Ehemalige Kult-Gaststätte: Travemünder in Sorge um das Hein Mück

Lübeck - Travemünde: Einst Treffpunkt für Gruppen vom Radiostammtisch bis zu den Fitnessboxern, weithin gerühmt für das beste Labskaus im Ort, und heute ein trauriger Anblick: Die ehemalige Kult-Gaststätte "Hein Mück" hat es in das aktuelle "Schwarzbuch der Denkmalpflege" geschafft (wir berichteten). Bei vielen Travemündern reißt das alte Wunden auf: Im Netz kochen die Emotionen zwischen Nostalgie, Wut und handfesten Spekulationen hoch.

Ein Stück Travemünder Seele stirbt
Fast wie ein Modellhäuschen wirkt die kleine Gaststätte in der Vogteistraße heute, eingekesselt von modernen Neubauten. Im aktuellen „Schwarzbuch der Denkmalpflege 2024/25“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird das 1898 erbaute Schweizerhaus prominent als „gefährdet“ gelistet. Rund 120 Jahre lang hielt sich die älteste Gaststätte des Seebads, bis Ende 2019 – nach einer letzten großen Silvesterfeier – die Türen für immer schlossen.

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Das „Hein Mück“ in besseren Zeiten, hier eine Aufnahme aus dem Jahre 2008.

Viele Einheimische erinnern sich noch lebhaft an die geselligen Abende. Hier traf man sich nicht nur auf ein Bier; das "Hein Mück" war das heimliche Wohnzimmer vieler lokaler Gruppen. Der örtliche Radiostammtisch tauschte sich hier ebenso regelmäßig aus wie die Travemünder Fitnessboxer. Und wer deftige Seemannskost suchte, wusste: Das Labskaus im "Hein Mück" war eine Institution für sich. Doch der Geruch nach frischem Fisch und Bratkartoffeln ist längst verflogen. Geblieben ist ein Gebäude, das sichtlich dem Verfall preisgegeben ist.

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Die Travemünder Fitnessboxer, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2007, hatten sogar eine eigene Ecke im Hein Mück mit Erinnerungsfotos an der Wand.

Spekulationen und Vorwürfe im Netz
Der Bericht im Schwarzbuch hat in den sozialen Netzwerken eine Flut von Reaktionen ausgelöst. In den lokalen Facebook-Gruppen herrscht Einigkeit darüber, dass der Verlust schmerzt. „Schon traurig, dass eine Travemünder Institution so vernachlässigt wird. Kann man da nichts machen?“, fragt ein Nutzer stellvertretend für viele.

Doch aus der Trauer spricht zunehmend auch Wut auf den Eigentümer, der das denkmalgeschützte Gebäude laut Schwarzbuch abreißen und durch Wohnkuben ersetzen möchte. Viele Kommentatoren vermuten eine gezielte Strategie hinter dem bröckelnden Fachwerk. „Erhaltenswürdige Gebäude werden in Travemünde so lange vernachlässigt, bis man sie aus Sicherheitsgründen abreißen muss“, argwöhnt ein Diskussionsteilnehmer, während ein anderer zynisch hinzufügt: „Das ist wohl hier auch gewollt?“

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Das Team von „Radio Travemünde“ traf sich, wie hier im Dezember 2009, gern zum Radiostammtisch im „Hein Mück“.

Die Forderungen in den Kommentarspalten werden angesichts der Ohnmacht drastischer. Manche rufen gar nach staatlichen Eingriffen: „Enteignen, wenn der Eigentümer so ein Verhalten an den Tag legt! Wie kann man dieses kleine Schmuckstück so vernachlässigen?“ Für viele liegt das Motiv auf der Hand: „Die bittere Wahrheit: Es ist doch klar, dass mit dem Grundstück bei der Lage Millionen zu verdienen sind. Und das hat mehr Gewicht als ein hübsches altes Häuschen mit Geschichte.“

Zwischen Denkmalschutz und wirtschaftlicher Realität
Doch es gibt auch Stimmen, die vor zu einfachen Schuldzuweisungen warnen und die finanzielle Realität solcher Sanierungen in den Fokus rücken. „Eigentum bedeutet ja nicht zwangsläufig Reichtum“, merkt eine Kommentatorin an. „Wenn ich ein Denkmal-Gebäude kaufe, muss ich Idealismus und ein gut gefülltes Konto haben. Denn das Problem fängt ja schon bei der Sanierung an.“

Die zuständige Denkmalschutzbehörde der Hansestadt Lübeck hatte einen simplen Abriss zuletzt abgelehnt – das Gebäude sei durchaus sanierungsfähig. Dennoch wirft der offenkundige Stillstand bei den Bürgern Fragen nach der Durchsetzungskraft der Behörden auf: „Welche Maßnahmen hat die zuständige Denkmalschutzbehörde dem Eigentümer zur Sicherung und Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes aufgegeben – und wurden diese umgesetzt?“, fragt eine Nutzerin kritisch.

Wie es für das "Hein Mück" weitergeht, bleibt vorerst ungewiss. Klar ist nach der Nennung im Schwarzbuch jedoch: Das Schicksal der ehemaligen Kultkneipe ist nicht vergessen – und die Travemünder werden sehr genau hinsehen, was mit ihrem Stück Geschichte passiert.

Ein trauriger Anblick zwischen Neubauten: Die ehemalige Kult-Gaststätte

Ein trauriger Anblick zwischen Neubauten: Die ehemalige Kult-Gaststätte "Hein Mück", einst berühmt für ihr Labskaus, wird im aktuellen "Schwarzbuch der Denkmalpflege" als stark gefährdet gelistet. Fotos: Helge Normann


Text-Nummer: 181363   Autor: HN/red.   vom 23.08.2026 um 18.10 Uhr

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