Sommerfest beim Erzbischof im Garten
Lübeck: Auf dem Weg zum Buffet musste man erst einmal bei Papst Leo XIV. vorbei. Der begrüßte die Gäste des Erzbischöflichen Empfangs am Mittwochabend herzlich am Eingang zum Garten. Das war natürlich ein Aufsteller und reizte, ein schnelles Selfie mit dem Kirchenoberhaupt zu machen. Davon wurde aber kaum Gebrauch gemacht. Die Würde des Amtes strahlte doch ein wenig aus und die Stimmung bei allen Gästen war locker und herzlich.
Papst Leo XIV wartete als Aufsteller vorm Buffet
Dazu trugen Saxophonist Stefan Kuchel und sein Kollege Jan-Christoph Mohr am Klavier ganz entscheidend bei. Mit stimmigen Jazzimprovisationen setzten sie heitere Akzente beim Auftakt in Herz Jesu, und anschließend begleiteten sie die Feier im Garten mit entspannten Klängen. Natürlich begrüßte Erzbischof Heße die zahlreichen Gäste aus dem weiteren und engeren Umkreis von Lübeck und ging anschließend auf aktuelle Fragen unserer Zeit ein.

Einen deutlichen Schwerpunkt setzte er dabei auf die kürzlich veröffentlichte Enzyklika „Magnifica Humanitas“, die den Schutz und die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz zum Inhalt hat. Technologie muss dem Menschen dienen, führte er an mehreren Beispielen aus und fand vor dem Hintergrund der derzeitigen Ereignisse in Südafrika mahnende Worte. Die Würde ist dem Menschen gegeben mit der Existenz, sie muss nicht verdient werden, machte er deutlich und verwies an diesem besonderen Ort noch einmal auf die Lübecker Märtyrer und ihre Überzeugungen.

Der Erzbischof sprach auch von Ansgar, dem Apostel des Nordens
Der Erzbischof sprach auch von Ansgar, dem Apostel des Nordens, der in der römisch-katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird. Mit dessen Wirken im dänischen und schwedischen Raum schaffte er die Verbindung zu den nächsten prominenten Gästen der Veranstaltung, der Botschafterin des Königreichs Schweden in der Bundesrepublik, Veronika Wand-Danielsson, und Staatssekretär Frederik Hogrefe aus dem SH-Innenministerium, der Ministerin Magdalena Finke vertrat.

Botschafterin Veronika Wand-Danielsson kam auch auf die derzeitigen Anforderungen europäischer Politik zu sprechen.
Nach einem historischen Exkurs über die jahrhundertelangen Beziehungen zwischen Deutschland und Schweden kam sie auf die derzeitigen Anforderungen europäischer Politik zu sprechen. Ihr wurde aufmerksam zugehört und ihre jahrelange Erfahrung bei der NATO und ihre bisherigen diplomatischen Tätigkeiten wurden in ihrem Vortrag deutlich. Sehr eindringlich schilderte sie die Neubewertung der schwedischen Sicherheitspolitik bereits 2014 nach der Übernahme der Krim durch Russland. Das führte in Schweden unter anderem zu einer Neuausrichtung der Wehrpflicht. Der Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine am 24. Februar 2022 bewirkte dann den „schnellsten Meinungsumschwung in der Geschichte Schwedens“. Eine bis dahin 200 Jahre bestehende Blockfreiheit und Neutralität wurden aufgegeben, Schweden ist jetzt Mitglied der NATO.
Die Rede der Botschafterin wurde mit anhaltendem, starkem Beifall aufgenommen. Staatssekretär Hogrefe ging in seinem Redebeitrag ebenfalls auf die aktuelle Situation in Europa ein. Es geht darum, vorbereitet zu sein, damit nichts passiert, erläuterte er ausführlich.
Die Botschafterin warb für ihr Land. "Wir wachsen zusammen", betonte sie, "besuchen Sie uns“, denn durch die neuen Verbindungen werden Sie auch bald viele Schweden in Lübeck sehen. "Offenheit und Partnerschaft sind eine Erfolgsstrategie", ist sie überzeugt, und warf einen positiven Blick in die Zukunft, der bei den Gästen des Empfangs gut ankam.

Dann sprach der Erzbischof "Laufen Sie mir einfach hinterher." Auf verschlungenem Weg ging es dann in den Garten. Da warteten dann auch der Papst und das Buffet und auch Sonnenschein, denn nach einigem Hin und Her hatte das Wetter letzten Endes ein Einsehen mit der Veranstaltung.
Hören Sie im Originalton Harald Denckmann im Gespräch mit Erzbischof Stefan Heße, Veronika Wand-Danielsson und Frederik Hogrefe.

Beim Sommerfest: Staatssekretär Frederik Hogrefe, Erzbischof Stefan Heße, Botschafterin Veronika Wand-Danielsson und Stadtpräsident Henning Schumann. Fotos: Harald Denckmann
Hier hören Sie den Originalton:
Text-Nummer: 180444 Autor: Harald Denckmann vom 02.07.2026 um 11.11 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
R. Stilzchen
schrieb am 02.07.2026 um 21.02 Uhr:
Mit Respekt! Aber die Sinnhaftigkeit dieser Veranstaltung verschließt sich mir vor dem Hintergrund, das klerikale
Postulate nachweislich in dieser brutalen internationalen Gegenwart eher wie „Klimmzüge am Horizont“ lächerlich wirken. Die Kirchen und auch das Christentum haben ihre Wirkmächtigkeit verloren! Und: was treibt den Stadtpräsidenten dort hin?