Viel heiße Luft: Lübecks Lutherkirche wird wurmfrei
Lübeck - St. Lorenz Süd: Während ein Kirchenbesuch im Sommer normalerweise für Abkühlung sorgt, kommt man in der Lübecker Lutherkirche derzeit ordentlich ins Schwitzen. Seit Dienstag, 7. Juli 2026, strömt heiße Luft in das Gotteshaus. Der Grund ist der Gemeine Nagekäfer, besser bekannt als Holzwurm, der sich in der Kirche eingenistet hat. Eine Heißluftbehandlung soll den Schädling nun dauerhaft beseitigen.Vor rund drei Monaten entdeckte Pastor Thorsten Rose bei einem Rundgang durch die Lutherkirche stecknadelgroße Löcher in einer Kirchenbank. „Es war auch ein bisschen Geriesel darunter. Das sind die typischen Anzeichen für den Holzwurm. Da wurde mir klar, dass wir etwas unternehmen müssen.“
Nach Gesprächen mit einem Restaurator aus der Kirchengemeinde sowie mit Holzschutzfachleuten und Holzgutachtern fiel die Entscheidung. Die inzwischen 90 Jahre alten Kirchenbänke aus Kiefernholz sollen von den Schädlingen befreit und die Kirche langfristig geschützt werden. „Bevor die Schädlinge weitere Bereiche der Kirche befallen, zum Beispiel die Orgel, nutzen wir die Sommerferien, um die Lutherkirche holzwurmfrei zu machen“, sagt Pastor Rose. „Uns war wichtig, bei der Bekämpfung auf Chemie zu verzichten und die Umwelt nicht zu belasten.“ Deshalb entschied sich die Kirchengemeinde für eine Heißluftbehandlung.
Für die Behandlung hüllen Fachleute die Kirchenbänke luftdicht in graue Folie ein. Ein großer Schlauch führt von draußen durch die Kirchentür ins Innere der Kirche und leitet über mehrere Stunden heiße Luft unter die Folie. Das Holz soll dabei eine Kerntemperatur von 55 Grad erreichen. Temperaturfühler in speziellen Holz-Dummys, die an den Kirchenbänken befestigt sind, messen kontinuierlich die Temperatur im Inneren des Holzes. „Bei 48 bis 52 Grad verdickt sich das tierische Eiweiß. Wenn wir über mehr als eine Stunde 55 Grad erreichen, können wir sicher sein, dass die Tiere in allen Entwicklungsstadien absterben“, erklärt Holzschutzfachmann Jürgen Rabeneck.
Holzwurmbefall gehört in Kirchen zu einem weitverbreiteten Problem. Die Firma Trave Antik von Jürgen Rabeneck behandelt Kirchen in ganz Europa. „Seit Kirchen über Heizsysteme verfügen, treten Holzschädlinge deutlich häufiger auf“, sagt Rabeneck. Bei Temperaturen um 22 Grad fühlen sich die Larven des Gemeinen Nagekäfers besonders wohl. Rabeneck fügt hinzu: „Ein Käferweibchen kann zwischen 100 und 200 Eier legen, und weil die Käfer fliegen können, kann es zu einer schnellen Ausbreitung kommen.“
Das Heißluftgebläse bleibt noch bis Donnerstagabend, 9. Juli 2026, in der Lutherkirche im Einsatz. Am Freitag baut die Fachfirma ihre Technik wieder ab. Ab Sonntag finden die Gottesdienste wieder wie gewohnt statt.

Die Holzschutzfachmänner Max und Jürgen Rabeneck und Pastor Thorsten Rose vor den abgedeckten Bänken. Foto: Katharina Micheel
Text-Nummer: 180533 Autor: KK LL vom 07.07.2026 um 14.45 Uhr

Kommentare zu diesem Text:
Ungläubig aber sozial
schrieb am 07.07.2026 um 15.55 Uhr:
Schon sehr lange bekannt:
In der Kirche ist der Wurm drin!
Aber heiße Luft hilft da nicht!
Zornbusch
schrieb am 07.07.2026 um 16.17 Uhr:
Von "Kirche" kommt doch so wie so nur (...) heiße Luft?
Hier nur einmal anders.
Die armen Holzwürmer (Kreaturen Gottes?).
Ist das nicht Tierquälerei?
Wo ist PETA?
Hein Stockel
schrieb am 07.07.2026 um 21.31 Uhr:
Die Lutherkirche setzt zur Bekämpfung des Holzwurms auf heiße Luft. Eine moderne und offenbar sehr wirksame Methode.
Da kam mir sofort ein beruhigender Gedanke: Im Lübecker Rathaus braucht man sich um Holzwürmer wohl keine Sorgen zu machen. Dort wird seit Jahren so viel heiße Luft produziert, dass sich kein Wurm freiwillig einnisten würde.
Manchmal liegen die wirksamsten Schutzmaßnahmen eben näher, als man denkt.
Preisverleihung
schrieb am 07.07.2026 um 23.21 Uhr:
… und der heutige Mimimi Preis geht an die Kommentatoren hier