Premierenjubel für „Nacht in Venedig“
Lübeck - Innenstadt: Am 31. Juli 20 26 feierte das Ensemble der Lübecker Sommeroperette vor ausverkauftem Haus mit der Großen Venezianischen Revue „Nacht in Venedig“ einen umjubelten Erfolg!Als „südliche Schwester“ bezeichnete Thomas Mann Lübecks Partnerstadt Venedig, und er stellte die – nicht unumstrittene – These auf, das Rezept jener „üppigen Magenbelastung“ namens Marzipan sei über Venedig nach Lübeck gekommen. Fraglos unbestritten ist Venedigs Ruf als Kulturstadt, man denke allein an all die Musik, die dort komponiert wurde oder die sich auf die Serenissima bezieht. Aus diesem üppigen Schatz hat der Intendant Michael P. Schulz für die Lübecker Sommeroperette eine Große Venezianische Revue mit annähernd 50 Nummern aus Opern, Operetten und aus der Frühzeit des Musicals in chronologischer Folge zusammengestellt: „Nacht in Venedig“. Darin finden sich illustre Komponistennamen wie z.B. Antonio Vivaldi, Jaques Offenbach, Johann Strauß, Giuseppe Verdi, Nico Dostal, Franz Grothe und Robert Stolz. Alle vereint, dass sie Venedig persönlich kannten!
Bereits der „Aperitif“ einiger Revue-Ausschnitte im Programm der „Sommernacht der Musik“ am 28. Juli im gläsernen Opernhaus am Travemünder Kreuzfahrtterminal Ostpreußenkai weckte eine riesige Vorfreude auf diese Venedig gewidmete Revue! Diese Vorfreude hat sich vollkommen eingelöst, erneut direkt am Wasser, auch dies ganz in venezianischem Sinne, bei der umjubelten Premiere im Schuppen 6 am Drehbrückenplatz.
Mehrere Ensemble-Mitglieder sind dem Publikum der Sommeroperette seit Jahren bekannt, so die Sopranistin Sonja Pitsker. Sie verzauberte mit ihrem brillanten Gesang und mit ihrer darstellerisch-authentischen Virtuosität – etwa in dem Duett „Ich spiel mit dir“ (aus: „Hochzeitsnacht im Paradies“ von Friedrich Schröder). Hier war ihr Partner der kurzfristig eingesprungene argentinisch-italienische Tenor Rolando Guy, der mit seinem wunderbaren stimmlichen Schmelz und mit sympathischer Spielfreude begeisterte. Auch die Sopranistin Angelina Billington begeisterte mit ihrer sensiblen Darstellungsgabe und einer bis in die Höhe strahlenden Stimme. Aus den vielen unterschiedlichen Nummern des Programms mit ihrer Mitwirkung ragte das von ihr so anrührend gesungene „Ave Maria“ aus Verdis „Otello“ heraus. Iago Ramos ließ einen Gänsehautschauer verspüren durch seine intensive, zwischen tenoraler Stärke und Zurücknahme bis ins Pianissimo changierende Stimme. Die enorme Weite der Amplituden und Klangfarben besonders in „Esultate! – Dio! Mi potevi scagliar“ aus Verdis „Otello“ seien exemplarisch genannt. Der Bassbariton Jost Salm rundete das Ensemble durch die Tiefe seiner klangvollen Stimme voller Wärme und Charakter. Hervorzuheben seien seine exzellente Textverständlichkeit und eine unaufdringliche Komik, wo sie die Rolle, das Stück einfordert. Beispielhaft sei genannt seine anspielungsreiche, kecke Interpretation von Franz Grothes „Ein Mann, der nie eine Dummheit macht“ (aus: „Die Nacht mit Casanova“).
Die bunte Vielfalt des Programms, dargeboten vor projizierten Venedig-Ansichten, wurde auf wundervolle Weise intensiviert durch eine Reihe sehr unterschiedlicher Ballett-Nummern, bei denen auch die reizvoll wechselnden Kostüme erfreuten. Je nachdem, ob das zehnköpfige Damen-Ensemble zum Zuspiel von „Rondò Veneziano“ rhythmisch prononciert agierte oder zu Vivaldis „Der Sommer“ einen bravourösen Spitzentanz präsentierte: Durchwegs überzeugte das junge Ensemble mit seiner Darbietung der facettenreichen, kreativen Choreographie von Annamaria Weber und von ihrer Tanz- und Ballettlehrerin Renate Kuppig.
Die musikalische Leitung lag bei Kapellmeister Adrian Pavlov in den besten Händen. Außer seiner stupenden Klaviertechnik, im Einklang mit feinster agogischer Empathie, gab er dem Ensemble präzise Einsätze und führte auch durch seine ausdrucksvolle Gestik das vom künstlerischen Leiter Michael P. Schulz dramaturgisch klug zusammengestellte Revue-Programm seinem großen Erfolg entgegen.
Begeisterter Applaus und Bravos
Mit begeistertem Applaus, durchsetzt von Bravos, dankte das Publikum den vielen Ausführenden, der Choreographin und Ballettleiterin Renate Kuppig sowie dem Intendanten Michael P. Schulz. Auf der Bühne und im Publikum schaute man in lauter bezauberte Gesichter! Was will man mehr?
Das ehrenamtliche Wirken all der kulturell Begeisterten im veranstaltenden Verein Operette in Lübeck e.V. ist hervorzuheben, denn dadurch werden derartige Aufführungen ermöglicht! Björn Engholm hat es treffend formuliert: „Wenn es sie nicht schon gäbe, müsste sie dringend erfunden werden: Die Lübecker Sommeroperette! Als ebenso vergnügliche wie anspruchsvolle Muse komplettiert sie das Musikangebot unserer Stadt aufs Allerfeinste.“
Weitere Vorstellungen der „Nacht in Venedig“ (jeweils im Schuppen 6) am 1.8. (19 Uhr), 2.8. (14.30), 7.8. (19), 8.8. (14.30), 9.8. (14.30).

Alle Mitwirkenden beim finalen „Arrivederci, bella Italia“ von Robert Stolz. Foto: Uwe Bremse/Sommeroperette Lübeck
Text-Nummer: 180982 Autor: Michael Töpel vom 01.08.2026 um 08.54 Uhr
