BI Kaltenhof zum Bahnausbau: Strategische Fehlsteuerung
Bad Schwartau: Die Bürgerinitiative BI Kaltenhof bewertet den Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamtes vom 31. Juli 2026 zur Hinterlandanbindung der festen Fehmarnbeltquerung als deutliches Warnsignal für die Verkehrspolitik in Schleswig-Holstein.Wir veröffentlichen die Mitteilung der Bürgerinitiative im Wortlaut:
(")Nach Einschätzung der BI wird in dem Beschluss unmissverständlich sichtbar, dass die Landesregierung ihre eigenen verkehrspolitischen Zielsetzungen im Bereich des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) nicht mit der erforderlichen Konsequenz in die laufende Infrastrukturplanung eingebracht hat.
Insbesondere die Ausführungen des Eisenbahn-Bundesamtes zum Knoten Lübeck zeigen, dass zentrale Ausbauperspektiven – insbesondere das dritte und vierte Gleis im Bereich Lübeck–Abzweig Waldhalle – nicht als verfestigte Planung berücksichtigt werden konnten, da sie landesseitig zeitlich zurückgestellt und nicht ausreichend konkretisiert wurden.
Das Eisenbahn-Bundesamt stellt damit faktisch fest, dass der Knoten Lübeck für spätere Ausbaustufen erneut überplant werden muss, sofern die vom Land selbst angestrebten SPNV-Leistungen im Rahmen des Deutschlandtaktes umgesetzt werden sollen.
Für die BI Kaltenhof ergibt sich daraus ein gravierender planerischer Widerspruch: Einerseits verfolgt das Land seit Jahren das Ziel eines leistungsfähigen und ausgebauten Schienenverkehrs mit zusätzlichen Verkehren Richtung Eutin, Kiel und Travemünde. Andererseits wurden die dafür notwendigen Infrastrukturmaßnahmen offenbar nicht mit der erforderlichen Verbindlichkeit in das aktuelle Verfahren eingebracht.
Die BI Kaltenhof warnt vor den absehbaren Folgen dieser Vorgehensweise. Wenn heute eine Infrastruktur nur in einer reduzierten Ausbaustufe errichtet wird, obwohl bereits absehbar ist, dass mittelfristig zusätzliche Gleise und Ingenieurbauwerke erforderlich sind, besteht die erhebliche Gefahr späterer Mehrkosten. Brücken, Trassenführungen, Stützkonstruktionen, Leitungen und weitere Anlagen müssten im Falle eines späteren Ausbaus teilweise erneut angepasst, umgebaut oder vollständig ersetzt werden.
Dies wäre aus Sicht der BI nicht nur wirtschaftlich fragwürdig, sondern auch ökologisch hoch problematisch. Jeder spätere Rückbau und Neubau verursacht zusätzliche CO₂-Emissionen, erhöht den Material- und Energieverbrauch und verlängert die Bauzeiten in der Region erheblich. Eine solche Entwicklung steht nach Auffassung der BI im klaren Widerspruch zu den selbst gesetzten Klimaschutzzielen des Landes.
Die BI Kaltenhof sieht darin ein strukturelles Problem: Politische Zielsetzungen und konkrete Infrastrukturplanung fallen zunehmend auseinander. Vor diesem Hintergrund verweist die BI auch auf aktuelle Diskussionen innerhalb der Deutschen Bahn, in denen von einer „organisierten Verantwortungslosigkeit“ in Entscheidungsstrukturen gesprochen wird. Nach Auffassung der BI besteht die Gefahr, dass sich vergleichbare Muster auch in der öffentlichen Infrastrukturplanung verfestigen: Ziele werden formuliert, Entscheidungen vertagt und spätere Mehrkosten als unvermeidlich dargestellt.
Die BI Kaltenhof betont ausdrücklich, dass es ihr nicht um die grundsätzliche Notwendigkeit der Hinterlandanbindung oder des Ausbaus der Schieneninfrastruktur geht. Im Gegenteil: Ein leistungsfähiger Schienenverkehr wird ausdrücklich unterstützt. Kritisiert wird jedoch die fehlende Konsequenz in der Umsetzung der eigenen politischen Ziele.
Die BI fordert daher die Landesregierung und die zuständigen Abgeordneten auf, die folgenden Fragen zu beantworten:
• Warum wurden die eigenen SPNV-Ausbauziele nicht mit ausreichender Verbindlichkeit in das aktuelle Planfeststellungsverfahren eingebracht?
• Warum wurde die Planung für das dritte und vierte Gleis im Bereich Lübeck–Abzweig Waldhalle nicht so weit verfestigt, dass eine gemeinsame und zukunftsfähige Gesamtplanung möglich gewesen wäre?
• Wie soll verhindert werden, dass heute errichtete Bauwerke später erneut umgebaut oder zurückgebaut werden müssen?
• Welche zusätzlichen Kosten und CO₂-Emissionen entstehen durch eine zeitlich entzerrte und nicht integrierte Planung?
• Wird die Landesregierung die Planung der zusätzlichen Gleise nun unverzüglich konkretisieren und mit der laufenden Infrastrukturplanung verzahnen?
• Wer übernimmt politische Verantwortung für mögliche Fehl-, Mehrfach- oder Umplanungen?
Die BI Kaltenhof fordert eine ehrliche und transparente Auseinandersetzung mit diesen Fragen. Nach Auffassung der Initiative ist es nicht ausreichend, auf spätere Planungsstufen zu verweisen.
Gerade bei langfristig wirksamen Infrastrukturprojekten müsse heute so geplant werden, dass spätere Umbauten strukturell ausgeschlossen oder zumindest minimiert werden.
„Nachhaltige Infrastrukturpolitik bedeutet, heute so zu planen, dass morgen nicht wieder abgerissen werden muss“, so die BI Kaltenhof.
Die Bürgerinitiative kündigt an, die weitere Entwicklung kritisch zu begleiten und die Öffentlichkeit über mögliche planerische, finanzielle und ökologische Konsequenzen fortlaufend zu informieren.(")
Zur Internetseite der Bürgerinitiative: www.bi-kaltenhof.de.
Zu den Plänen: www.eba.bund.de.

Die Bürgerinitiative Kaltenhof kritisiert die Planungen, da die Interessen des Schienennahverkehrs nicht berücksichtigt seien. Foto: BI/Archiv
Text-Nummer: 181247 Autor: BI/red. vom 16.08.2026 um 11.50 Uhr
