Überraschung um Viertel nach Zwölf

Lübeck - Innenstadt: Am Samstag, 25. Juli 2026, um 12:15 Uhr findet in der Lübecker Katharinenkirche das nächste Konzert der Reihe Viertel nach Zwölf statt. Auf dem Programm steht ein selten zu hörendes Werk von Luigi Boccherini.

Kleine Umfrage im Bekanntenkreis: „Kennst Du das Stabat Mater von Luigi Boccherini?“ Die häufigste Antwort ist diese: „Was, so was hat der auch geschrieben?“ Und fast immer stellt sich heraus, dass fast jeder, der ein wenig mit „klassischer“ Musik zu tun hat, das berühmte Menuett aus dem Streichquartett op. 11 Nr. 5 kennt. Und fast jeder trällert sofort den Anfang dieses Paradebeispiels des musikalischen Rokoko, der Übergangszeit zwischen Barock und Klassik.

Dieses heiter-verspielte Menuett ist gar nicht mal unbedingt typisch für Boccherinis Stil, und doch ist vielen von Boccherini nicht viel mehr bekannt. Dieser hochbegabte Musiker war einer der bedeutendsten italienischen Komponisten im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, war von 1770 bis 1785 Komponist, Kapellmeister und Cellist in Diensten des spanischen Infanten Don Luis de Borbón (1727–1785), und danach von 1786 bis 1797 aus der Ferne Kammerkomponist des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. (1744–1797).

Besonders verdient machte sich Boccherini (1743–1805) um die Entwicklung der Gattungen Streichquartett und Streichquintett. Vokalmusik nimmt in Boccherinis Oeuvre nur einen kleinen Raum ein, „doch schuf er mit seinem ‚Stabat Mater‘ eine der delikatesten Vertonungen dieser Sequenz aus dem 13. Jahrhundert“, so lesen wir beim Musikverlag Carus. Dieses Stabat Mater entstand auf Wunsch des Don Luis und wurde im Jahr 1781 veröffentlicht.

Am Samstag (25.07.2026) ist das Werk in seiner Originalfassung für Sopran und Streichquintett in Lübecks Katharinenkirche zu hören, in der sommerlichen Kammermusikreihe „Viertel nach zwölf“. Die Sopranistin Maike Albrecht hat sich intensiv mit dieser subtilen Vertonung des kontemplativen Gedichts über das Leid Marias bei der Kreuzigung ihres Sohnes beschäftigt. Sie sagt: „In diesem ,Stabat Mater‘ vereinigen sich Boccherinis besondere Qualitäten in höchster Vollendung: seine Errungenschaften im Streichquintettsatz, seine Melodik von einzigartiger wehmütiger Schönheit, empfindsamer Innerlichkeit und starker Expressivität. Die minimale Besetzung für eine Sopranstimme und Streichquintett entspricht Boccherinis feinem Kammermusikstil sowie der sehr persönlichen, intimen Stabat-Mater-Dichtung auf ideale Weise.“

Mit Maike Albrecht musizieren Anna Böhmer und Tadeo Gil (Violine), Haylin Park (Viola), Daniel Wachsmuth (Violoncello obligato) und Alf Brauer (Violone=Bass).

Die fünf Musiker spielen auf Barockinstrumenten mit Darmsaiten und nennen sich für diese Aufführung „Quintetto Amoroso“ als Verbeugung vor der außergewöhnlichen Schöpferkraft des Komponisten. „Amoroso“ ist die von Boccherini am häufigsten gewählte Zusatzbezeichnung und bedeutet „voller Liebe und Zärtlichkeit“.

Für den Besuch der städtischen Museumskirche St. Katharinen wird ein Betrag von 4,00 Euro erhoben, Kinder und Jugendliche sind frei. Karten sind auch online unter museumskirche.de erhältlich. Die Konzertreihe läuft bis zum 8. August 2026 jeweils samstags um 12:15 Uhr.

Die Sopranistin Maike Albrecht hat sich intensiv mit dieser subtilen Vertonung des kontemplativen Gedichts über das Leid Marias bei der Kreuzigung ihres Sohnes beschäftigt. Foto: Privat

Die Sopranistin Maike Albrecht hat sich intensiv mit dieser subtilen Vertonung des kontemplativen Gedichts über das Leid Marias bei der Kreuzigung ihres Sohnes beschäftigt. Foto: Privat


Text-Nummer: 180754   Autor: Svea Regine Feldhoff   vom 21.07.2026 um 09.17 Uhr

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