Lübeck hatte einen vergleichsweise verträglichen Sommer

Lübeck: Der Sommer geht langsam zu Ende, deshalb nur ein paar Bemerkungen zu den nächsten zwei Wochen. Am Donnerstag kommt noch einmal ein heißer Tag, der wird aber am Freitag schon wieder vorbei sein. Danach stehen bis in den September hinein Temperaturen um die 20°C an und wir sehen sogar immer mal wieder ein Niederschlagsgebiet. Alles also nicht so besonders aufregend aus heutiger Sicht.


Die aktuelle Wetterlage. Grafik: Harald Denckmann

Zeit genug daher, dass Harald Denckmann einmal einen kurzen Rückblick auf die Lübecker Verhältnisse wirft. Insgesamt wurde ja offiziell errechnet, dass der Sommer in Europa aufgrund des Klimawandels wieder einmal deutlich heißer geworden ist. Waldbrände und Trockenheit haben sich bis nach Deutschland hinein ausgedehnt. Etliche Bundesländer hatten ausgedehnte Hitzeperioden, mit gesundheitlichen Gefahren für Mensch und Tier.

Verglichen mit diesem allgemeinen Trend sind wir in Lübeck bis auf die Trockenheit noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Da man sich an Wetterereignisse meistens falsch erinnert, werfen wir einfach mal einen Blick auf die offiziellen Daten des Deutschen Wetterdienstes für Lübeck. Im Jahr 2026 hatten wir in Lübeck bisher 38 Sommertage mit einer Spitzentemperatur über 25 °C. An 12 dieser 38 Tage wurde sogar eine Temperatur über 30 °C gemessen. Sie gelten als sogenannte ‚Hitzetage‘.


Am Sonntag waren die Promenaden in Travemünde gut besucht.

Die lagen aber nicht alle hintereinander, sondern waren über längere Zeitspannen verteilt. Ein Glücksfall war dabei, dass die Nachttemperaturen nur an zwei dieser Hitzetage knapp über der Grenze von 20 °C lagen und als sogenannte ‚Tropennächte‘ gezählt werden konnten. An den meisten Hitzetagen war es nachts deutlich kühler, sodass die Hitze in Lübeck erträglicher war als anderswo in Deutschland. Wenn man das als dramatisch bezeichnen möchte, soll man das gerne tun. Wir sind da konservativer und sprechen lieber von relativ normalen Sommertagen, an denen es natürlich auch einmal heiß wird.

Der heißeste Tag des Jahres war der Siebenschläfertag am 27. Juni mit einer Temperatur von 37,8 °C. Den kältesten Tag hatten wir am 15. Februar mit –14,5 °C. Erinnern Sie sich noch? Der Winter war verdammt kalt. An 63 Tagen ging die Temperatur unter die Null-Grad-Marke und wir hatten 21 Eistage, an denen es über 24 Stunden vollständig im Minusbereich war. Wenn man November und Dezember 2025 mitzählt, kommen noch einmal 18 Wintertage dazu.



Wir sind also, unserer Auffassung nach, in Lübeck vergleichsweise noch einigermaßen glimpflich davongekommen. Nur die Niederschlagsbilanz sollte uns Sorgen machen. Wir gehen in das letzte Drittel des Jahres und haben bisher erst etwa 340 Liter/m² eingefahren. Erinnern wir uns. Im Jahre 2018 hatten wir einen Jahreswert von ca. 450 Litern/m² und eine daraus folgende lang anhaltende Trockenheit in den oberen Bodenschichten. Die konnte erst 5 Jahre später wieder einigermaßen ausgeglichen werden. Auf eine solche Jahresbilanz könnten wir wieder zusteuern. Von daher wird es immer wichtiger, sorgsam mit unseren Grundwasservorräten umzugehen. Bisher hat Schleswig-Holstein da noch keine Probleme, das könnte sich aber schnell ändern.

In einigen Regionen Deutschlands wurden die Bürger in diesem Jahr bereits zu drastischer Reduzierung des Wasserverbrauchs aufgerufen. Soweit sollte es bei uns nicht kommen. Mit Starkregen hatten wir in diesem Jahr bisher so gut wie nichts zu tun. Erst ab 15 bis 25 Liter/m² in einer Stunde spricht der Wetterdienst in einer ersten Warnstufe von ‚markanten‘ Niederschlägen. Der stärkste Tag, den wir hatten, war der 30. Juni mit einem Tageswert von 19,5 Liter/m², nur da kann das angelegen haben. Insgesamt gab es bisher im Jahresverlauf nur 4 Tage mit Werten zwischen 10 und 20 Litern/m², alles andere lag darunter.

Hoffen wir also, dass es in den restlichen vier Monaten von 2026 immer einmal wieder moderaten und etwas länger anhaltenden Regen geben wird. Landwirtschaft und Forsten sind dringend darauf angewiesen. Nur eine Feldfrucht hatte mit der Verteilung von Sonne und wenigen Niederschlägen an den richtigen Tagen keine Probleme. Kürbisbauer Harald Benett aus Israelsdorf berichtet, dass er sich nicht erinnern kann, jemals eine so gute Ernte gehabt zu haben. Sogar seine rauhwolligen Pommernschafe haben bereits das Feld gestürmt, um sich an den leckeren Früchten zu laben. Die sind mittlerweile wieder ausgesperrt und die Kürbisse stapeln sich langsam auf dem Hof. Am 20. September ist traditioneller Kürbistag, da können sich dann alle Lübecker Kürbisliebhaber von der guten Ernte des Jahres überzeugen.
Der Sommer endet langsam. Harald Denckmann zieht eine Bilanz. Fotos: Karl Erhard Vögele
Der Sommer endet langsam. Harald Denckmann zieht eine Bilanz. Fotos: Karl Erhard Vögele

Text-Nummer: 181415    Autor: Harald Denckmann    vom 23.8.2026 17.24 Uhr

Kommentare zu diesem Text (3):

Wahrheit

schrieb am 24.8.2026 7.41 Uhr:
So kann man es auch nennen wenn man den "offiziellen" Wetterstationen z. B. von Lübeck Blankensee für Statistiken heranzieht... Bloss dass niemand in Flughafengeländenähe wohnt (ausser paar Ausnahmen) ... Zum Glück gibt es live Messungen INNERHALB aller Stadtteile Lübecks, von Weathermap z. b. und da ist nichts mehr mit verträglich das ist die Realität in dieser schrecklichen Hitzespot Stadt das ist die Wahrheit live zu sehen: 42 Grad an vielen Tagen, 38 Grad sowieso schon früh morgens ... Absolut nicht verträglich und die Thermoskannen Wohnungen sind eine Katastrophe der Vermieter schützt seine Räume selbst mit Außenjalousien aber die Mieter selbst die sind denen komplett egal. So sieht die Wahrheit aus.

Martin

schrieb am 24.8.2026 9.23 Uhr:
Vielen Dank für diese sachliche, unaufgeregte Auswertung. Es tut gut bei all der Hysterie auch mal Evaluierungen zu lesen, die nicht ausschließlich Emotionen triggern wollen.

Florian

schrieb am 25.8.2026 0.17 Uhr:
Danke für die Auswertung des Wetters der letzten Monate. Super wäre es jetzt noch, wenn die Sommer und Hitzetage der vergangenen Jahre und im Vergleich zu 1990 dargestellt würden, dann wäre nämlich eine sachliche Einschätzung ob es dieses Jahr wärmer war als sonst in Lübeck besser machbar. Die "konservative" Einschätzung des Autors ist somit ja auch sehr subjektiv.
Vielleicht könnten Sie das ja noch ergänzen @Harald Denckmann.