Workshop: Lübecks coole Frauen sollen sichtbarer werden

Lübeck: Wenn man durch Lübeck geht und nach Darstellungen von Frauen sucht, stößt man meist auf Allegorien, Grazien oder namenlose Figuren – wie etwa die Statuen an der Puppenbrücke oder Fassadenschmuck. Konkrete historische Frauenpersönlichkeiten sucht man als Statuen oder im öffentlichen Gedenken bisher weitgehend vergebens. Das Frauenbüro der Hansestadt möchte das ändern.

Frauen prägen die Stadt der drei Nobelpreisträger
Lübecks Stadtgeschichte ist von Frauen geprägt, deren Namen sich in Straßenschildern und Publikationen finden. Trotzdem bleibt da in der „Stadt der drei Nobelpreisträger“, wie es im Einladungsschreiben des Frauenbüros heißt, eine Leerstelle. Die Geschichte von Frauen in entscheidenden Bereichen des Lübecker Stadtlebens brauche mehr Sichtbarkeit.

Folgen der Unsichtbarkeit
Dabei gab und gibt es in Lübeck starke weibliche Führungspersönlichkeiten: „An der Spitze der Stadtbibliothek, in der Industrie- und Handelskammer, in der Kirche sowie in der Leitung von Hochschulen“, so das Frauenbüro. „Das Potenzial ist da – es muss nur sichtbar gemacht, gefördert und in die Breite getragen werden.“ Als Folgen der „Unsichtbarkeit“ von Frauen zählt das Büro auf: „In der Bürgerschaft sind Frauen bis heute deutlich unterrepräsentiert, Lübeck hatte in seiner Geschichte noch nie eine Bürgermeisterin, und ähnliche Muster finden sich in vielen weiteren Feldern der Stadtpolitik.“

Stadtführer sollen Lübeckerinnen eine Geschichte geben
Wer könnte die Geschichte der Frauen besser erzählen und vermitteln als die Stadtführerinnen, die tagtäglich mit unterschiedlichsten Menschen in Lübeck unterwegs sind? Sie sollen jetzt das kulturelle Gedächtnis einer Stadt um den oft vergessenen weiblichen Anteil erweitern, Identifikationsmöglichkeiten für alle schaffen und damit „den Boden für demokratische und geschlechtergerechte Partizipationsforderungen der Gegenwart“ bereiten.

Broschüre und Online-Ausstellung
Im September 2024 veröffentlichte das Frauenbüro der Hansestadt die Broschüre „Frauen auf Lübecker Straßen und Plätzen“ und erinnerte damit an Lübecker Persönlichkeiten wie Ida Boy-Ed, Elise Bartels oder Berta Wirthel. Und die Ausstellung „Frauen in der Lübecker Geschichte“ mit Porträts von 32 Lübeckerinnen aus dem Jahr 2005 gibt es inzwischen auch online unter
www.luebeck.de. Die Orte, wo die dort vorgestellten Frauen gelebt oder gewirkt haben, sind auch im GeoPortal der Stadt abgebildet.

Ein dunkles Kapitel: Hexenprozesse in Lübeck
Im Rahmen der Ausstellung „Frauen in der Lübecker Geschichte“, die immer noch online abgerufen werden kann, hat das Frauenbüro bereits auf die Opfer der Hexenprozesse aufmerksam gemacht. Gleichwohl reißen keine Tafel und kein Denkmal die Namen aus dem Vergessen. Eine Stadtführerin startet angesichts dieser Verlegenheit ihre Erläuterungen ausgerechnet beim Teufel (Wir berichteten). „Es gibt keine Tour, die nur das Thema Hexenverfolgung behandelt. Bei unseren Touren Lubeca Mystica, Nachtwächter oder Lübeck rechtlich sowie Lübeck weiblich, kann das aber mal eine Rolle spielen“, sagt Carolin Teubert-Borchert, 2. Vorsitzende der Lübecker Stadtführer, auf Nachfrage. Und Elke Sasse vom Frauenbüro erklärt: „Aktuell haben wir keinen Fokus auf dem Thema“, verweist aber auf den November-Workshop mit den Stadtführern. Dort solle ja erarbeitet werden, an welcher Stelle Frauengeschichte in Lübeck sichtbarer gemacht werden kann. „So eine Gedenktafel zum Thema könnte es auf jeden Fall sein“, so Sasse.

Auftakt für neue Formate
Der Workshop mit den Lübecker Stadtführern soll der Auftakt sein, um neue Formate zu entwickeln und die Geschichten der Frauen sichtbarer zu machen. „Gemeinsam möchten wir Geschichten, Orte und Themen aufnehmen, die bislang verborgenen Spuren sichtbar machen und dazu einladen, die oftmals verborgenen Fundstellen zu sichern und so die Frauengeschichte Lübecks präsenter zu machen – damit aus dem verborgenen oder bereits gehobenen Wissen auch erlebbare (Frauen‑)Geschichte wird“, so das Frauenbüro in der Einladung an die Stadtführer.

Durchblick erwünscht: Während diese namenlose Figur an der Puppenbrücke bereits cool durch die Sonnenbrille blickt, fehlt im Lübecker Stadtbild noch die Sichtbarkeit echter historischer Frauen. Foto: HN

Durchblick erwünscht: Während diese namenlose Figur an der Puppenbrücke bereits cool durch die Sonnenbrille blickt, fehlt im Lübecker Stadtbild noch die Sichtbarkeit echter historischer Frauen. Foto: HN


Text-Nummer: 180930   Autor: Helge Normann   vom 29.07.2026 um 14.57 Uhr

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