Lübeck und Ostholstein kooperieren beim Restabfall
Lübeck: Die Hansestadt Lübeck und der Zweckverband Ostholstein planen eine enge Zusammenarbeit bei der Restabfallbehandlung. Ziel sind eine intelligentere Anlagennutzung, mehr Biogas und deutlich weniger Erdgas. Die Bürgerschaft soll dem Kooperationsvertrag Ende August zustimmen.Die Hansestadt Lübeck und der Zweckverband Ostholstein (ZVO) wollen künftig eng bei der Behandlung von Restabfall zusammenarbeiten. Im Mittelpunkt steht eine klare Arbeitsteilung: Der ZVO liefert seinen gesamten Restabfall in die Lübecker Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA). Dort wird der organische Anteil, der bislang fast 40 Prozent des Restabfalls ausmacht, zu Biogas umgewandelt. Aus dem verbleibenden Material entsteht ein hochwertiger Ersatzbrennstoff, der anschließend im Müllheizkraftwerk des ZVO in Neustadt in Holstein verbrannt wird. Auch der Ersatzbrennstoff aus dem Lübecker Restabfall soll dorthin gehen.
Für das Müllheizkraftwerk in Neustadt entfällt damit weitgehend die bisherige Stützfeuerung mit rund 230 000 Kubikmetern Erdgas pro Jahr. Gleichzeitig steigt in Lübeck die Biogasproduktion erheblich; die zusätzliche Menge entspricht umgerechnet dem Energiegehalt von etwa 1,5 Millionen Kubikmetern Erdgas. Nach Berechnungen der Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL) und des ZVO lassen sich so mehr als 10.000 Tonnen CO₂ pro Jahr vermeiden. Notwendige Transporte sollen möglichst klimaneutral mit Elektro-Lkw der EBL erfolgen. Zudem steigt die Entsorgungssicherheit, weil bei einem Anlagenausfall die jeweils andere Seite einspringen kann, soweit dies technisch möglich ist.
Wirtschaftlich soll die Zusammenarbeit fair und transparent ablaufen. Die Kosten werden nach tatsächlichen Mengen und den variablen Betriebskosten abgerechnet. Zusätzliche Investitionen, etwa die notwendige Erweiterung der MBA, werden über die Kooperation refinanziert. Weder Lübeck noch der ZVO sollen einseitig belastet oder bevorteilt werden. Theoretische Risiken etwa bei Umsatzsteuer oder Vergaberecht gelten als gering und beherrschbar. Auch mögliche Veränderungen der Abfallmengen durch besseres Trennverhalten der Bürger oder einen etwas schnelleren Verbrauch des Deponievolumens in Niemark werden als überschaubar eingeschätzt. Eine Erweiterung der Deponie wird ohnehin vorbereitet.
Die geplante Kooperation ist der zweite Schritt einer engeren Zusammenarbeit im Hansebelt. Bereits im Juni hatte die Bürgerschaft einem Vertrag zur gemeinsamen Bioabfallverwertung zugestimmt. Nun soll auch beim Restabfall gemeinsam gehandelt werden, um die Daseinsvorsorge klimafreundlicher, resilienter und wirtschaftlicher zu organisieren.
Die Beratung über den Kooperationsvertrag ist für den 27. August 2026 vorgesehen. Die Vorlage ist unter www.luebeck.de veröffentlicht.

Mit der Kooperation produziert Lübeck deutlich mehr Biogas und Ostholstein kann den Restabfall als Brennstoff verwenden. Foto: JW/Archiv
Text-Nummer: 181336 Autor: VG vom 19.08.2026 um 14.09 Uhr
