Über den Tod hinaus verbunden: Kolumbarium stellt neue Paar-Urne vor

Lübeck - Innenstadt: Drei Viertel aller Ehen in Deutschland halten bis zum Tod. Für manche Paare stellt sich deshalb schon zu Lebzeiten die Frage: Wie bleiben wir über den Tod hinaus miteinander verbunden? Auf diesen Wunsch nach bleibender Nähe reagiert das Kolumbarium „Die Eiche“, ein überkonfessioneller Urnenfriedhof in Lübeck, mit der neu entwickelten Paar-Urne „Uno“. Sie ermöglicht die gemeinsame Beisetzung zweier Menschen – eine Form der Doppelbestattung, die es bislang in Deutschland nicht gibt.

„In unseren Beratungsgesprächen erleben wir immer wieder, dass Menschen bei der Bestattungsvorsorge nicht nur an sich selbst denken“, sagt Peggy Morenz, Mitinitiatorin des Kolumbariums „Die Eiche“. „Sie sprechen darüber, mit wem sie ihr Leben geteilt haben und mit wem sie sich auch nach dem Tod verbunden fühlen möchten. Daraus entstand die Idee zur Paar-Urne.“

Vielen Menschen fällt es immer noch schwer, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Laut einer aktuellen YouGov-Studie haben sich 63 Prozent der Deutschen bislang nicht mit ihrer eigenen Bestattung beschäftigt. Knapp ein Drittel begründet es damit, dass sie das Thema als unangenehm empfinden und absichtlich verdrängen. Daran erinnert auch der Memento-Tag am 8. August. Er ruft dazu auf, sich bewusster mit Sterben, Tod, Trauer und Vorsorge zu befassen, nicht erst dann, wenn ein Abschied unmittelbar bevorsteht.

„Dabei kann die Auseinandersetzung mit der letzten Ruhe auch etwas Tröstliches haben“, so Morenz. „Sie eröffnet die Möglichkeit, über Sehnsüchte und Wünsche zu sprechen und auf das bisherige Leben mit den eigenen Liebsten zurückzublicken. Mit der Paar-Urne möchten wir das Thema Tod mit der Hoffnung verbinden, auch im nächsten Kapitel nicht voneinander getrennt zu werden.“

Ob aus romantischer oder platonischer Liebe: für Partner, Geschwister, enge Freunde, die Wahlfamilie…

Der Wunsch nach einer gemeinsamen letzten Ruhe in eingeäscherter Form ist nicht neu. Bereits die Etrusker nutzten Doppel-Urnen für Ehepaare. Auch heute bietet die Bestattungsindustrie Doppel-Urnen an. Anders als bei den wenigen am Markt erhältlichen verzichtet die neu entwickelte Paar-Urne aus Lübeck jedoch auf ein Detail: die innere Trennwand. Ihre ovale Form verbindet zwei Gefäße zu einem gemeinsamen Ganzen.

Gefertigt wird sie aus Ostseesand. Eine geschwungene Linie deutet die Individualität der beiden Menschen an, ohne sie voneinander zu trennen. Die Aschen der Verstorbenen befinden sich in separaten, weichen Behältnissen im Inneren der Urne; eine Vermischung findet aus rechtlichen Gründen nicht statt.

Die Paar-Urne richtet sich jedoch nicht ausschließlich an Ehepaare. Auch nicht eingetragene Partner, gleichgeschlechtliche Paare, Geschwister, langjährige Freundinnen und Freunde oder Menschen, die sich als Wahlfamilie verstehen, können gemeinsam beigesetzt werden.

„Enge Beziehungen definieren sich heute nicht allein über klassische Familienstrukturen oder die Ehe“, sagt Michael Angern, Mitinitiator der Eiche. „Entscheidend ist die Frage, wer das eigene Leben geprägt hat. Genau diesen Menschen möchten viele auch über den Tod hinaus nahe bleiben.“

Die neue Paar-Urne aus Lübeck richtet sich an Eheleute, nicht eingetragene Partner, gleichgeschlechtliche Paare, Geschwister, langjährige Freundinnen und Freunde oder Wahlfamilien. Foto: Michael Haydn

Die neue Paar-Urne aus Lübeck richtet sich an Eheleute, nicht eingetragene Partner, gleichgeschlechtliche Paare, Geschwister, langjährige Freundinnen und Freunde oder Wahlfamilien. Foto: Michael Haydn


Text-Nummer: 180948   Autor: Columbarium/red.   vom 30.07.2026 um 12.52 Uhr

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