Fehmarnbelt-Region: Neues Buch zeigt die Zukunft vor der Haustür

Schleswig-Holstein: Ein neues Buch zeigt, wie lokale Initiativen und Gemeinden bereits heute die Zukunft der Fehmarnbelt-Region prägen – auch dort, wo die Entwicklung von strukturellen Herausforderungen geprägt ist.

Ostholstein und die Hansestadt Lübeck befinden sich in einer Zeit des Wandels. Während der Tourismus vielerorts ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, rückt mit der entstehenden Fehmarnbelt-Verbindung die Frage ins Zentrum, wie sich die Region weiterentwickeln kann und wie wirtschaftliche Chancen, Lebensqualität und lokale Identität bei gleichzeitigem Strukturwandel miteinander in Einklang gebracht werden können.

Diese lokalen Perspektiven stehen im Mittelpunkt eines neuen Buches. „Visionen aus der Fehmarnbelt-Region“ präsentiert Ideen, Erfahrungen und Zukunftsperspektiven lokaler Akteure in Dänemark und Norddeutschland, wobei sich die deutsche Seite auf die Gegend um Ostholstein und Lübeck konzentriert.

Das Buch ist das Ergebnis eines dreijährigen Interreg-Projekts mit Beteiligung der Universität Roskilde, der Technischen Hochschule Lübeck und der Rural Agency. Durch Treffen und Netzwerke mit lokalen Akteuren sowie Workshops mit Studierenden wurden Perspektiven aus der gesamten Region gesammelt und weiterentwickelt. Insgesamt haben mehr als 600 Menschen und 20 Organisationen beigetragen. Das Projekt wurde mit Unterstützung von Interreg Deutschland-Danmark durchgeführt.

Die Beiträge im Buch zeigen, dass sich die Region bereits heute verändert – lange bevor die Fehmarnbelt-Verbindung fertiggestellt ist. Dies zeigt sich in zahlreichen lokalen Initiativen und langfristigen Projekten, etwa auf Fehmarn, in Bad Schwartau oder Lübeck.

Auf Fehmarn beispielsweise soll der Burgtiefe-Komplex behutsam modernisiert werden, während der architektonische Charakter erhalten und die Anlage für den Tourismus zukunftsfähig gemacht werden soll. „Burgtiefe verfolgt eine ambitionierte Idee zum Thema Tourismus, benötigt nun jedoch einen zeitgemäßen Rahmen, um diese Idee auch weiterhin zu unterstützen“, sagt Almut Wiemold, Leiterin des Tourismusmarketings der Insel.

In Bad Schwartau bringt der Ausbau der Schienenverbindung Sorgen der Bürger mit sich. Der zunehmende Lärmpegel in der Stadt soll durch eine acht Meter hohe Lärmschutzwand gesenkt werden. Doch lokaler Widerstand formiert sich: „Aus Protest haben die Einwohner eine sechs Meter hohe Beispielwand errichtet, um zu veranschaulichen, wie eine solche Barriere wirken würde“, erklärt der Stadtplaner Dr. Akbar Nassery.

Im Lübecker Gründungsviertel zeigt das Buch, wie durch die Neuinterpretation der mittelalterlichen Parzellenstruktur ein neues Viertel entsteht, das Geschichte mit zeitgenössischer Architektur verbindet. Gleichzeitig wirft es einen Blick auf die konkreten Herausforderungen der Bewohner: „Die Autos fahren hier oft zu schnell und am Ende der Straßen ist das Wasser – beides stellt ein Sicherheitsrisiko dar“, sagt Sarah Hantke, Architektin und Anwohnerin im Gründungsviertel.

Die Beiträge machen deutlich, welche Bedeutung lokale Perspektiven für die Zukunft der Fehmarnbelt-Region haben und wie sie die lokale Entwicklung unterschiedlich prägen: "Was sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist der Fokus auf lokale Erfahrungen und Stimmen, die oft weniger Platz in den großen Planungsprozessen rund um die Fehmarnbelt-Verbindung einnehmen, aber im Alltag von großer Bedeutung sind", sagt Majken Toftager Larsen von der Universität Roskilde und einer der Autoren des Buches.

www.beltplatform.org

In Bad Schwartau bringt der Ausbau der Schienenverbindung Sorgen der Bürger mit sich. Auch darum geht es in dem Buch. Foto: Symbolbild

In Bad Schwartau bringt der Ausbau der Schienenverbindung Sorgen der Bürger mit sich. Auch darum geht es in dem Buch. Foto: Symbolbild


Text-Nummer: 180423   Autor: P. Wiese/red.   vom 05.07.2026 um 10.35 Uhr

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