Ali das Alien
Lübeck - Travemünde: „Ufo!“, ruft aufgeregt ein Badegast und eilt, mit nicht mehr als Badehose, Sonnenbrille und Kopftuch bekleidet, vom Kurstrand auf die Travepromenade. Da spaziert in der prallen Mittagssonne tatsächlich ein Mann im silbrig glänzenden Raumanzug durch das beschauliche Seebad Travemünde. Und tatsächlich schwebt da etwas am Himmel. Allerdings kein Raumschiff, sondern eine Kameradrohne.
Hinter dem verspiegelten Visier schwitzt Ali Alam, der Aufnahmen für sein neues Album macht. Im silbrigen Ganzkörperanzug an einem sonnigen Sonntag im Seebad. Perfekt geschützt vor UV-Strahlung, aber leider ohne Kühlsystem an Bord.
Mondlandung wahrscheinlicher als ein Skatepark in Travemünde
Was Ali Alam umtreibt, ist dabei nicht nur die Musik, sondern auch der Travemünder Skatepark, für den er lange gekämpft hat, für den Millionen bereitgestellt wurden, der aber doch nicht gebaut wurde. Zu laut, kein Standort, man kennt die Hindernisse. Dabei zitiert Alam gern eine Lübecker Senatorin, die im Zusammenhang mit dem Skatepark gesagt haben soll, der Mensch fliege ja auch zum Mond. Dieser Vergleich hinkt allerdings: Erst kürzlich haben wieder Menschen in einem Raumschiff den Mond umrundet und eine Landung soll es 2028 geben. Menschen auf dem Mond sind also wesentlich wahrscheinlicher als der Bau eines Skateparks in Travemünde.

Drohne sorgt für Raumfahrt-Optik
Die Sache mit dem Skatepark und dem Mond-Spruch soll nun also in einem Musikvideo verarbeitet werden. Für die richtige Optik sorgt Drohnenprofi Florian Wartner (Pixel und Process) aus Lübeck. Er hat die entsprechende Lizenz und schaut, weil die Nordermole ein sensibler Bereich ist, vorher noch kurz bei der Wasserschutzpolizei vorbei. Ohne Erlaubnis kann so ein Drohnenflug auch mal 25.000 Euro kosten, erzählt er. Am Molenkopf angekommen, kann das Fluggerät dann steigen und der Künstler in seinen Raumanzug schlüpfen. Als Alien soll er auf der Erde landen, ausgerechnet in Travemünde. Kurz war der grün-weiße Molenturm als Rakete angedacht, aber auf Spezialeffekte wurde dann zugunsten der Authentizität doch verzichtet.


Ein Alien am Strand
Während Ali Alam im silbernen Anzug die Mole entlang und über den Kurstrand stapft, durchaus eine gewisse Aufmerksamkeit erregend, beantwortet der Drohnenpilot geduldig Fragen der Passanten. Im Anzug stecke der „Bürgermeister der Herzen“ (bekanntlich gab es mal eine Kandidatur), der „Fischbrötchenmann“ und eben auch der Musiker Ali Alam, erklärt er. Und jetzt geht es eben um ein Musikvideo. Auch Ali Alam wird gefragt, was er da macht. Und weil der Zusammenhang zwischen Mondlandung und Skatepark nicht ganz einfach zu erklären ist, erzählt er einfach, dass er einen Bericht über die Hitzewelle macht. Das passt auch, wird sofort verstanden und das Publikum ist zufrieden.


Neues Album zu Weihnachten
Fans können sich also schon mal auf ein neues Album freuen, das voraussichtlich pünktlich zu Weihnachten auf dem Streaming-Markt landet. Mehr als ein Jahr, bevor Menschen wieder auf dem Mond landen. Nur wo der Skatepark in Travemünde landet, ist ungewiss. Der Parkplatz Leuchtenfeld war schon im Gespräch, auch ein Platz am Kalvarienberg und die Sportanlage im Orkneypark. Zuletzt brachte die Politik die Tornadowiese ins Spiel (Wir berichteten). Aber das ist jetzt auch schon wieder acht Monate her.

Gerüchteweise soll am Ende der Dreharbeiten auch noch die wirkliche Ordnungsmacht nach dem Alien am Strand gesucht haben. Aber das hat Ali dann ja mit vielen anderen Film-Außerirdischen gemeinsam …

Der Außerirdische ist auf dem Molenkopf gelandet. Die Mission, im Hochsommer im Raumanzug den Travemünder Kurstrand zu erkunden, wird ihm einiges an Kondition abverlangen. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 180662 Autor: Helge Normann vom 15.07.2026 um 09.13 Uhr
