Flanier-Meile am Tatort-Band
Lübeck - Travemünde: Sebastian Viola hat noch Fotos auf dem Handy, wie es früher am Traveufer aussah: Da gab es zur Flaniermeile „Vorderreihe“ hin einen niedrigen Zaun und dahinter waren Rosen gepflanzt. „Das sah sehr, sehr schön aus“, erinnert sich der Gastronom. Und heute? Statt roter Rosen und Gartenzaun zieht sich ein rot-weißes Flatterband mit der Aufschrift „Polizeiabsperrung“ am Ufer entlang. Direkt vor den Kaffeetischen und Sitzbänken.
Das Flatterband soll mutmaßlich die Gelege der Wasservögel schützen. „Aller Respekt für die Natur und die Tiere“, stellt Gastronom Sebastian Viola klar.

Trauriges Bild für Travemündes Visitenkarte
Sebastian Viola findet es allerdings traurig, dass der Feriengast in der Vorderreihe, mitten in Travemündes Visitenkarte, so ein Absperrband vorfindet. Das zieht sich etliche Meter von Violas bekanntem „Pegelhäuschen“ bis zur nicht minder bekannten „Prinzenbrücke“. Dazwischen: Sitzbänke und Kaffeetische mit Blick auf die Trave und das auffällige Plastikband.

Gäste fragen: Was ist denn hier passiert?
Sebastian Viola zeigt auf die Jungvögel: „Die sind schon längst flügge“, sagt er. Doch die Absperrung bleibt. „Die ganze Saison, drei, vier Monate“, weiß er. Seit mehreren Jahren gehe das schon so. „Viele Gäste fragen, was ist hier los?“, erzählt der Gastronom. Und während die Vögel längst auf der Trave unterwegs sind, wächst das Gras hinter der Absperrung. Einen verwahrlosten Eindruck mache das, findet Viola.

Absperrband signalisiert: Hier ist ein Tatort
Irgendwann im Herbst wird das Flatterband wieder entfernt. Sebastian Viola hat sich einmal, ohne sich groß etwas dabei zu denken, ein Stück aufbewahrt. Und damit im Winter seine Terrasse abgesperrt, damit Leute dort keinen Müll hinterlassen. Da sei er von der Polizei aufgefordert worden, das sofort zu entfernen, erzählt er. „Ein Polizeisperrband heißt, da ist ein Tatort“, habe er zur Auskunft bekommen, und: „Das sichert einen Tatort ab, das dürfen Sie nicht!“ Der Gastronom schmunzelt mit Blick auf die leeren Vogelnester: „Jetzt frage ich mich, wo wir hier einen Tatort haben.“

Lösung: Nach der Brutzeit mal den Rasen mähen
Optisch wirkt das rot-weiße Flatterband mitten im Sommerurlaub deplatziert. Und nach der Brutzeit könnte man ja durchaus mal den Rasen mähen. Der kleine Gartenzaun mit den Rosen hat früher natürlich allzu neugierige Passanten effektiv ferngehalten. „Wer geht schon über Rosen?“, sagt Sebastian Viola. Heute hält der Respekt vor dem Tatort-Plastikband die Menschen von den Wasservögeln fern. Aber es gibt ja durchaus maritime Alternativen, wie ein hölzernes Tau-Geländer zum Beispiel.

„Wo ist denn hier der Tatort?“ Sebastian Viola nimmt die Sache mit Humor, findet aber, die Vorderreihe als Travemündes Visitenkarte habe etwas Ansprechenderes verdient. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 180775 Autor: Helge Normann vom 21.07.2026 um 10.01 Uhr
