende
Der erste meteorologische Sommermonat war von starken Temperaturkontrasten geprägt. In der Bilanz war der Juni 2026 mit einem Temperaturmittel von 19,5 °C außergewöhnlich warm und belegt damit nach aktuellen Auswertungen Platz 2; nur 2019 war es mit 19,8 °C noch wärmer. Die Abweichung gegenüber dem Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 lag bei 4,1 Grad (15,4 °C). Selbst der Vergleich mit der aktuellen und wärmeren Vergleichsperiode 1991 bis 2020 (16,4 °C) offenbart einen deutlichen Überschuss von 3,1 Grad. Zur Monatsmitte war man davon jedoch weit entfernt, denn nach einem warmen Start folgte vorübergehend ein verhältnismäßig kühler Witterungsabschnitt mit dem deutschlandweiten Minimum von 1,0 °C am 15. in Meßstetten-Appental (Baden-Württemberg).
Anschließend etablierte sich in der dritten Dekade vor allem in den westlichen Landesteilen eine Hitzewelle mit extrem heißer und feuchter Luft aus südlichen Gefilden. Am Oberrhein gab es beispielsweise acht bis zehn sehr heiße Tage (Maximum der Lufttemperatur ≥ 35 °C). Am 27. wurde deutschlandweit an 46 Stationen die 40-Grad-Marke geknackt. Der Monatshöchstwert und vorläufig gleichzeitig der deutschlandweite Allzeitrekord wurde am 28. in Neißemünde-Coschen (Brandenburg) mit 41,7 °C gemessen. In vielen Regionen purzelten die Monatsrekorde, teils auch die Allzeitrekorde für die Höchstwerte. In den Nächten war es zum Monatsende oftmals tropisch warm mit Tiefstwerten deutlich über 20 °C, örtlich über 25 °C. Auch der vorläufige Wert des höchsten jemals gemessenen Tiefstwerts stammt mit 29,4 °C in Kubschütz, Kr. Bautzen (Sachsen) aus diesem Juni.
Niederschlagssoll nicht erfüllt und sehr inhomogene Verteilung
Zum Ende des ersten meteorologischen Sommermonats wurden rund 66 Liter pro Quadratmeter (l/m²) an Niederschlag registriert. Damit war es im Juni trockener als im langjährigen Mittel; gegenüber der Referenzperiode 1961 bis 1990 (85 l/m²) fiel etwa ein Fünftel weniger Niederschlag. Selbst im Vergleich mit der aktuelleren und trockeneren Referenzperiode 1991 bis 2020 (76 l/m²) ergibt sich ein Defizit von circa 13 Prozent. Die Niederschläge waren dabei sehr inhomogen verteilt. Während am Alpenrand und im äußersten Nordwesten 120 bis 180 l/m² fielen, waren es am Mittel- und Oberrhein, in Unterfranken und im Großraum Berlin nur 15 bis 30 l/m². Punktuell am bei heftigen Gewittern, die vor allem am Monatsende auftraten, lokal der gesamte Monatsniederschlag in kurzer Zeit vom Himmel. Die höchste Tagesniederschlagssumme gab es am 27. mit 77,2 l/m² in Erfde (Schleswig-Holstein).
Sonne poliert ihre Bilanz in der zweiten Junihälfte ordentlich auf
Nachdem bis zur Monatsmitte lediglich knapp 90 Sonnenstunden zu Buche standen, legte sich das Zentralgestirn in der zweiten Junihälfte ordentlich ins Zeug und damit gab es insgesamt rund 248 Sonnenstunden. Das waren über 20 % mehr als in der Referenzperiode 1961 bis 1990 (203 Stunden). Auch im Vergleich mit der jüngeren Referenzperiode 1991 bis 2020 (216 Stunden) ergab sich noch eine positive Abweichung von 15 % Der Juni war der vierte Monat in Folge, der deutlich sonniger ausfiel als im vieljährigen Mittel.
Das Wetter in Schleswig-Holstein
Der äußerste Norden wartete mit einem Temperaturmittel von 17,7 °C (15,0 °C) auf. Obwohl Schleswig-Holstein mit diesem Wert abgeschlagen wohl den letzten Platz im Bundesländervergleich einnimmt, war es auch dort im Juni ungewöhnlich warm. Selbst auf Helgoland wurde am 27. mit 30,4 °C ein heißer Tag verzeichnet, was dort einen neuen Allzeitrekord bedeutete. Auch sonst gab es am Monatsende einige Allzeit-Temperaturrekorde. Die Monatsniederschlagsmenge betrug deutlich überdurchschnittliche rund 87 l/m² (69 l/m²) und in keinem Bundesland fiel im Juni mehr Niederschlag. In Erfde fiel am 27. in Verbindung mit einem heftigen Gewitter mit 77,2 l/m² an einem Tag annähernd diese Monatssumme. Der Wert war gleichbedeutend mit dem deutschlandweiten Tagesniederschlagsmaximum für Juni. Die Sonne schien mit etwa 239 Stunden (225 Stunden) knapp überdurchschnittlich lange.
(In Klammern finden Sie die vieljährigen Mittelwerte der internationalen Referenzperiode 1961 bis 1990. Der Vergleich aktueller mit diesen vieljährigen Werten ermöglicht eine Einschätzung des längerfristigen Klimawandels.)
Kommentare zu diesem Text (6):
Misanthrop
schrieb am 29.6.2026 17.36 Uhr:
Für unser Fraktion "Früher war es auch mal heiß":
Für Juli sind bereits neue Hitzewellen angekündigt. Und für unsere Kinder wird das wohl einer der kühlsten Sommer ihrer Kindheit sein.
Und ganz wichtig! Stellt bei diesen Temperaturen immer eine Schale Wasser für die Tiere und (...) raus. Danke.
Larald Hesch
schrieb am 29.6.2026 21.31 Uhr:
Oh Gott, wir werden alle sterben…
Ist doch schön, daß wir auch mal etwas Sommer haben.
Es sind schon viele menschen erfroren aber noch keiner erschwitzt. ;)
Stellt euch drauf ein und genießt euer Leben, cheers.
andre klar
schrieb am 30.6.2026 0.34 Uhr:
@Larald Hesch:
Sie verdrehen wirklich alles, es sterben deutlich mehr Menschen aufgrund Hitze als aufgrund Kälte.
Misanthrop
schrieb am 30.6.2026 7.41 Uhr:
@Larald Hesch schrieb am 29.06.2026 um 21.31 Uhr:
"Oh Gott, wir werden alle sterben…"
Schön wärs. Der Planet würde sich freuen.
"Ist doch schön, daß wir auch mal etwas Sommer haben."
Stimmt. Straßenbahngleise sind nicht mehr nutzbar. Autobahnen brechen auf... Gab es ja schon immer.
"Es sind schon viele menschen erfroren aber noch keiner erschwitzt. ;)"
Haha... Welch feiner Humor. Das erreicht ja schon fast Nuhr Niveau. Das 26 Menschen am Wochenende in Deutschland ertrunken sind, weil sie sich in Seen oder Flüssen abkühlen wollten, ist deinem Genius wohl entgangen.
"Stellt euch drauf ein und genießt euer Leben, cheers."
Um sich darauf einstellen zu können, müsste man vieles aufgeben, was wir nicht aufgeben wollen. Und solange es nur Alte und Schwache trifft, juckt es ja die meisten nicht. (...)
Oliver
schrieb am 1.7.2026 6.35 Uhr:
@Larald Hesch
schrieb am 29.06.2026 um 21.31 Uhr:
"Es sind schon viele menschen erfroren aber noch keiner erschwitzt. ;)"
Noch nie was von Hitzschlag gehört? Es gibt dutzende Menschen, die schon an solchen Hitzewellen durch Kreislaufkollaps und Co. draufgegangen sind, vor allem in den USA wo mittlerweile Temperaturen von 40°C und mehr Standard sind im Sommer.
Dass auch z.B. schon das Meerwasser an der westlichen Küste Amerikas schon regelrecht gekocht hat und massenhaft Fische und Co. bei lebendigem Leid gekocht worden sind hast bestimmt auch nicht mitbekommen...
Dein Kommentar ist echt das Letzte.
Larald Hesch
schrieb am 6.7.2026 18.34 Uhr:
Herrliche Kommentare:
Es sterben mehr Menschen an Hitze als an Kälte.
Ah ja…
Fische werden im heißen Meer gekocht…
Ok…
26 Menschen sind am Wochenende ertrunken, weil sie sich abkühlen wollten…
Also wären sie bei 23° nicht ertrunken…?
Ihr Apokalyptiker könnt euch gerne in irgendwelche Lauterbachschen Kältebunker verkriechen und euch die Decke
über den Kopf ziehen.
Oder nein, jetzt ist doch euch perfektes Juli-Wetter - 14° morgens, dunkel, grau, steife Brise und Regen gegen die Jahrhundert Dürre.
Also raus mit euch und genießt den Sommer!
Viel Spaß dabei, cheers. ;)