Arbeitsagentur: Starkes Handwerk in Lübeck

Lübeck: "Eine gute Ausbildung ist das beste Mittel gegen den drohenden Fachkräftemangel", so die Agentur für Arbeit. "Sie sichert die betriebliche Zukunft und den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Gleichzeitig sichert eine Ausbildung aber auch die Zukunft der jungen Menschen, denn wer keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen kann, hat große Schwierigkeiten, in der Arbeitswelt nachhaltig Fuß zu fassen. Deshalb bilden Unternehmen mit Weitblick aus."

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Geschäftsführer Eckard Saß (Mitte) und Praktikant Henri Christen freuen sich über das von Friedrich von Gaudecker überreichte Ausbildungszertifikat.

„Mit unserem Ausbildungszertifikat, das wir seit 2007 an Unternehmen in Lübeck und Ostholstein verleihen, möchten wir unseren Dank stellvertretend an alle richten, die engagiert und mit großer Qualität jungen Menschen berufliche Chancen bieten“, erklärt Friedrich von Gaudecker, Geschäftsführer Operativ in der Agentur für Arbeit Lübeck.

Eines der Unternehmen, das mit dem Ausbildungszertifikat ausgezeichnet wird, ist die Eckard Saß GmbH aus Lübeck. Bereits seit der Gründung 1953 bildet der Spezialbetrieb für durchdachte Heizungs- und Sanitärsysteme mit aktuell 29 Mitarbeitern aus. Neun bis zehn Nachwuchskräfte als Anlagenmechaniker, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker sind es inzwischen jährlich. Auch Kaufleute für Büromanagement waren schon dabei. Die letzte Nachwuchskraft ist nach dem Abschluss im Büro tätig.

„Eine Ausbildungsquote von über 30 Prozent belegt eindrucksvoll, wie wichtig Ihnen die Gewinnung eigener Fachkräfte ist. Diese Quote liegt weit über dem Durchschnitt aller Betriebe in der Hansestadt Lübeck (4,9 Prozent), im Land Schleswig-Holstein (5,1 Prozent) und im Bundesgebiet (4,7 Prozent). Herzlichen Dank für Ihr Engagement“, so der stellvertretende Leiter der Arbeitsagentur.

Ausbildung eröffnet Entwicklungsperspektiven
„Die Technik in unserer Branche hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr schnell entwickelt. Bei uns arbeitet man nicht nur mit Wasser und Gefahrstoffen wie Öl und Gas, sondern mit Blick auf den Klimawandel auch verstärkt mit erneuerbaren Energien und moderner Technik. Eine fundierte Ausbildung ist deshalb sehr wichtig und bildet auch den Grundstein für die weitere Karriere. Unser Meister hat zum Beispiel bei uns gelernt und sich weitergebildet“, berichtet Geschäftsführer Eckard Saß, der außerdem Obermeister der Lübecker Innung Sanitär Heizung Klima ist.

„Bei den Nachwuchskräften legen wir Wert auf Zuverlässigkeit, handwerkliches Geschick, Pünktlichkeit, Höflichkeit und Engagement. Jeder muss vor der Ausbildung ein Praktikum bei uns machen. Gemeinsam mit Gesellen und Meister entscheiden wir dann, ob der junge Mensch ins Unternehmen passt“, ergänzt er.

Neben klassischen Wegen, wie Stellenausschreibungen, Homepage und Vermittlung durch die Arbeitsagentur, werden Nachwuchskräfte über Schulpraktika und Mund-zu-Mund-Propaganda gewonnen. Über Einstiegsqualifizierungen, sogenannte Langzeitpraktika, sowie ein freiwilliges Handwerksjahr münden Azubis ebenfalls ein.

Berufseinstieg über ein Praktikum: Über diesen Weg hat auch Henri Christen zur Eckard Saß GmbH gefunden. Er ging nach seinem ersten allgemeinbildenden Abschluss zunächst weiter zur Schule, merkte aber, dass er lieber eine Ausbildung machen möchte. Da er noch zwischen mehreren Berufen schwankte, startete er ins freiwillige Handwerksjahr. „Dabei war die Eckard Saß GmbH gleich der Volltreffer. Die abwechlsungsreiche Arbeit und das Team gefielen mir so gut, dass ich nach drei Monaten fragte, ob ich hier meine Ausbildung machen kann,“ erzählt der 17-Jährige.

„Henri war am Anfang sehr schüchtern und musste erst Vertrauen zu uns fassen. Er hat eine große Veränderung vollzogen und man merkt ihm an, dass er bereit ist zu lernen. Gerne übernehmen wir ihn am 01. August in die Ausbildung. Bis dahin macht er eine Einstiegsqualifizierung und lernt viel für seinen künftigen Beruf kennen, sodass ihm auch der Start in die Ausbildung leichter fallen wird“, so Saß. Die EQ orientiert sich an Ausbildungsinhalten anerkannter Ausbildungsberufe und die Jugendlichen besuchen die Berufsschule. Es handelt sich um ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, bei dem zwischen Betrieb und den jungen Menschen ein Vertrag abgeschlossen und eine Vergütung gezahlt wird. Die Unternehmen erhalten von der Agentur für Arbeit beziehungsweise dem Jobcenter einen Zuschuss zur EQ-Vergütung sowie eine Pauschale für Sozialversicherungsabgaben. „Bevor Ihr in eine Ausbildung startet, solltet Ihr ein Praktikum machen. So könnt Ihr viel besser feststellen, ob es das Richtige für Euch ist oder Ihr Euch etwas ganz anderes darunter vorstellt“, empfiehlt der 17-jährige Schüler.

Angebote für Unternehmen: „Ich möchte alle Unternehmen in Lübeck und Ostholstein bitten, in ihrer Ausbildungsbereitschaft nicht nachzulassen. Entdecken Sie mit uns die versteckten Talente, die zu Fachkräften in Ihrem Unternehmen entwickelt werden können. Bei Bedarf unterstützen wir mit der „Assistierten Ausbildung“ – unserem kostenfreien Angebot an zusätzlichem Unterricht und sozialpädagogischer Begleitung. Gerne informieren wir Sie zu den Angeboten. Den Arbeitgeber-Service erreichen Sie unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20“, bietet von Gaudecker an. Unterstützung für Jugendliche rät er: „Es ist noch nicht zu spät für den Start in diesem Jahr. Eine duale Ausbildung bietet viele spannende und anspruchsvolle Berufe – auch für Abiturienten. Ihr werdet in vielen Branchen gebraucht und habt als ausgelernte Fachkraft die besten Aufstiegs- und Entwicklungsperspektiven. Nehmt Eure Zukunft jetzt in die Hand! Die Berufsberatung unterstützt Euch bei der Berufswahl.“

Termine mit der Berufsberatung können Jugendliche auf der Internetseite www.arbeitsagentur.de/luebeck vereinbaren. In den Sommerferien können sie ohne Termin montags bis freitags von 08:00 bis 12:30 Uhr und donnerstags zusätzlich von 14:00 bis 17:00 Uhr in der Jugendberufsagentur, Hans-Böckler-Straße 1, 23560 Lübeck, vorbeikommen. Tipps und Adressen rund ums Praktikum bieten diese Internetseiten www.arbeitsagentur.de, www.arbeitsagentur.de, praktikum-hansebelt.de und https://praktikumsh.de.

Daten zum Ausbildungsmarkt
Seit Beginn des Beratungsjahres im Oktober 2025 nahmen 2058 Bewerber die Ausbildungsvermittlung der Agentur für Arbeit Lübeck in Anspruch. Das waren 28 mehr als im letzten Jahr. 848 (-54) Jugendliche suchten im Juni noch eine Stelle, 545 davon in der Hansestadt Lübeck und 303 im Kreis Ostholstein.

Von den Betrieben wurden 2.381 Ausbildungsstellen angeboten. Das waren 269 Stellen weniger als im Vorjahr. Davon waren im Juni 2026 noch 977 (–468) zu besetzen. Rechnerisch kamen damit 1,2 noch offene Ausbildungsstellen auf einen unversorgten Bewerber (Vorjahr 1,6). In der Hansestadt Lübeck werden bei 487 Stellen noch Nachwuchskräfte gesucht und im Kreis Ostholstein bei 490.

Gute Chancen gibt es zum Beispiel noch in Fertigungsberufen wie Elektroniker oder Mechatroniker, in Ernährungsberufen wie Bäcker, Fleischer oder Koch, im Hotel- und Gastgewerbe wie Fachkraft Gastronomie, Fachmann Restaurants und Veranstaltungsgastronomie oder Hotelfachmann, in Dienstleistungsberufen wie Verkäufer, Kaufmann im Einzelhandel, Groß- und Außenhandel, Versicherungen und IT-System-Management, in Bauberufen wie Maurer, Straßenbauer, Tiefbaufacharbeiter oder Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
sowie in Gesundheitsberufen wie Altenpflegehelfer oder Pflegefachmann.

„Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele andere interessante Berufe, an die oft gar nicht gedacht wird, wie zum Beispiel Fachkraft Möbel-, Küchen- und Umzugsservice, Kaufmann Digitalisierungsmanagement, Oberflächenbeschichter oder Technischer Produktdesigner, um nur einige zu nennen. Macht jetzt Eure Ausbildung klar und werdet zur gesuchten Fachkraft“, rät der Geschäftsführer Operativ.

Top 10 der unbesetzten Ausbildungsplätze in der Hansestadt Lübeck:
• Kaufmann im Einzelhandel (58)
• Verkäufer (31)
• Fachkraft für Lagerlogistik (21)
• Fleischer (19)
• Elektroniker – Energie-/Gebäudetechnik (17)
• Kaufm. – Groß-/Außenhandelsmanagement – Großhandel (17)
• Fachverkäufer – Lebensmittelhandwerk – Fleischerei (14)
• Kaufmann – Büromanagement (14)
• Anlagenmechaniker – Sanitär-/Heizungs- und Klimatechnik (13)
• Fachlagerist (11)

Top 10 der unbesetzten Ausbildungsplätze im Kreis Ostholstein:
• Kaufmann im Einzelhandel (64)
• Verkäufer (50)
• Koch (24)
• Fachwirt – Handel (Ausbildung, 17)
• Fachverkäufer – Lebensmittelhandwerk – Fleischerei (17)
• Hotelfachmann (17)
• Fachmann-Restaurants und Veranstaltungsgastronomie (17)
• Kaufmann – Büromanagement (14)
• Berufskraftfahrer (11)
• Fachverkäufer – Lebensmittelhandwerk – Bäckerei (11)

Henri Christen lernt bereits im Praktikum vieles kennen und darf mit anpacken, wie zum Beispiel bei einer mobilen Heizung. Fotos: Arbeitsagentur

Henri Christen lernt bereits im Praktikum vieles kennen und darf mit anpacken, wie zum Beispiel bei einer mobilen Heizung. Fotos: Arbeitsagentur


Text-Nummer: 180804   Autor: Arbeitsagentur/red.   vom 22.07.2026 um 16.33 Uhr

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