Sicherheit am Strand: Von Suchbändern und Gefahren am Priwall
Lübeck - Travemünde: Mehrfach in diesem Jahr sind Einsatzkräfte zum Kurstrand ausgerückt, um Vermisste zu suchen. Mal sind es Erwachsene, oft aber auch Kinder, die aus den Augen geraten sind. Und zum Glück meist gar nicht beim Schwimmen, sondern irgendwo an Land unterwegs sind. Ein kleiner Silikonring am Handgelenk kann Suchaktionen am Strand verkürzen. Doch die DLRG Travemünde hat noch ein weiteres, ungelöstes Problem im Visier: gefährliche Missverständnisse (oder Schilder-Blindheit) auf dem Priwall.

In der Lübecker Bucht und an vielen weiteren Wasserrettungsstationen der DLRG gibt es das kleine blaue „Kindersuchband“ kostenlos. Strandkorbvermieter geben es kostenlos heraus, wenn Familien anreisen. Aber auch Tagesgäste können sich gern bei den Vermietern oder an der DLRG‑Hauptwache ein Bändchen holen. Das dehnbare Bändchen ist aus Silikon und wird von den Kindern am Handgelenk getragen. Auf der Innenseite ist eine Nummer eingestanzt. Und diese Nummer wiederum einer Telefonnummer auf einer Liste zugeordnet. So können Rettungsschwimmer schnell den Kontakt zu den Eltern herstellen, wenn sich ein Kind verlaufen hat.
Auch in Travemünde gibt es diesen kostenlosen Service: „Alle Strandkorbvermieter haben die Bändchen“, sagt Gerrit Pentzin, Vorsitzender der Lübecker DLRG. Er schätzt, dass in Travemünde etwa 500 davon im Jahr herausgegeben werden. Es wird regelmäßig nachbestellt. Zurzeit sind die Bänder noch blau, weil das früher die Farbe der DLRG war. Wenn die Charge aufgebraucht ist, werden die Bändchen im heute vertrauten Rot der DLRG verteilt. Da Tagesgäste von dem Service oft nichts wissen, wird überlegt, das „Kindersuchband“ in den Flyer der DLRG mit aufzunehmen, der derzeit überarbeitet wird. Doch der Flyer soll nicht nur Familien helfen, sondern auch vor einer echten Gefahrenquelle am Strand warnen.
DLRG überarbeitet Flyer
„Wir sind dabei, unsere Flyer zu überarbeiten“, erzählt der Lübecker DLRG-Vorsitzende Gerrit Pentzin im Gespräch mit HL-live.de. Darauf erfährt man zum Beispiel, was die Flaggen auf den Türmen am Strand bedeuten. Im neuen Flyer soll aber auch deutlich auf die Gefahren am Anfang des Priwall-Strandes hingewiesen werden. Dort herrscht aus gutem Grund Badeverbot für Mensch und Tier. Der Grund ist die Gefahr „durch Sog und Wellenschlag“, wie auf dem Schild zu lesen ist, verursacht durch die vorbeifahrenden Schiffe.

Das Schild am Priwall-Strand ist schwer zu übersehen, wird aber oft ignoriert oder schlicht missverstanden. Foto: Juzi
„Die Schilder sind da, die Schilder sind groß genug, viel mehr kann man nicht machen“, sagt Gerrit Pentzin. Außer, jeden Einzelnen, der trotzdem ins Wasser geht, darauf hinzuweisen. Was für die DLRG sehr personalintensiv ist. An sonnigen Tagen ist ein Rettungsschwimmer den ganzen Tag damit beschäftigt. Ganz wird man die Leute nicht davon abhalten, weiß auch der DLRG-Chef, aber den Aufwand vielleicht etwas reduzieren. Erst einmal darauf angesprochen, würden die Leute es verstehen und etwas weiter gehen.
Das Schild führt allerdings gelegentlich zu Missverständnissen: So glauben manche Strandbesucher, dass das Baden nur verboten sei, wenn Schiffe zu sehen sind. Andere glauben, man dürfe nur nicht an der Wasserkante stehen, und wieder andere, es handle sich um ein generelles Strandverbot für Hunde und Schwimmer.
Kommentare zu diesem Text (3):
nolli
schrieb am 25.8.2026 16.39 Uhr:
Wenn die Eltern nur im Korb mit dem Handy spielen ist es schon schlimm,aber die Armbänder sind schon super.
Verbotsschilder sind auch auf der Seebrücke. Springen verboten, aber man denkt manchmal da werden Meisterschaften ausgetragen
Trident
schrieb am 25.8.2026 21.46 Uhr:
Es ist lange überfällig die bislang völlig übertriebenen Suchaktionen nach vermissten Kindern in Travemünde auf das verhältnismäßige Maß einer Ausrückordnung der Rettungskräfte zu reduzieren. In keinen anderen Ort an der Lübecker Bucht wird so sinnlos alarmiert! Bislang befand sich kein gesuchtes Kind im Wasser! Und dies ist meine Erfahrung vieler Rettungsschwimmerdienste an Stränden von Nord- und Ostsee - auch in Timmendorf und Grömitz. Hier werden rettungsdienstliche Ressourcen unnötig und lange blockiert. Die fehlen an anderer Stelle und erhöhen so fälschlich den Bedarf! Das verursacht vermeidbare Kosten für die Steuerzahler! „Traditionelle“ Ausrufe der gesuchten Kinder -manchmal auch der Eltern😉- mit Lautsprechern haben einen höheren „Wirkungsgrad“ als der massive Kräfteeinsatz zu Luft, Land und See!
gernotM
schrieb am 26.8.2026 11.50 Uhr:
Wenn die Eltern nur konsequent auf ihre Kinder und nicht auf ihr Smartphone schauen würden, gäbe es nicht diese unnötigen und vor allem teuren Suchaktionen.
Ich empfehle den Rettungs-Organisationen, die Eltern massiv an den Kosten beteiligen zu lassen.
Dann, und nur dann verschwinden diese Einsätze !