Viertel nach Zwölf: Prächtiger Abschluss der Saison

Lübeck - Innenstadt: Sehr gut besucht war das Abschlusskonzert der sommerlichen Kammermusikreihe „Viertel nach zwölf“, immer sonnabends in der Katharinenkirche. Dies zeigte wieder einmal, wie beliebt diese Reihe in Lübeck ist, und auch unter den Touristen gibt es in jedem Jahr zahlreiche Liebhaber der Alten Musik.

Hans-Jürgen Schnoor wartete mit zwei bekannten musikalischen Kostbarkeiten auf, die es in sich hatten und so meisterhaft und engagiert dargeboten wurden, dass nur begeisterte Zuhörer einen der schönsten Kirchenräume Lübecks verließen. Zunächst das Cembalokonzert in g-Moll BWV 1058 von Johann Sebastian Bach (1685-1750).

Der Cembalopart ist virtuos, doch gelang es Schnoor, im perfekten Zusammenspiel mit den Streichern nicht nur als exponierter Solist, sondern vor allem als Teil des Gesamtensembles zu wirken. Vier junge Musiker stellten ihre Begabung und ihre große Motivation unter Beweis: Anna Böhmer und Tadeo Gil (Violine), Haylin Park (Viola) und Filip Mikulski (Violoncello) studieren an der Musikhochschule Lübeck und profitieren gleichzeitig durch solche Aufführungen von Schnoors großer Erfahrung mit allen Facetten frühklassischer und barocker Kammermusik. Am Kontrabass verstärkte Alf Brauer die Continuostimme, auch er ist ein ausgewiesener Spezialist für Alte Musik. Die Musiker spielten auf modernen Instrumenten, jedoch mit Barockbögen, um sich einem authentischen Klang möglichst anzunähern.

Händels „Silete venti“ ist ein geistliches Werk, auf das die Bezeichnungen Motette oder Kantate angewandt werden, doch das seine Nähe zu einer hochdramatischen Barockoper nicht leugnen kann. Nach einer „Symphonia“ in Art einer französischen Ouvertüre folgen je zwei Rezitative und Arien, welche den Kontrast zwischen tief religiöser Sehnsucht in kontemplativer Stille und heftigen, ursprünglichen Naturerscheinungen thematisieren. Der Solopart steht denen in anspruchsvollen Opern in nichts nach, er fordert eine hochqualifizierte Stimme – der versierten Sopranistin Maike Albrecht gelangen die extremen Facetten von weichen und geschmeidigen Linien ebenso glänzend wie atemberaubende, glasklare Koloraturen in höchsten Höhen.

Souverän fügte sich Shana Hoshino (Oboe), auch sie eine Studentin an der Lübecker Musikhochschule, ins aufregende Geschehen.

Mit einem prächtig jubilierenden „Alleluja“ endete das Konzert – und die diesjährige Saison der „Viertel nach zwölf“-Konzerte in St. Katharinen.
Mit dem Konzert am Samstag endete die Reihe in dieser Saison. Foto: Svea Regine Feldhoff
Mit dem Konzert am Samstag endete die Reihe in dieser Saison. Foto: Svea Regine Feldhoff

Text-Nummer: 181095    Autor: Svea Regine Feldhoff    vom 8.8.2026 21.30 Uhr