Lindenteller: Grüne machen Druck und schlagen Lösungen vor

Lübeck: Die für Sommer geplante Umgestaltung des Lindentellers wurde auf kommendes Jahr verschoben (wir berichteten). Dabei hatte die Politik der Verwaltung per einstimmigem Beschluss ausdrücklich aufgetragen, Deutschlands gefährlichsten Kreisverkehr endlich zu entschärfen.

Wir veröffentlichen die weitere Mitteilung der Lübecker Grünen im Wortlaut:

(")Im April lag nun endlich ein Vorschlag zur Entschärfung des Kreisverkehrs auf dem Tisch, der vom Bauausschuss auch so beschlossen wurde. Wie nun bekannt wurde, sind die Kosten wesentlich höher als kalkuliert, wodurch eine erneute Ausschreibung notwendig ist. Besonders enttäuschend ist aber, dass erneut viel Zeit verloren geht, weil die Verwaltung das beschlossene Konzept noch einmal überarbeiten muss, nachdem der Politik die eindringlichen Einwände des Stadtverkehrs vorenthalten wurden, die vor einem Ausbremsen des Busverkehrs warnen.

Dazu erklärt der verkehrspolitische Sprecher der Grünen Fraktion, Arne-Matz Ramcke:

"Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass am Lindenteller endlich etwas passieren muss. Als Grüne haben wir bereits Jahre vor der traurigen Krönung als gefährlichster Kreisverkehr Deutschlands Haushaltsmittel für die Planung einer Umgestaltung beantragt. Uns war immer klar: Dieser Unfallschwerpunkt muss dringend entschärft werden. Besonders dramatisch ist die Situation für den Radverkehr. Wer von der Puppenbrücke kommt, wird ohne Vorwarnung auf eine zweispurige Fahrbahn mit Autos und Linienbussen geleitet. Das ist weder zeitgemäß noch sicher. Genau deshalb besteht hier seit Jahren dringender Handlungsbedarf.

Jeder Tag mit diesem inzwischen rechtlich nicht mehr zulässigen Verkehrsknotenpunkt ist ein Tag zu viel. Hinzu kommt, dass das Projekt durch die aktuellen Kostensteigerungen von Jahr zu Jahr teurer wird. Wir müssen jetzt handeln, auch wenn es Geld kostet. Die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer muss es uns wert sein. Insbesondere die Kommunikation zwischen Verwaltung und Politik muss besser werden. In der Vorlage der Verwaltung wurden die unterschiedlichen Bedürfnisse von Stadtverkehr und Verwaltung nicht dargelegt und damit auch eine politisch zu lösende Konfliktlinie nicht offengelegt. Die Bedenken der Stadtwerke mobil zu den Umbauplänen sind für die politische Entscheidungsfindung wichtig. Besonders unzufriedenstellend ist, dass derzeit offenbar niemand sagen kann, wie es nun konkret weitergeht. Nach all den Jahren stehen wir wieder am Anfang. Das ist für alle Menschen, die den Lindenteller täglich nutzen müssen, schlicht nicht hinnehmbar.

Wir erwarten jetzt, dass die Verwaltung umgehend einen belastbaren Zeitplan vorlegt und alles daransetzt, die Umgestaltung schnellstmöglich umzusetzen. Jeder weitere Aufschub bedeutet, dass dieser Unfallschwerpunkt unnötig bestehen bleibt."

Sascha Peukert, Mitglied im Bauausschuss, ergänzt:

"Der ursprüngliche Vorschlag der Umgestaltung des Lindentellers in eine Interimslösung stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Obwohl die Notwendigkeit seit Jahren absehbar war, wurden die Pläne der Verwaltung dafür erst kurz vor knapp vorgestellt und mit Druck durch die politischen Gremien gedrückt. Es gab nicht mal eine vernünftig lesbare Planskizze. Alles mit dem – nun gescheiterten – Ziel, dass der Platz noch in diesen Sommerferien umgestaltet werden kann. Die Strategie der Verwaltungsspitze, die wir enttäuschenderweise aus der Presse erfahren haben, jetzt ein Jahr nichts zu tun und darauf zu hoffen, dass das Land diesen katastrophalen Zustand irgendwie weiterhin toleriert, ist absolut inakzeptabel. Lübeck darf nicht weiter zusehen, wie Menschen an dieser Stelle zu Schaden kommen. Wir lassen ja auch keine Häuser brennen, nur weil es komplex sein könnte, sie zu löschen.

Dabei gibt es durchaus viele weitere kleinere Lösungen, mit denen sich der Radverkehr um den Lindenteller herumleiten und das dortige Gefahrenpotenzial in der Zwischenzeit zumindest verringern ließe. Vor allem geht es zunächst darum, die sinnvollen Radverbindungen über die Stadtgrabenbrücke attraktiver zu gestalten. Ein paar Beispiele: Es müssten endlich die Radwegweiser aktualisiert werden. Diese sind auch Monate nach Eröffnung der Stadtgrabenbrücke immer noch fehlerhaft. Des Weiteren müssten die Ampelschaltungen vor der MuK, an der Werner-Kock-Straße Ecke Fackenburger Allee, aber auch wenn man von der Willy-Brand-Allee Richtung Posselstraße fährt, angepasst werden. Zudem brauchen wir an der Willy-Brand-Allee für Radfahrer, die Richtung Holstentorplatz abbiegen wollen, ordentliche Aufstellflächen an der Ampel.

Vorschläge wie diese bringen wir seit Jahren immer wieder in den Ausschusssitzungen zur Sprache. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Verwaltung den Umbau des Mühlentortellers zu einer teuren, ampelgeregelten Kreuzung mit großem Tempo vorantreibt, ist das träge Vorgehen beim Unfallschwerpunkt Lindenteller besonders irritierend. Wer Verkehrssicherheit wirklich ernst nimmt, muss dort zuerst handeln, wo die Gefahr für die Menschen am größten ist.(")
Die Grünen fordern als erste Maßnahmen beim Lindenplatz eine bessere Beschilderung zur Stadtgrabenbrücke und geänderte Ampelschaltungen. Foto: HN/Archiv
Die Grünen fordern als erste Maßnahmen beim Lindenplatz eine bessere Beschilderung zur Stadtgrabenbrücke und geänderte Ampelschaltungen. Foto: HN/Archiv

Text-Nummer: 181099    Autor: Grüne/red.    vom 9.8.2026 12.10 Uhr