Spott und Empörung: Hüxtertorbrücke im Schwarzbuch entfacht hitzige Debatte

Lübeck: Die Aufnahme der Lübecker Brücken in das aktuelle "Schwarzbuch der Denkmalpflege" (wir berichteten) ist ein Weckruf. Besonders der schlechte Zustand der Hüxtertorbrücke wird von Experten scharf kritisiert. Die darauffolgende mediale Berichterstattung hat in den sozialen Netzwerken ein regelrechtes Beben ausgelöst: Zwischen Frust, Galgenhumor und fassungslosen Vergleichen entlädt sich derzeit der Unmut der Bürger über die marode Infrastruktur der Hansestadt.



Die Infrastruktur der Hansestadt Lübeck steht zunehmend unter kritischer Beobachtung – nun sogar auf nationaler Ebene. In der aktuellen Ausgabe des Schwarzbuchs der Denkmalpflege 2024/25 rückt Lübeck in ein wenig schmeichelhaftes Licht. Insbesondere der unaufhaltsame Verfall der historischen Brücken wird von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) angemahnt.

Ein prominentes Sorgenkind ist dabei die Hüxtertorbrücke. Das Urteil der Denkmalschützer in der Publikation fällt vernichtend aus: "Der Rost frisst sich zunehmend durch die Stahlkonstruktion und setzt dem Bauwerk massiv zu". Besonders die mangelnde Perspektive wird scharf gerügt, denn ein Sanierungsbeginn sei "derzeit nicht in Sicht". Das unmissverständliche Fazit der Stiftung lautet daher: "Für die DSD ist dies kein Zustand für ein Denkmal".



Welle der Empörung in den sozialen Netzwerken
Diese schonungslose Analyse und die daraus resultierende Berichterstattung haben bei den Lübeckern einen Nerv getroffen. Auf den sozialen Plattformen entlädt sich der geballte Frust über die Verkehrssituation in zahlreichen Kommentaren. Die Reaktionen reichen von tiefem Unverständnis bis hin zu beißendem Sarkasmus.

Ein Nutzer bringt sein Unverständnis fassungslos zum Ausdruck: "Wie kann man, wenn man auf einer Insel lebt, seine Brücken dermaßen verkommen lassen! Als Ur-Lübecker dreht sich mir der Magen um!" Ein kurzes, aber prägnantes Fazit zieht ein anderer Kommentator: "Lübeck und seine Brücken, absolute Katastrophe." Dass die allgemeine Verkehrssituation längst als Dauerbelastung empfunden wird, zeigt sich auch in einem Kommentar, in dem eine Leserin schlicht und resigniert resümiert: "Lübeck ist ne einzige Baustelle". Viele fürchten zudem, dass der aktuelle Zustand nur ein Vorbote für weitere Einschränkungen ist: "Das ist bestimmt die nächste Brücke, die gesperrt wird", mutmaßt eine Kommentatorin.



Galgenhumor als Bewältigungsstrategie
Angesichts der fortwährenden Hiobsbotschaften flüchten sich viele Bürger in Galgenhumor. In fragt ein User augenzwinkernd: "Können wir uns demnächst eine Priwallfähre ausleihen? Zum Übersetzen auf die Altstadtinsel … wenn denn alle Brücken kaputtgespart und gesperrt sind". Ähnlich kreativ zeigt sich ein Leser, der einen bekannten Songtext umdichtet: "Über sieben kaputte Brücken musst du gehn … Bald kannst du mit dem Boot auf die Altstadtinsel fahren". Eine weitere Nutzerin nimmt die verfahrene Situation mit einem lakonischen Loriot-Zitat auf die Schippe: "Da hilft ein bisschen Lametta".

Andere blicken über die Stadtgrenzen hinaus und vergleichen das hiesige Tempo mit Bauprojekten im Ausland. So merkt ein Kommentator an: "Die Bauzeit für große Brücken in China variiert stark je nach Projektgröße […] Kleinere oder vorgefertigte Stadtbrücken werden oft in Rekordzeit innerhalb weniger Tage oder Stunden ausgetauscht."



Trotz der vielen emotionalen Reaktionen gibt es in den Kommentarspalten auch Bemühungen um sachliche Orientierung im Chaos der Baustellen. So weist ein Leser auf die komplexen Verkehrsführungen hin: "Das Durchfahrverbot gilt für den Hüxterdamm ab Ecke Kanalstraße. Die Brücke selbst und die Kanalstraße sind die Umleitung für die gesperrte Hubbrücke."

Die intensive Debatte zeigt eindrücklich: Die historischen Brücken Lübecks sind für die Menschen weit mehr als nur zweckmäßige Verkehrswege. Sie sind ein hochgradig emotionales Thema, das die Stadtgesellschaft stark bewegt – und bei dem die Geduld der Bürger allmählich aufgebraucht ist.
Viel Verkehr auf der maroden Hüxtertorbrücke: Die historische Brückeninfrastruktur der Hansestadt steht massiv in der Kritik. Fotos: Helge Normann
Viel Verkehr auf der maroden Hüxtertorbrücke: Die historische Brückeninfrastruktur der Hansestadt steht massiv in der Kritik. Fotos: Helge Normann

Text-Nummer: 181440    Autor: HN/red.    vom 6.9.2026 18.03 Uhr

Kommentare zu diesem Text (11):

Kralle

schrieb am 7.9.2026 8.37 Uhr:
Gibt es eigentlich noch etwas , was in HL funktioniert? Außer dem gewinnbringenden Erspähen und Verfolgen von Falschparkern?

Alles ist marode oder baufällig, die Innenstadt "ein Schatten ihrer selbst" siehe ehemaliges Karstadt Sporthaus seit 10 Jahren.
Das die Brücken baufällig sind, oder jahrelang schon nicht befahren werden können, ist ein Treppenwitz, den man außerhalb Lübecks kaum glaubt!

PCQ

schrieb am 7.9.2026 9.10 Uhr:
Denkmäler und Lebensadern zugleich - und kaputtgespart. Aber das ist ein Systematisches Problem: eine kontinuierliche Instandsetzung kostet und wird primär von der Stadt getragen. Ohne Instandsetzung zu warten, bis die Brücken (aber auch andere Objekte wie Schulgebäude) saniert werden müssen, sorgt dafür, dass man ggf. Bundesmittel bekommt. Der Leidtragende ist der Bürger, der nicht nur ein Mobilitätsproblem hat, sondern auch unter den anderen Folgen (z.B. welche, die sich daraus ergeben, wenn Geschäfte dicht machen müssen) leidet.

Harry

schrieb am 7.9.2026 9.23 Uhr:
Lübeck hat fertig. Und das Schlimme daran ist, dass der Bürgermeister einem mit jedem seiner Facebook-Posts nur noch hämisch ins Gesicht lacht, anstatt seinem Amt gerecht zu werden und endlich Stellung zu beziehen.

K.Lukai

schrieb am 7.9.2026 9.24 Uhr:
Die Lübecker Brücken sind ein uraltes Thema. Es gibt einen Brückenbericht von 2008 im Netz zu finden. Dort steht als Baubeginn 2012 (sic!): "Hüxtertorbrücke, Mühlenbrücke, Roddenkoppelbrücke, Josephinenbrücke I, Josephinenbrücke II, Bahnhofsbrücke"

Nunja, wir haben 2026 ... die Mühlentorbrücke wurde in dem Bericht mit einer schmeichelhaften 3,3 von 2004 benotet. Die Hüxterbrücke wird in der Form leider nicht erwähnt, aber es gab ja einen Sanierungsplan....
(2004 war übrigens das Jahr, in welchem Facebook erfunden wurde. Nur zur Einordnung!)

Naja, gut 20 Jahre später wurde gesperrt, und da die Hüxterbrücke noch nicht Note 4 hat, haben wir doch noch Zeit bis mindestens 2045. Kein Grund zur Panik. Die Regierung der Stadt hat wie gewohnt alles im Griff!

At.Ti.Ka.

schrieb am 7.9.2026 11.14 Uhr:
Die Stadt ist marode u.die Bürgerschaft, Verwaltung samt Bürgermeister sind in Anbetracht desaströser Finanzlage praktisch handlungsunfähig. Man sollte die Kommunalaufsicht einschalten bzw. eine Zwangsverwaltung anstreben. Schlimmer gehts ja kaum noch. Wer macht mit?

Kralle

schrieb am 7.9.2026 12.45 Uhr:
@At.Ti.Ka Zitat : (schrieb am 7.9.2026 11.14 Uhr:
Die Stadt ist marode u.die Bürgerschaft, Verwaltung samt Bürgermeister sind in Anbetracht desaströser Finanzlage praktisch handlungsunfähig..)Zitat Ende.

Aber Millionen über Millionen für die Ratzeburger Allee und einen Radschnellweg ist genügend da.

Da kann man dann "Einschalten" wen man will. Selbst die Landesbehörden in Kiel haben mehrfach die finanzielle Situation angemahnt- bei der Bürgerschaft und dem Bürgermeister vergebens!

Tja-Nu

schrieb am 7.9.2026 12.47 Uhr:
Die Burgtorbrücke ist doch nicht ausgelastet.
Dann entlastet die Hüxtertorbrücke und schickt den Verkehr über die Burgtorbrücke.
Selbstverständlich müssen die Straßen in der Altstadt dementsprechend angepasst werden und der Traum von der autofreien Altstadtinsel ausgeträumt werden.
Beckergrube für den Durchgangsverkehr öffnen. Anders geht es nicht, denn wo kann man bald bzw. schon lange nicht mehr die Altstadt erreichen?
Wisst ihr selber:
Mühlenbrücke = X
Hubbrücke = X
Hüxtertorbrücke = ?
Reederbrücke = ?
Marienbrücke = ?
Drehbrücke = ?
Tja, der finanziell günstigste Ausweg ist der Durchgangsverkehr, wie er einmal war.

Isso!

Günni

schrieb am 7.9.2026 16.11 Uhr:
Ingo Appelt hat 2014 bereits in der Sendung von Mario Barth mit dem damaligen Stadtsprecher Marc Langentepe über die maroden Brücken gesprochen, aufgrund des schlechten Abschneidens bei einem ADAC-Test.
"Wer garantiert, dass die Brücken sicher sind“, fragte Appelt — und Langentepe reagierte genervt: „Ich sage das!“
Das erheiterte schon damals bundesweit die Medien und wurde zum running gag in der Sendung. Wirklich lustig, wenn es nicht so überheblich wäre und die Misere jetzt richtig zum Ärgernis aller Menschen die in Lübeck wohnen oder hierher kommen geworden ist. Die städtischen Verantwortlichen sind wirklich zuverlässige Gagbringer für Kabarettisten.
guenterhein@t-online.de

Alex

schrieb am 7.9.2026 18.31 Uhr:
"Sie sind ein hochgradig emotionales Thema, das die Stadtgesellschaft stark bewegt – und bei dem die Geduld der Bürger allmählich aufgebraucht ist. "

Die Geduld ist schon lange aufgebraucht.
Es würde nicht verwundern, wenn die CDU und SPD bei der kommenden Wahl ein Rekordergebnis wie die CDU in Sachsen einfahren.
Populisten bekommen immer dann Zulauf, wenn die Politik an den Menschen vorbei regiert.

der einzig wahre Dissident

schrieb am 8.9.2026 8.50 Uhr:
der Zustand der Brücken in Lübeck, aber auch im ganzen Lande, ist eine reine Verteidigungsmaßnahme. Statt teuer aufzurüsten´werden die Brücken durch lieber geschwächt. So kann uns der böse Putin nicht mehr angreifen, seine Panzer und können diese Brücken einfach nicht mehr passieren. :-)))) Humor ist - wenn man trotzdem noch (bitter) lacht
Kaliber45@yahoo.com

Kern

schrieb am 8.9.2026 13.01 Uhr:
Hm, warum nicht eine einfache Lösung ?
Was ist aus den alten Pontonbrücken der Bundeswehr geworden ? Frei für Individualverkehr
, 40 Tonner bleiben draußen und deren Güter auf Lastenräder verteilt.

Hier endet der witz