Mühlentor-Teller: Volt warnt vor Umbau zur Ampelkreuzung
Lübeck: Die geplante Umgestaltung des Mühlentortellers zu einer Ampelkreuzung stößt bei der Partei Volt auf scharfe Kritik. Ein Verkehrsexperte der Partei warnt in einer Mitteilung vor deutlich höheren Unfallrisiken und fordert den Erhalt des historischen Kreisverkehrs.Geht es nach der Partei Volt, ist der geplante Umbau des Mühlentortellers in eine klassische Ampelkreuzung ein verkehrspolitischer Fehler mit potenziell schwerwiegenden Folgen. In einer aktuellen Mitteilung positioniert sich die Partei klar für den Erhalt des Kreisverkehrs, der bereits seit 1952 den Verkehr am Mühlentor regelt. Das Hauptargument: Kreisverkehre seien für alle Verkehrsteilnehmer grundsätzlich sicherer.
Dr. Jürgen Wiegand, der vor seinem Engagement bei Volt über 20 Jahre als Verkehrssicherheitsexperte bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) tätig war, stützt sich dabei auf einfache physikalische Gesetzmäßigkeiten. „Den Kurvenradius des Kreisverkehrs durchfährt man meist so, dass kein Unwohlsein auftritt und die Lenkbewegungen nicht zu heftig werden“, erklärt Wiegand. Dies führe im Mühlentorteller zu einer maximalen Geschwindigkeit von kaum mehr als 20 km/h. Eine Kreuzung hingegen würde selbst bei einer Begrenzung auf 30 oder 50 km/h naturgemäß deutlich schneller befahren werden.
Lebensgefahr für Radfahrer und Fußgänger
Dieser Geschwindigkeitsunterschied sei für ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer überlebenswichtig. Bei einer Kollision mit 50 km/h liege die Wahrscheinlichkeit tödlicher Verletzungen bei 90 Prozent, bei 30 km/h immer noch bei 10 Prozent. Ein Kreisverkehr senke die Verletzungsschwere drastisch und unterstütze somit die sogenannte "Vision Zero" – das erklärte verkehrspolitische Ziel von null Verkehrstoten. Fachverbände wie die Unfallversicherer, der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) würden Kreisverkehre übereinstimmend als besonders sichere Knotenpunkte bewerten. Ein Umbau von einer Ampelkreuzung zu einem Kreisverkehr führe im Allgemeinen zu einer Reduktion der Unfälle um bis zu 80 Prozent, so die Partei.
Kritik am Argument der "Schulwegsicherheit"
Besonders irritiert zeigt sich Volt über die mehrfach angeführte Begründung der Stadtverwaltung, eine Ampelkreuzung würde die schulische Verkehrssicherheit verbessern. Wiegand hält dies für einen gefährlichen Trugschluss: „Der Schulweg war von jeher ein zeitkritisches Unterfangen. Rotlichtverstöße sind daher mehr als vorhersehbar.“ Kinder dürften keinen höheren Risiken ausgesetzt werden, nur weil man diese Zusammenhänge ignoriere.
Zudem bemängelt der Experte, dass das hohe Schüleraufkommen zeitlich sehr stark begrenzt sei. Eine Ampelanlage würde den Verkehr jedoch rund um die Uhr und sieben Tage die Woche ausbremsen. „Wer will schon an einer roten Ampel stehen, wenn sonst nichts passiert?“, fragt Wiegand.
Kompromissvorschlag: Zeitlich begrenzte Ampeln am Kreisel
Anstatt den Kreisverkehr komplett abzuschaffen, plädiert Volt dafür, den Knotenpunkt intelligent an die heutigen Zielsetzungen anzupassen. Sollte es zur Lenkung der Verkehrsströme nötig sein, könnten laut Wiegand zeitlich begrenzte Lichtzeichenanlagen installiert werden, um den Verkehr in Stoßzeiten zu dosieren. In den übrigen Zeiten könne der Kreisverkehr jedoch problemlos ohne Ampeln weiterfunktionieren. Zudem fordert die Partei, dass künftige Entwicklungen und neue Verkehrsträger – wie etwa die wachsende Radlogistik und Lastenfahrräder – zwingend in den Planungen berücksichtigt werden müssen.

Geht es nach der Partei Volt, soll der historische Kreisverkehr aus Gründen der Verkehrssicherheit unbedingt erhalten bleiben. Foto: Volt
Text-Nummer: 181267 Autor: Volt/red. vom 17.08.2026 um 12.27 Uhr
