CSD: Queeres Jugendnetzwerk sammelt Spenden für Ministeriums-Gutachten
Lübeck: Viele genderqueere Schüler in Schleswig-Holstein stehen zur Zeugnisvergabe vor einer schmerzhaften Hürde: Ihre Zeugnisse werden weiterhin auf ihren abgelegten Namen (Deadname) ausgestellt. Das Bildungsministerium verlangt 150 Euro Gebühr für die Herausgabe eines internen Rechtsgutachtens. Das Jugendnetzwerk lambda::nord nimmt das nicht hin: Auf dem kommenden CSD in Lübeck am 14. und 15. August 2026 sammelt der Verein gezielt Spenden unter dem Motto „Zeugnisgeld“, um das Dokument freizuschalten.Zum Tag der Zeugnisvergabe in Schleswig-Holstein stehen wieder viele genderqueere Kinder, Jugendliche und Berufsschüler vor einer schmerzhaften Hürde: Ihre Zeugnisse werden weiterhin auf ihren abgelegten Namen (Deadname) ausgestellt. „Das erschwert den Schulwechsel, die Suche nach Praktikumsplätzen oder den Übergang in Ausbildung und Studium unnötigerweise“, berichtet das Jugendnetzwerk lambda::nord.
Das Jugendnetzwerk lambda::nord fordert seit langem, dass Schulen den dgti-Ergänzungsausweis wie die Landespolizei in Schleswig-Holstein vollumfänglich anerkennen, um Diskriminierung beim Berufseinstieg zu verhindern. Queere Schüler könnten sich so viel besser auf das Lernen in der Schule und die spätere Berufswahl konzentrieren. Andernfalls müssen sie parallel zum anspruchsvollen Schulalltag komplexe Entscheidungen treffen, Behörden aufsuchen oder notfalls sogar vor dem Familiengericht klagen. Doch das Bildungsministerium blockiert – und verlangt nun Geld für die Herausgabe von Hintergrundinformationen. lambda::nord kündigt daher eine Spendenaktion auf dem kommenden CSD Lübeck an, um die Gebühr gemeinsam mit der Community zu sammeln und das Gutachten freizuschalten: "150 Euro Zeugnisgeld"!
Die Bildungsministerin hatte in einer jüngsten Landtagsdebatte behauptet, eine großzügige Regelung bei der Zeugnisausstellung sei „nicht sinnvoll“, da eine Übereinstimmung mit amtlichen Dokumenten gegeben sein müsse. Dass der dgti-Ergänzungsausweis bundesweit durch Innenministerien anerkannt wird, und nur mit einem amtlichen Dokument gültig ist, blieb dabei unerwähnt, wurde aber bei einem Treffen im Bildungsministerium mit Queerverbänden thematisiert. Um die rechtliche Grundlage dieser ministeriellen Haltung zu prüfen, fragte Moritz Griepentrog als Landesgeschäftsführung des queeren Jugendnetzwerks zunächst beim zuständigen Sozialministerium nach Herausgabe der Gutachten für die Beratungsarbeit mit Fachkräften an Schulen, Schülern und Eltern im Auftrag des Landes durch die Informations- und Beratungsstelle NaSowas. Er wurde an das Bildungsministerium verwiesen und stellte dort einen Antrag nach dem Informationszugangsgesetz (IZG-SH) auf Herausgabe der internen Gutachten über frag-den-staat.de.
Die Antwort des Ministeriums für Allgemeine und Berufliche Bildung sorgt seit Mai für Kopfschütteln beim Sprecher der AG TIN des Landesjugendhilfeausschusses: „Für die elektronische Übermittlung der Gutachten verlangt die Behörde eine Gebühr von stolzen 150 Euro. Dass eine Landesregierung, die sich die Diskriminierungsfreiheit auf die Fahnen schreibt, die Überprüfung ihrer eigenen Argumente hinter einer dreistelligen Bezahlschranke versteckt, ist schade“, erklärt Moritz Griepentrog. „Es passt überhaupt nicht dazu, dass wir in den letzten Monaten sehr konstruktiv mit dem Bildungsministerium gearbeitet haben. Wir konnten große Schritte darin machen, dass im Schulalltag alle Schüler und Sorgeberechtigten korrekt angesprochen und die Anliegen von trans*, nicht-binären, inter (tin) Personen mehr beachtet werden.“
Das Jugendnetzwerk wird auf dem diesjährigen Christopher Street Day (CSD) in Lübeck am 14. und 15. August 2026 unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Daniel Günther daher gezielt Spenden sammeln, um den Betrag von 150 Euro zusammenzubekommen und das Gutachten „freizuschalten“. Sobald das Dokument vorliegt, wird lambda::nord die rechtliche Argumentation des Ministeriums gemeinsam mit anderen Verbänden in Schleswig-Holstein prüfen, denn dem queeren Jugendverband liegen gegenteilige Rechtsgutachten vor. Ziel ist es, eine queerfreundliche Verwaltungspraxis zu etablieren, die Zeugnisse unbürokratisch auf den selbst gewählten Namen ausstellt. lambda::nord lädt alle CSD-Teilnehmenden ein, sich am Infostand des Vereins zu informieren und die Aktion zu unterstützen, um gemeinsam ein klares Zeichen für informationelle Selbstbestimmung und queere Menschenrechte an Schulen zu setzen.
Während der Vorbereitungszeit auf den CSD in Lübeck bietet lambda::nord ein vielfältiges Ferienprogramm für junge Queers und Ally. Es startet am Dienstag, 7. Juli 2026, um 10:00 Uhr am Pferdemarkt 6–8 mit einem LGBrunchTIQ* zum Ferienstart. Über alles Weitere informiert lambda auf den üblichen Kanälen und auch im Ferienpass (Lübecker Jugendring: www.ferienpass-luebeck.de). Spenden für die Kampagne werden unter dem Zweck "Zeugnisgeld" entgegengenommen.

Auf dem kommenden CSD in Lübeck am 14. und 15. August 2026 sammelt der Verein gezielt Spenden für das Gutachten. Foto: Archiv/HN
Text-Nummer: 180470 Autor: lambda/red. vom 04.07.2026 um 15.28 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Oliver
schrieb am 06.07.2026 um 06.39 Uhr:
Normalerweise wenn jemand was haben will, bezahlt dieser die Kosten selber.
150 Euro sind jetzt kein Nackenbruch, wie wäre es also mit selber zu bezahlen, statt um Spenden betteln zu wollen?
Unnötige Aktion.
gernotM
schrieb am 06.07.2026 um 10.14 Uhr:
Wenn wir denn sonst keine Probleme zu lösen haben....
Ja, ich weiß:
Auch in 500 Jahren wird sich Eure Community noch benachteiligt und diskriminiert fühlen...
Ihr seid nicht der Nabel der Welt !
Christian Kuhlmey-Becker
schrieb am 06.07.2026 um 11.29 Uhr:
Oliver und Gernot:
150,00€ können für viele Schüler:innen und deren Familien viel Geld bedeuten. Und genau das ist ja ein Beispiel, dass auch heute die queere Community diskriminiert wird.
Oliver
schrieb am 06.07.2026 um 15.26 Uhr:
@Christian Kuhlmey-Becker
schrieb am 06.07.2026 um 11.29 Uhr:
"150,00€ können für viele Schüler:innen und deren Familien viel Geld bedeuten."
Wenn mehrere eurer Vereinsmitglieder zusammenlegen z.b. 15 Leute jeder 10€ ist das Gutachten doch direkt finanziert, also blabla....
"Und genau das ist ja ein Beispiel, dass auch heute die queere Community diskriminiert wird."
Man könnte vielleicht sich auch mal n Fell wachsen lassen statt laufend nahe am Wasser gebaut zu sein. Ständig fühlt ihr euch diskriminiert, euch kann man es noch so recht machen, ihr werdet euch immer diskriminiert fühlen. Und genau diese "wir wollen eine Extrawurst"-Haltung ist das wieso der Großteil der Leute schon wieder von euch genervt ist. Und dann fühlt ihr euch wieder diskriminiert.
Teufelskreis.
Schaut nach Russland oder den arabischen Ländern, dann sagt nochmal, dass ihr es hier so schlecht habt...
gernotM
schrieb am 06.07.2026 um 15.35 Uhr:
@ Christian-Kuhlmey Becker:
Danke für diese Antwort...
Nun habe ich das endlich verstanden mit der "Diskriminierung "...