Die Geschichte eines Mädchens als Mahnung für die Gegenwart
Lübeck - Innenstadt: Das Schicksal von Anne Frank berührt auch mehr als acht Jahrzehnte nach den Ereignissen des Holocaust Menschen auf der ganzen Welt. Vom 24. August bis zum 18. September 2026 macht die renommierte Wanderausstellung des Anne-Frank-Zentrums Berlin unter dem Titel „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ Station in der St.-Jakobi-Kirche zu Lübeck.Unterstützt von der Michael-Haukohl-Stiftung anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens sowie zahlreichen regionalen Kooperationspartnern bietet das Projekt nicht nur historische Einblicke, sondern schlägt auch eine Brücke zu aktuellen Fragen von Toleranz, Zivilcourage und Menschenrechten. Der Eintritt zur Ausstellung ist kostenfrei.
Historischer Kontext und Blick nach vorn
Im Zentrum der Ausstellung stehen großformatige Bildwände, die das kurze Leben Anne Franks nachzeichnen: von ihrer Kindheit in Frankfurt am Main über die Flucht vor den Nationalsozialisten und die Jahre des Verstecks in Amsterdam bis hin zu ihrer Deportation und den letzten Monaten in den Konzentrationslagern Westerbork, Auschwitz und Bergen-Belsen. Die persönliche Biografie wird dabei stets mit dem zeithistorischen Kontext – dem Aufstieg des Nationalsozialismus, der Judenverfolgung und dem Zweiten Weltkrieg – verwoben.
Herzstück der Präsentation ist ein eigens gestalteter Gedankenraum zum Versteck im Hinterhaus. Audiozitate würdigen Anne Frank als Chronistin ihrer Zeit und lassen Besucher hautnah an ihren Gedanken teilhaben. Zugleich richtet sich die Wanderausstellung mit drängenden Fragen direkt an die Jugend von heute: „Wer bin ich? Wer sind wir? Wen schließe ich aus?“ Kurzfilme und Interaktionsstationen regen dazu an, über eigene Vorurteile, Diskriminierung und den eigenen Beitrag zu einer offenen Gesellschaft nachzudenken („Was kann ich bewirken?“).
Peer-Guided-Führungen: Jugendliche vermitteln Jugendlichen Geschichte
Ein besonderes Konzept zeichnet die Vermittlung aus: Durch die Ausstellung führen sogenannte „Peer Guides“ – Schülerinnen und Schüler der Lübecker Ernestinenschule, die zuvor vom Team des Anne Frank Zentrums intensiv geschult wurden. Diese Führungen von Jugendlichen für Jugendliche richten sich vor allem an Schulklassen ab der 7. Jahrgangsstufe. Ergänzend engagieren sich auch Schülerinnen und Schüler des Katharineums, die unter anderem Führungen durch die Lübecker Synagoge und thematische Altstadtrundgänge zu Orten der Verfolgung erarbeitet haben und für Schulklassen anbieten.
Vielseitiges Begleitprogramm für Öffentlichkeit und Schulen
Rund um die Ausstellung in St. Jakobi haben das Kulturbüro der Hansestadt Lübeck, kirchliche Einrichtungen, Gedenkstätten, Kulturinstitutionen und Schulen ein dichtes Begleitprogramm auf die Beine gestellt:
Spurensuche vor Ort (Mittwoch, 26.08.2026, 19:30 Uhr, Haus der Begegnung): Dr. Gerhard Eikenbusch, Martin Hernnkind und Jochen Proske berichten über ihre Recherchen zum Schicksal verfolgter Lübecker Kinder und Jugendlicher jüdischer Herkunft.
Jüdisch-christlicher Erzählsalon (Donnerstag, 03.09.2026, 17:00 Uhr): Frauen treffen sich im Garten des Ev. Frauenwerks zum Austausch.
Synagogenführung (Sonntag, 06.09.2026, 10:00 Uhr): Öffentliche Führung durch die Lübecker Synagoge (St.-Annen-Straße 11–13, Anmeldung erforderlich).
Buchpräsentation und Gespräch (Mittwoch, 09.09.2026, 19:00 Uhr, Synagoge): Autor Thomas Sparr stellt sein Werk „Ich will fortleben, auch nach meinem Tod – Die Biographie des Tagebuchs der Anne Frank“ vor.
Menschenrechtswerkstatt (Samstag, 12.09.2026, 14:00 Uhr, Willy-Brandt-Haus): Diskussion und Handlungsmöglichkeiten rund um das Thema Menschenrechte.
Lesung „Monday Shorts“ (Montag, 14.09.2026, 19:30 Uhr, Theater Lübeck/The Lüb): Szenische Lesung aus den Tagebüchern mit Musik.
Theaterproduktion „Name: Sophie Scholl“ (Dienstag, 15.09.2026, 10:00 und 19:00 Uhr, Stadtbibliothek Lübeck): Eine Inszenierung des Theater Lübeck über Zivilcourage und den Widerstand der „Weißen Rose“.
Pop-Up Zeit.LAB (21.09. bis 11.10.2026, Königstraße 49): Im Anschluss an die Ausstellung öffnet die Fachstelle Erinnerungskultur einen temporären Raum für Gespräch, Aufarbeitung und Ideen zum Gedenken in Lübeck.
Für Lübecker Schulklassen sind zudem kostenfreie Sonderveranstaltungen wie hip-hop-pädagogische Workshops gegen Diskriminierung, Kreativ-Schreibwerkstätten, Filmvorführungen im Kommunalen Kino („Wo ist Anne Frank?“) und Ausstellungsbesuche in der Lutherkirche verfügbar.
Service und Besucherinformationen
Ausstellungsort: St. Jakobi zu Lübeck, Jakobikirchhof 3, 23552 Lübeck
Laufzeit: 24. August bis 18. September 2026
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag: 10:00–17:00 Uhr, Sonntag: 12:00–17:00 Uhr
(Zugänglich außerhalb von Gottesdiensten und Veranstaltungen)
Eintritt: Frei
Führungen für Schulklassen: Mo.–Fr. 9:00 Uhr und 11:00 Uhr (Anmeldung unter info@michael-haukohl-stiftung.de / Telefon 0451 5808616)
www.michael-haukohl-stiftung.de

Vom 24. August bis zum 18. September 2026 macht die renommierte Wanderausstellung des Anne Frank Zentrums Berlin unter dem Titel „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ Station in St. Jakobi. Foto: Fotostudio Brandes
Text-Nummer: 180926 Autor: Veranstalter/red. vom 02.08.2026 um 11.34 Uhr
