Unabhängige: Brandkatastrophe in der Hafenstraße aufklären

Lübeck: Die Bürgerschaft hat in ihrer Sitzung im Juni einstimmig einen interfraktionellen Antrag von Die Fraktion, GAL und Linke, SPD und Grünen zur Forderung nach Aufklärung des Brandanschlages in der Lübecker Hafenstraße beschlossen. Detlev Stolzenberg (Unabhängige) begrüßt, dass sein Antrag angenommen wurde, und setzt sich für ein namentliches Gedenken an die Opfer ein.

Mit dem Antrag wird das Justizministerium des Landes Schleswig-Holstein aufgefordert, eine "unabhängige, wissenschaftliche Aufarbeitung zur Ermittlungsarbeit und Aufklärung des Brandanschlages in der Hafenstraße in Auftrag zu geben. Ziel ist es, die Arbeit der Justiz- bzw. Ermittlungsbehörden transparent zu machen und ggf. Ansätze für weitere Aufklärung zu erlangen."

"Am 18. Januar 1996 sind 10 Menschen grausam ums Leben gekommen", so Stolzenberg. "Sie kamen nach Deutschland und suchten Schutz vor Verfolgung in ihrer Heimat. Die Brandstiftung wurde nie aufgeklärt. Den Ermittlungsbehörden wurde vorgeworfen, schlampig ermittelt zu haben."

Bürgerschaftsmitglied Detlev Stolzenberg (Unabhängige) hat den Antrag im Januar in die Bürgerschaft eingebracht: "Bei der Gedenkveranstaltung am 18. Januar, 30 Jahre nach der Tat, war die Anteilnahme der Lübeckerinnen und Lübecker größer als in den Jahren zuvor. Der Tod der sieben Kinder und drei Erwachsenen durch eine mögliche Brandstiftung bewegt Menschen. Die Überlebenden spüren die Folgen noch heute. Es gab keine Entschädigung für Opfer, wie es im Falle einer Feststellung als rechtsradikaler Anschlag der Fall gewesen wäre. Es ist gut, dass die Bürgerschaft nun ein klares Signal sendet und die Justizministerin des Landes Schleswig-Holstein in die Pflicht nimmt."

Detlev Stolzenberg bedankt sich beim Flüchtlingsforum und der Initiative Hafenstraße 96, die sich seit vielen Jahren für eine Wiederaufnahme des Verfahrens einsetzen. Ebenso beim Theater Lübeck, das mit dem Rechercheprojekt Hafenstraße die Unstimmigkeiten bei den Ermittlungsarbeiten dokumentiert: „Es ist wichtig, Haltung zu zeigen und Gerechtigkeit für die Opfer einzufordern.“

Im Kulturausschuss der Bürgerschaft wird aktuell über einen weiteren Antrag zum Brand in der Hafenstraße beraten. Hierin wird gefordert, die Namen der Getöteten an der Gedenkstätte zu benennen. Detlev Stolzenberg dazu: "30 Jahre nach der Tat sollte dem Vergessen der Opfer entgegengewirkt werden. Die Gedenkstätte, die vor über 20 Jahren aufgestellt wurde, legt den Schwerpunkt auf die Erinnerung an die Tat. Heute ist es bedeutsam, das Gedenken an die zehn getöteten Menschen in den Fokus zu nehmen, sie als individuelle Persönlichkeiten zu erkennen und nicht nur abstrakt von Opfern zu sprechen. Wie dies geschehen kann, soll unter Beteiligung der Hinterbliebenen geklärt werden. Nach dem Gespräch mit der Initiative Hafenstraße 96 gibt es Forderungen, die Gedenkstätte attraktiver zu gestalten und zu einem lebendigen Ort der Geschichtsvermittlung zu machen."

Der ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt Heinrich Wille mit einem Modell des abgebrannten Hauses. Er hat ein Buch zu der juristischen Aufarbeitung veröffentlicht. Foto: H.L./Archiv

Der ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt Heinrich Wille mit einem Modell des abgebrannten Hauses. Er hat ein Buch zu der juristischen Aufarbeitung veröffentlicht. Foto: H.L./Archiv


Text-Nummer: 180483   Autor: Unabhängige/red.   vom 05.07.2026 um 10.55 Uhr

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